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Wir treffen uns - so wie immer

C
Oh liebe Nachtgedanken,
du machst dir da vielleicht doch etwas vor bezüglich der Gefahr, in die du dich seelisch bringst, indem du deinem alten Verlasser auf längere Zeit als Kummerkasten dienst. Das sage ich aus eigener Erfahrung (Erfahrung mit der Bereitschaft, sich von notleidenden Exen als gute Freundin und Helferin benutzen zu lassen; mit und ohne Verliebtheit dabei).

Am Anfang jubelst du innerlich, denn du hast ihm nun offensichtlich was zu geben. Du bist also 1. toll, und du wirst von ihm 2. gebraucht. Endlich ein lang vermisster Push fürs Ego von dieser Person, die dich nie genug gewürdigt hat.
Doch je öfter du ihn siehst, umso mehr landen dein Körper und Geist wieder in vertrauten Schmerzkreisläufen. Was du mühsam erarbeitet hast, wirst du verleugnen, fängst jetzt schon damit an.

Meine Meinung: Er verlässt sich auf dich, weil er weiß, dass du eine Schwäche für ihn hast. Du bist nutzbar. Es ist aber gar nichts so Individuelles zwischen euch, was er schätzt. Das denkst du zwar und das gaukelt er dir vor. Er will ja auch keine Beziehung, macht jetzt schon einschränkende Bemerkungen. Angst, dich zu verletzen, was heißt das? Er liebt dich einfach nicht. Hör du dann auch auf damit, ihn zu lieben.
Das kann man.
"Willst du glücklich sein, sei glücklich" las ich heute an der Pinnwand meiner Yogalehrerin. Mach du dein eigenes "Kind" glücklich, um seins kannst du dich nicht kümmern!

x 3 #76


Amyontour
Puhhhh, das hat mich alles ganz schön mitgenommen....
Wohin?
In meine 2,5 Jahre andauernde Reise.... dieser Junge wie du ihn beschreibst @nachtgedanke ....das ist das was uns am Leben hindert...

Ich bin unfähig trotz mangelnder Kriegsfrauenerfahrung mich abzugrenzen, ich will diesen Jungen immernoch retten, auch wenn ich ich ihn als Partner nicht mehr möchte...

Ja, meschugge sind wir seufzen / traurig

#77


A


Wir treffen uns - so wie immer

x 3


N
Zitat von Carlaa:
Angst, dich zu verletzen, was heißt das? Er liebt dich einfach nicht. Hör du dann auch auf damit ihn zu lieben.


Liebe Carlaa,

Dein Text kreist seit gestern in meinem Kopf herum .
Ich will ihn derzeit nicht als Partner. So konfus wie er im Inneren ist. So mißtrauisch wie ich bin.
Das taugt nicht. Würde er versuchen, mir deutlich näher zu kommen, mir bliebe nichts als die Flucht.

Da ich also selber Ängste habe, kann ich das mit seiner Angst gut so stehen lassen. Ohne das zu interpretieren. Nun hast Du es interpretiert .

Der Gedanke, dass er sich anderweitig orientiert , sogar mit hohem Risiko anderweitig orientieren wird - den hatte ich ja schon vorher . Den finde ich aber nicht sooo schlimm . Ich kann ihm ja auch nichts versprechen , von wegen, dass ich ihn nochmal als Partner nehmen könnte .

Ein Risiko in Kauf zu nehmen, und sei es noch so hoch, hat jedoch eine andere Qualität als ausschließlich eine Art sozialer Gebrauchsgegenstand zu sein. Letzteres ist es , was Du schreibst .
Und vielleicht ist das die einzige Wahrheit . Und ist schon so , wie Du schreibst - es geht letztlich um Wertschätzung .

Ein Teil des Zaubers, den mein Ex da grade entfaltet, hat damit zu tun, dass er sich nicht ständig über seine Sachen ausheult , sondern vor allem engagiert ist mit Vorschlägen für schöne Unternehmungen und durchaus auch mir zuhört und 'ne Schulter anbietet, wenn's mir grad nach ausweinen zumute ist . Ich empfinde ihn momentan als sehr zugewandt .

Trotzdem Gebrauchsgegenstand ? Weil ich als Notnagel grad gut ins Programm passe ? Mit Speck fängt man Mäuse ? Ja, das sind meine Zweifel an der Situation. Und dann denke ich wieder - da Du Dich sowieso grad drauf einlässt, nimm' wenigstens die guten Momente mit .

