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Wir treffen uns - so wie immer

Carlaa


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Oh liebe Nachtgedanken,
du machst dir da vielleicht doch etwas vor bezüglich der Gefahr, in die du dich seelisch bringst, indem du deinem alten Verlasser auf längere Zeit als Kummerkasten dienst. Das sage ich aus eigener Erfahrung (Erfahrung mit der Bereitschaft, sich von notleidenden Exen als gute Freundin und Helferin benutzen zu lassen; mit und ohne Verliebtheit dabei).

Am Anfang jubelst du innerlich, denn du hast ihm nun offensichtlich was zu geben. Du bist also 1. toll, und du wirst von ihm 2. gebraucht. Endlich ein lang vermisster Push fürs Ego von dieser Person, die dich nie genug gewürdigt hat.
Doch je öfter du ihn siehst, umso mehr landen dein Körper und Geist wieder in vertrauten Schmerzkreisläufen. Was du mühsam erarbeitet hast, wirst du verleugnen, fängst jetzt schon damit an.

Meine Meinung: Er verlässt sich auf dich, weil er weiß, dass du eine Schwäche für ihn hast. Du bist nutzbar. Es ist aber gar nichts so Individuelles zwischen euch, was er schätzt. Das denkst du zwar und das gaukelt er dir vor. Er will ja auch keine Beziehung, macht jetzt schon einschränkende Bemerkungen. Angst, dich zu verletzen, was heißt das? Er liebt dich einfach nicht. Hör du dann auch auf damit, ihn zu lieben.
Das kann man.
"Willst du glücklich sein, sei glücklich" las ich heute an der Pinnwand meiner Yogalehrerin. Mach du dein eigenes "Kind" glücklich, um seins kannst du dich nicht kümmern!

21.07.2019 21:11 • x 3 #76


Amyontour

Amyontour


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Puhhhh, das hat mich alles ganz schön mitgenommen....
Wohin?
In meine 2,5 Jahre andauernde Reise.... dieser Junge wie du ihn beschreibst @nachtgedanke ....das ist das was uns am Leben hindert...

Ich bin unfähig trotz mangelnder Kriegsfrauenerfahrung mich abzugrenzen, ich will diesen Jungen immernoch retten, auch wenn ich ich ihn als Partner nicht mehr möchte...

Ja, meschugge sind wir

21.07.2019 22:48 • #77



Wir treffen uns - so wie immer

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Nachtgedanke


Zitat von Carlaa:
Angst, dich zu verletzen, was heißt das? Er liebt dich einfach nicht. Hör du dann auch auf damit ihn zu lieben.


Liebe Carlaa,

Dein Text kreist seit gestern in meinem Kopf herum .
Ich will ihn derzeit nicht als Partner. So konfus wie er im Inneren ist. So mißtrauisch wie ich bin.
Das taugt nicht. Würde er versuchen, mir deutlich näher zu kommen, mir bliebe nichts als die Flucht.

Da ich also selber Ängste habe, kann ich das mit seiner Angst gut so stehen lassen. Ohne das zu interpretieren. Nun hast Du es interpretiert .

Der Gedanke, dass er sich anderweitig orientiert , sogar mit hohem Risiko anderweitig orientieren wird - den hatte ich ja schon vorher . Den finde ich aber nicht sooo schlimm . Ich kann ihm ja auch nichts versprechen , von wegen, dass ich ihn nochmal als Partner nehmen könnte .

Ein Risiko in Kauf zu nehmen, und sei es noch so hoch, hat jedoch eine andere Qualität als ausschließlich eine Art sozialer Gebrauchsgegenstand zu sein. Letzteres ist es , was Du schreibst .
Und vielleicht ist das die einzige Wahrheit . Und ist schon so , wie Du schreibst - es geht letztlich um Wertschätzung .

Ein Teil des Zaubers, den mein Ex da grade entfaltet, hat damit zu tun, dass er sich nicht ständig über seine Sachen ausheult , sondern vor allem engagiert ist mit Vorschlägen für schöne Unternehmungen und durchaus auch mir zuhört und 'ne Schulter anbietet, wenn's mir grad nach ausweinen zumute ist . Ich empfinde ihn momentan als sehr zugewandt .

Trotzdem Gebrauchsgegenstand ? Weil ich als Notnagel grad gut ins Programm passe ? Mit Speck fängt man Mäuse ? Ja, das sind meine Zweifel an der Situation. Und dann denke ich wieder - da Du Dich sowieso grad drauf einlässt, nimm' wenigstens die guten Momente mit .

