Ihr Lieben, lasst Euch mal herzlich drücken. Schön, daß es Euch gibt.
Hab' meinen Ex heute mal wieder kurz gesehen. Er hat unsere gemeinsame, erwachsene Tochter bei mir abgeholt. Wir haben kurz geredet, alles sehr freundlich, sehr entspannt, sehr "normal". Dann sind die beiden abgezogen.
Und ich blieb allein mit meinen Gedanken zurück. Es fühlte sich so an, als wenn ich nicht ein, sondern zwei erwachsene Kinder hätte, die eben jetzt beide ausgezogen sind, in ihr neues, unabhängiges Leben
Und nun ? Die Tür hat sich hinter den beiden geschlossen
Ich bin alleine mit mir, meinen Gedanken
Kein akuter Stress. Ich sehe mich um.
Ich sehe, ich hocke im leeren Nest.
Ohjeh.
Ich bin frei. Sogar schmerz-frei im Moment. Doch frei zu was ? Ich hatte mich innerlich darauf vorbereitet, dass ein Loch kommt, wenn ich aus den Mutter-Pflichten rauswachse. Aber all meine schönen Pläne bezogen sich auf einen Weg zu zweit. Darauf, dass ich den Wechsel ganz alleine zu stemmen habe und was das bedeutet, darauf habe ich mich nicht vorbereitet. Und so richtig weiter gekommen, bin ich da bislang nicht.
Ich war zu dicht in den letzten Jahren, um mich damit ernsthaft zu befassen. Erstmal hat mich der Schmerz über diese Trennungsgeschichte mit Beschlag belegt. Dann überhaupt dieses klarkommen damit, mich als verlassene, als alleinstehende Frau anzusehen. Doch je mehr das alles zurückweicht, desto mehr finde ich mich nun schlicht in einem Alltag wieder, in dem niemand nach mir fragt, niemand mich braucht.
Tür zu. Meine ehemals wichtigsten Bezugspersonen sind im Abenteuerwunderland. Und ich ?
Ich habe Freunde. Das ist gut, aber dennoch was ganz anderes als Menschen, mit denen man das Leben teilt. Ich bin Rudeltier. Keine Einzelgängerin. Aber war ja klar. Das Leben hat mir schon immer gerne genau die Aufgaben gestellt, für die ich am wenigsten gerüstet bin. Irgendwie werde ich auch das wuppen. Und wenn nicht, wird meine Lebenszeit trotzdem verstreichen. So ist das. Es geht weiter. Egal wie ratlos ich auch bin.
Gestern war ich auf einem kleinen Konzert. Biergarten, Live-Musik, gut gelaunte Gesichter um mich herum. Hat sich gut angefühlt. Für ein paar Stunden habe ich nichts und niemanden vermißt. Mein Ex flog in meinen Gedanken mehrfach vorbei, aber es kam immer nur ein - Nöh. Ich brauche Dich nicht. Es ist toll hier. Wärest Du noch an meiner Seite, würde ich das hier gerne mit Dir teilen. Aber es ist auch so toll.
An Euch musste ich auch denken. Habe Euch in meinen Gedanken ins Publikum gebeamt. Mir für Euch gewünscht, dass ihr einen ebenso schönen Abend erlebt. Wo auch immer ihr seid.
Habt ein gutes Rest-Wochenende