Darf ich fragen, wie Deine eigene Geschichte war. Also die mit den Exen ? Haben die sich in der "Kummerkasten-Phase" auch engagiert ? Und - wie bist Du aus dem/ den Kontakten rausgekommen ?

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Liebe Amyontour

den Jungen immer noch retten wollen - ja, das kenne ich . Nur zu gut .

Das Helfen-Wollen kann ich nicht abstellen . Das ist ein tiefsitzender Teil von mir. Aber nach langem Knabbern habe ich zumindest ein gutes Gegengewicht gefunden . In der Erkenntnis, dass es anderen Menschen sogar schaden kann, ihnen zuviel Rettung zuteil werden zu lassen. Weil ihnen das den nötigen Schmerz nimmt, um sich weiter zu entwickeln und damit zu ihrem eigenen Retter werden.

Diese Vorstellung funktioniert für mich grade ganz gut, weil es meine helfenden Impulse umlenkt in Richtung mehr Distanz und Laufenlassen . Überhaupt - dem anderen zutrauen, dass er seinen Weg schon machen wird . Vielleicht sehr krumm und schief und unverständlich für mich . Dennoch im Zutrauen zu bleiben - das ist eines der größten Geschenke, die man einem Kind machen kann.

Und vielleicht also auch einem Erwachsenen, der noch nachreifen will.

Hast Du zu Deinem Ex denn noch Kontakt ? Oder versuchst Du gerade, Dich mit einem Kontaktabbruch abzufinden ?

Liebe Grüße, Nachtgedanke

x 1 #78


Amyontour
Lieber Nachtgedanke,
Danke für deine Zeilen... es ist so eine Sache mit dem helfen. Unsere Kinder haben wir doch auch zur Selbständigkeit erzogen.
Trotz allem was passiert ist haben wir noch Kontakt, ich bin immer sein Anker.... wir kennen uns seit wir 16 sind, es ist schwer da ein Kontaktabbruch zu vollziehen.
Zumal ich es auch nie wollte, es ist nicht meine Art. Teilweise war und bin ich distanziert aber ganz aus meinem Leben kann ich niemanden, erst recht nicht den Vater meiner einzigen Tochter verbannen.

Mich stört das ich so wenig Initiative zeige selbst eine neue Partnerschaft einzugehen... es geht nicht, alle Männer prallen nur so an mir ab.
Komischerweise empfinden mich andere als stark, er hört und sieht mir aber alles an, auch wenn er unfähig ist etwas damit anzufangen...

Die Sache mit den Kriegsfrauen in deinen Schilderungen beschäftigt mich...
Genau diese Haltung habe ich, konnte leider noch nicht rausfinden wo sie herrührt.

Liebe Grüße
Amyontour

#79


N
Sommer 2020. Corona hat Spuren hinterlassen. Im Land und in meiner Seele .

Mein letzter Eintrag hier vom Sommer 2019. Wie ging es weiter ? Der ausklingende Sommer und dann der Herbst - sie waren so schön. Ich bin aufgeblüht, hab' im Winter viele Pläne fürs heiß ersehnte Frühjahr geschmiedet . Doch dann kam Corona und hat alles zerschlagen. Es kam die Ohnmacht. Es kam die Hoffnungslosigkeit .

Ich habe meinen inneren Kurs verloren . Bin zurück gestürzt in die Depression, aus der ich mich so mühsam befreit hatte . Du bist - aus Deinen eigenen Gründen - ebenfalls zunehmend um Deinen eigenen Planeten gekreist . Wir sind einander nicht mehr gerecht geworden.

Gestern hat es geknallt . War überfällig . Jetzt sind wir auf Abstand . Was draus wird ? Wir werden sehen . Die Zeichen stehen auf Loslassen . Und das ist gut so . Es hatte sich eine Lähmung breit gemacht. Eine bestürzende Taubheit, aus der jeder von uns sich nur selber befreien kann . Und dabei standen wir einander im Wege .

Ich schwanke zwischen Erleichterung, Schmerz und brennender Scham. Scham darüber, dass ich es in den letzten Wochen nicht geschafft habe, mich aus dem Sumpf zu ziehen . Schmerz darüber, wieder auf mich zurück geworfen zu sein . Mich abgetrennt zu fühlen. Erleichterung, weil der Schmerz mich etwas fühlen lässt .