Darf ich fragen, wie Deine eigene Geschichte war. Also die mit den Exen ? Haben die sich in der "Kummerkasten-Phase" auch engagiert ? Und - wie bist Du aus dem/ den Kontakten rausgekommen ?

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Liebe Amyontour

den Jungen immer noch retten wollen - ja, das kenne ich . Nur zu gut .

Das Helfen-Wollen kann ich nicht abstellen . Das ist ein tiefsitzender Teil von mir. Aber nach langem Knabbern habe ich zumindest ein gutes Gegengewicht gefunden . In der Erkenntnis, dass es anderen Menschen sogar schaden kann, ihnen zuviel Rettung zuteil werden zu lassen. Weil ihnen das den nötigen Schmerz nimmt, um sich weiter zu entwickeln und damit zu ihrem eigenen Retter werden.

Diese Vorstellung funktioniert für mich grade ganz gut, weil es meine helfenden Impulse umlenkt in Richtung mehr Distanz und Laufenlassen . Überhaupt - dem anderen zutrauen, dass er seinen Weg schon machen wird . Vielleicht sehr krumm und schief und unverständlich für mich . Dennoch im Zutrauen zu bleiben - das ist eines der größten Geschenke, die man einem Kind machen kann.

Und vielleicht also auch einem Erwachsenen, der noch nachreifen will.

Hast Du zu Deinem Ex denn noch Kontakt ? Oder versuchst Du gerade, Dich mit einem Kontaktabbruch abzufinden ?

Liebe Grüße, Nachtgedanke

23.07.2019 00:58 • x 1 #78


Amyontour

Amyontour


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Lieber Nachtgedanke,
Danke für deine Zeilen... es ist so eine Sache mit dem helfen. Unsere Kinder haben wir doch auch zur Selbständigkeit erzogen.
Trotz allem was passiert ist haben wir noch Kontakt, ich bin immer sein Anker.... wir kennen uns seit wir 16 sind, es ist schwer da ein Kontaktabbruch zu vollziehen.
Zumal ich es auch nie wollte, es ist nicht meine Art. Teilweise war und bin ich distanziert aber ganz aus meinem Leben kann ich niemanden, erst recht nicht den Vater meiner einzigen Tochter verbannen.

Mich stört das ich so wenig Initiative zeige selbst eine neue Partnerschaft einzugehen... es geht nicht, alle Männer prallen nur so an mir ab.
Komischerweise empfinden mich andere als stark, er hört und sieht mir aber alles an, auch wenn er unfähig ist etwas damit anzufangen...

Die Sache mit den Kriegsfrauen in deinen Schilderungen beschäftigt mich...
Genau diese Haltung habe ich, konnte leider noch nicht rausfinden wo sie herrührt.

Liebe Grüße
Amyontour

23.07.2019 06:07 • #79


Nachtgedanke


Sommer 2020. Corona hat Spuren hinterlassen. Im Land und in meiner Seele .

Mein letzter Eintrag hier vom Sommer 2019. Wie ging es weiter ? Der ausklingende Sommer und dann der Herbst - sie waren so schön. Ich bin aufgeblüht, hab' im Winter viele Pläne fürs heiß ersehnte Frühjahr geschmiedet . Doch dann kam Corona und hat alles zerschlagen. Es kam die Ohnmacht. Es kam die Hoffnungslosigkeit .

Ich habe meinen inneren Kurs verloren . Bin zurück gestürzt in die Depression, aus der ich mich so mühsam befreit hatte . Du bist - aus Deinen eigenen Gründen - ebenfalls zunehmend um Deinen eigenen Planeten gekreist . Wir sind einander nicht mehr gerecht geworden.

Gestern hat es geknallt . War überfällig . Jetzt sind wir auf Abstand . Was draus wird ? Wir werden sehen . Die Zeichen stehen auf Loslassen . Und das ist gut so . Es hatte sich eine Lähmung breit gemacht. Eine bestürzende Taubheit, aus der jeder von uns sich nur selber befreien kann . Und dabei standen wir einander im Wege .

Ich schwanke zwischen Erleichterung, Schmerz und brennender Scham. Scham darüber, dass ich es in den letzten Wochen nicht geschafft habe, mich aus dem Sumpf zu ziehen . Schmerz darüber, wieder auf mich zurück geworfen zu sein . Mich abgetrennt zu fühlen. Erleichterung, weil der Schmerz mich etwas fühlen lässt .

Ich kann nicht sagen, dass ich Schmerzen mag. Und doch sind sie ein gewaltiger Motor . Treiben Veränderung . Und Veränderung tut wahrhaftig not, wenn jemand in der Depressionsfalle sitzt .