Ich kann nicht sagen, dass ich Schmerzen mag. Und doch sind sie ein gewaltiger Motor . Treiben Veränderung . Und Veränderung tut wahrhaftig not, wenn jemand in der Depressionsfalle sitzt .

Wie es weitergeht ? Keine Ahnung . Wir haben nochmal telefoniert heute . Sehr friedlich . Du hast mir erzählt, dass Du auf einer Wiese liegst . Mit der Sonne im Gesicht . Ein schönes Bild . Ich versuch', Dich vorerst dort zu lassen - in meinem Herzen . Mit Dir im Reinen .

In Kürze habe ich zum Glück einen Urlaub geplant mit einer lieben Freundin . Rauskommen wird mir gut tun . Ich denke, wir werden vorher noch ein-, zweimal sprechen . Ein wenig bange bin ich . Nicht wegen der realistischen Option, dass Du ab jetzt wieder komplett von mir forttreibst . Mehr deswegen:
Zitat von Amyontour:
....eine neue Partnerschaft ... geht nicht, alle Männer prallen nur so an mir ab.
Mir fehlt es an Zutrauen, dass ich das jemals abgelegt bekomme .

Liebe @Amyontour , ich hoffe, wenigstens Du bist im letzten Jahr an dieser Baustelle weitergekommen . Liebe Grüße, Nachtgedanke

x 2 #80


N
Gestern entschieden:
Morgen werde ich tanzen gehen.
Das wird mir gut tun.
Sch. auf Corona.

Ich fragte mich - falls mir da jemand begegnen würde. Wäre ich offen ?
Erstaunlicherweise - Die Antwort ist "Ja"

Das "Ja" hat mit der aktuellen Wut zu tun.
Trotzdem. Bemerkenswert. Bislang war die Antwort immer "Nein". Egal wie wütend ich war.

Da ist was passiert gestern.
Ich fand Neid in mir.
Neid darauf, dass Du weniger an mir hängst als umgekehrt.

Interessant. Neid habe ich mir, glaube ich, zuvor nie erlaubt. Dabei scheint er ein überaus nützliches Gefühl zu sein.

Hab' die alten Karten rausgekramt und zwei Fragen gestellt. Was bin ich für Dich ? Die Antwort war Reichtum. Was bist Du für mich ? Die Antwort war Ausgleichung. Dies beinhaltet eine Aufforderung, in die eigene Mitte zu geben.

Welch überaus passende Symbole. Damit kann ich arbeiten.

x 2 #81


N
Zitat von Nachtgedanke:
Du sagst, dass Du Angst hast, mir wieder weh zu tun .
Das habe ich im Juli letzten Jahres notiert . Es hat kein ganzes Jahr gedauert, bis Du es dann getan hast . Immerhin . Es hat Dich eine ganze Nacht voller Schuldgefühle gekostet . Na, sag' mal . Du hast echt eine ganze Nacht schlecht geschlafen ? Nur wegen mir . Da darf ich mich jetzt vermutlich geehrt fühlen Augen rollen

Für mich war es heftig . Hat mich umgehauen . Doch so langsam stehe ich wieder . Und sieht fast so aus, als ob ich Dich endlich aus meinem Herzen bekäme . Wie das funktioniert, ist schwierig zu erklären. Oder ganz einfach. Ich nehme meinen Kummer zu mir . Das ist alles .

Es ändert nichts und gleichzeitig alles . Du bist nur noch Trigger . Alles andere liegt in mir . In der Theorie wusste ich immer , dass es so ist . Doch jetzt fühle ich es . Es ist, als hätte ich mir etwas von Dir zurück geholt . Vermutlich habe ich das auch . Mein Ich fühlt sich anders an als vorher . Vollständiger .

Wenn ich früher gute Stunden hatte, war da oft eine tiefe, traurige Sehnsucht, sie mit Dir zu teilen. Die ist fort . Ich hätte noch immer gerne jemanden zum teilen . Aber das ist was anderes als Sehnsucht nach Dir . Wenn ich früher nichts von Dir hörte , hat mich das Nicht-Wissen belastet . Jetzt empfinde ich immer öfter, dass es mich einen schei. interessiert, was ein Mensch tut oder lässt in dessen Leben kein Raum für mich ist .

Und weißt Du was ? Ich habe nichtmal den Drang, Dir davon zu erzählen . Das finde ich gut. Aber schaun wir mal . Die finale Nagelprobe steht noch aus . Denn - na klar. Wir werden uns sicher mal wieder treffen . Doch ich fiebere dieser Aussicht nicht entgegen . Warum auch ? Ich erhoffe rein gar nichts mehr vor Dir .

x 3 #82


N
Dezember 2020. Ein Tag vor Weihnachten und noch immer nicht erlöst. Es gab ein paar Kontakte in letzter Zeit. Und im November dachte ich für kurze Zeit sogar - "Hey. Sieht gut aus. Wir können sprechen." Tja. Hätte ich mal besser gelassen mit den Kontakten. Denn das Ergebnis hat mich weit tiefer runter gerissen als die Trennung selber das vermochte.

Was ist passiert ? Nach kurzem Höhenflug und Entlastung ist Dein Kontrollthema wieder durchgebrochen. In der einen Woche noch konnten wir sprechen . In der nächsten hast Du mir eine Runde Abwertung verpasst, die sich gewaschen hatte. Und da ich bereits geschwächt war, hat es mich seelisch auf die Bretter geschickt .

Doch davon weisst Du nichts. Vor meinem inneren Auge sitzt Du selbstzufrieden am Handy . Und Du freust Dich, wie toll Du die Dinge zwischen uns in den Griff bekommen hast. Ich könnte kotzen.

Ich weiss, Du bist nicht doof. Doch Du bist gut im Ausblenden. Du willst nicht sehen, was Du anrichtest. Wenn ich mich zurück nähme und Dich an die Hand nehmen würde - dann könnten wir gemeinsam einen Blick drauf werfen . Dummerweise nur - das würde bedeuten, dass ich mich engagiere. Und da muss ich mich fragen - Wozu ? Was hätte ich davon ?

Deinen Schmerz über Dich selber zu sehen, das würde den meinen ja doch nicht erleichtern . Außerdem - ich habe ihn ja bereits gesehen. Kurz vor unserem letzten Telefonat. Du warst bei mir . Du sagstest "Was bin ich nur für Mensch, dass ich Dich nicht loslasse." Ich habe Dein Gesicht vor Augen. Vielleicht war es gut geschauspielert. Aber ich glaube nicht. Das ist schon so, dass Du Dich selber kaum ertragen kannst, wenn Du auf Dein Verhalten mir gegenüber blickst.

Nur - diese Sicht führt nicht dazu, dass sich für mich was bessert. Du hast nichts für mich im Koffer. Du kannst kein Freund sein. Für niemanden . Vielleicht irgendwann. Wenn Du hart am Ball bleibst. Doch das hilft mir nicht. Zwischen uns würde es nichts ändern .Mir gegenüber würdest Du immer wieder in alte Gewohnheiten verfallen.

Ich hatte eine Weile Hoffnung, weil Du eine Menge an Dir gearbeitet hast in den letzten Monaten. Du hattest schöne Erfolge und ich gönne sie Dir. Doch jetzt weiss ich, dass ich davon in keiner Weise etwas haben werde . Niemals . Deshalb ist es mir unmöglich, mich an die Bande zu stellen und Dir zuzujubeln, wenn Du Veränderungshürden nimmst.

Ich weiss, das hättest Du gerne. Aber die Rolle, die Du da für mich vorsiehst, ist die einer Mutter. Sowas können Menschen einander phasenweise mal schenken. Aber auf Dauer geht das nicht . Es verletzt mein Gerechtigungsempfinden und es verletzt meinen Selbstwert.

Der Schaden, den Du mit Dir herumträgst, ist sehr mächtig und sehr alt . Leider trage ich etwas Korrespondierendes mit mir herum. Und das ist ebenfalls nichts Gesundes. Wäre es nicht da, dann wäre ich schon längst weg. Ich arbeite daran. Nicht weil ich Dir irgendwas will. Du bist geschädigt genug . Nein. Doch ich muss mich retten vor Dir. Und in bewussten Momenten weisst Du das auch.

Zitat von carlaa:
Am Anfang jubelst du innerlich, denn du hast ihm nun offensichtlich was zu geben. Du bist also 1. toll, und du wirst von ihm 2. gebraucht. Endlich ein lang vermisster Push fürs Ego von dieser Person, die dich nie genug gewürdigt hat.
Doch je öfter du ihn siehst, umso mehr landen dein Körper und Geist wieder in vertrauten Schmerzkreisläufen. Was du mühsam erarbeitet hast, wirst du verleugnen, fängst jetzt schon damit an.