Wie es weitergeht ? Keine Ahnung . Wir haben nochmal telefoniert heute . Sehr friedlich . Du hast mir erzählt, dass Du auf einer Wiese liegst . Mit der Sonne im Gesicht . Ein schönes Bild . Ich versuch', Dich vorerst dort zu lassen - in meinem Herzen . Mit Dir im Reinen .

In Kürze habe ich zum Glück einen Urlaub geplant mit einer lieben Freundin . Rauskommen wird mir gut tun . Ich denke, wir werden vorher noch ein-, zweimal sprechen . Ein wenig bange bin ich . Nicht wegen der realistischen Option, dass Du ab jetzt wieder komplett von mir forttreibst . Mehr deswegen:
Zitat von Amyontour:
....eine neue Partnerschaft ... geht nicht, alle Männer prallen nur so an mir ab.
Mir fehlt es an Zutrauen, dass ich das jemals abgelegt bekomme .

Liebe @Amyontour , ich hoffe, wenigstens Du bist im letzten Jahr an dieser Baustelle weitergekommen . Liebe Grüße, Nachtgedanke

21.06.2020 18:22 • x 1 #80


Nachtgedanke


Gestern entschieden:
Morgen werde ich tanzen gehen.
Das wird mir gut tun.
Sch. auf Corona.

Ich fragte mich - falls mir da jemand begegnen würde. Wäre ich offen ?
Erstaunlicherweise - Die Antwort ist "Ja"

Das "Ja" hat mit der aktuellen Wut zu tun.
Trotzdem. Bemerkenswert. Bislang war die Antwort immer "Nein". Egal wie wütend ich war.

Da ist was passiert gestern.
Ich fand Neid in mir.
Neid darauf, dass Du weniger an mir hängst als umgekehrt.

Interessant. Neid habe ich mir, glaube ich, zuvor nie erlaubt. Dabei scheint er ein überaus nützliches Gefühl zu sein.

Hab' die alten Karten rausgekramt und zwei Fragen gestellt. Was bin ich für Dich ? Die Antwort war Reichtum. Was bist Du für mich ? Die Antwort war Ausgleichung. Dies beinhaltet eine Aufforderung, in die eigene Mitte zu geben.

Welch überaus passende Symbole. Damit kann ich arbeiten.

24.06.2020 15:07 • x 1 #81


Nachtgedanke


Zitat von Nachtgedanke:
Du sagst, dass Du Angst hast, mir wieder weh zu tun .
Das habe ich im Juli letzten Jahres notiert . Es hat kein ganzes Jahr gedauert, bis Du es dann getan hast . Immerhin . Es hat Dich eine ganze Nacht voller Schuldgefühle gekostet . Na, sag' mal . Du hast echt eine ganze Nacht schlecht geschlafen ? Nur wegen mir . Da darf ich mich jetzt vermutlich geehrt fühlen

Für mich war es heftig . Hat mich umgehauen . Doch so langsam stehe ich wieder . Und sieht fast so aus, als ob ich Dich endlich aus meinem Herzen bekäme . Wie das funktioniert, ist schwierig zu erklären. Oder ganz einfach. Ich nehme meinen Kummer zu mir . Das ist alles .

Es ändert nichts und gleichzeitig alles . Du bist nur noch Trigger . Alles andere liegt in mir . In der Theorie wusste ich immer , dass es so ist . Doch jetzt fühle ich es . Es ist, als hätte ich mir etwas von Dir zurück geholt . Vermutlich habe ich das auch . Mein Ich fühlt sich anders an als vorher . Vollständiger .

Wenn ich früher gute Stunden hatte, war da oft eine tiefe, traurige Sehnsucht, sie mit Dir zu teilen. Die ist fort . Ich hätte noch immer gerne jemanden zum teilen . Aber das ist was anderes als Sehnsucht nach Dir . Wenn ich früher nichts von Dir hörte , hat mich das Nicht-Wissen belastet . Jetzt empfinde ich immer öfter, dass es mich einen schei. interessiert, was ein Mensch tut oder lässt in dessen Leben kein Raum für mich ist .

Und weißt Du was ? Ich habe nichtmal den Drang, Dir davon zu erzählen . Das finde ich gut. Aber schaun wir mal . Die finale Nagelprobe steht noch aus . Denn - na klar. Wir werden uns sicher mal wieder treffen . Doch ich fiebere dieser Aussicht nicht entgegen . Warum auch ? Ich erhoffe rein gar nichts mehr vor Dir .

22.09.2020 01:46 • x 2 #82




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