@Carlaa , Du hattest völlig Recht mit Deiner Warnung. Doch ich musste den Weg gehen. Ich werde die Rechnung zahlen. Alles auf Start . Auf 2021. Schlimmer als 2020 kann es kaum werden.

x 1 #83


N
Knaller. Du hast Dich bei mir beschwert, dass ich Dir die Kommunikation verweigere . Andere täten es auch. Da könntest Du ja stolz auf Dich sein lustig

Was Du so unter Kommunikation verstehst. Ich habe mich lediglich aus der Show zurück gezogen . Habe aufgehört, Deine unverbindlichen, gelegentlichen Nachrichten mit Freundlichkeit zu belohnen. Und ok. Ich habe einen angekündigten Rückruf paar Tage liegen lassen.

Unter anderen Umständen hätte Dich das nicht gejuckt. Bin sicher . Andere Umstände = Es läuft mit der neuen Flamme. Tut es aber nicht . Du drehst am Rad. Nur deshalb ziehst Du mich aus der Tüte . Wie kann ein erwachsener Kerl sich nur in so eine erbärmliche Lage bringen . Das muss echt weh tun geschockt

Aber ok. Das sagt ja gerade die Richtige . Es ist an der Zeit aufzuräumen . In mir und zwischen uns . Zeit für Klartext . Ich danke dem Universum, dass es Dir diesmal eine Frau ins Feld gespült hat, an der Du Dich abarbeiten darfst . Ich danke Dir für Deine kindliche Beschwerde . Sie hilft mir bei Deiner Entzauberung .

Wobei - eins muss man Dir lassen. Dein Timing stimmt . Als Deine Nachricht eintrudelte, war ich gerade dabei , eine an Dich zu verfassen. Wollte Dir schreiben, dass es den zugesagten Rückruf nicht geben wird, weil ich gerade nicht kann , weil es sich falsch anfühlt für mich .

Was nebenbei - kleine nonverbale Spitze - haarscharf die Begründung ist, mit der Du Dich aus unserem Beziehungsexperiment rausgezogen hast. Nicht etwa offen . Nö, nö. "Nur" mit einer Absage für ein Treffen. Deren Bedeutung Du nicht mal erfasst hast . So weit bist Du von Dir selber entfernt . Von Deiner Entfernung zu mir ganz zu schweigen . Was will ich mit einem wie Dir ?

#84


N
War ewig nicht hier. Gab nichts mehr zu sagen zuletzt. Heute ist das Drama verblasst.

Vor ein paar Monaten hast Du mir über drei Ecken Grüße zukommen lassen. Und Dein Bedauern darüber, dass wir nun gar nicht mehr sprechen.

War OK und schnell wieder verdrängt.

Doch heute muss ich an Dich denken. Ich schätze Dein.Angebot, mir zu helfen steht noch ? Könnte echt jemand brauchen, dem ich was vorweinen kann und der mich ein bisschen aufbaut.

Dumm nur, dass ich Hilfe von ausgerechnet Dir nicht annehmen will. Eher friert die Hölle zu.

Noch dümmer, dass auch niemand anderes da ist. In den C-Jahren hat sich so ziemlich alles um mich herum aufgelöst.

Teils , weil das Regime Begegnungsräume verboten hatte. Teils, weil mich der moralische Narzissmus den viele pflegen, entsetzt und anwidert. Teils, weil ich zu kraftlos war - und nebenbei bin - Beziehungsarbeit zu leisten.

Gegen die resultierende Traurigkeit hat rein gar nichts geholfen. Und so bin ich immer mehr eingefroren.

Inzwischen habe ich mich in einer Art Schockstarre in einer menschenleeren Zone eingerichtet. Nicht toll, aber Angst vor den Menschen ist leichter zu tragen als Schmerz. Der einzige Haken ist, dass die Starre meinen Alltag negativ beeinflusst.

Und momentan ist leider Ende der Fahnenstange. Ich muss mich bewegen. Zumindest ein bisschen. Abscheu und Panik überwinden. Nicht leicht. Ich hoffe, ich schaffe das.

Naja. Nun weißt Du es. Oder Du könntest es wissen, wenn wir uns noch immer treffen würden. So wie damals.

Damals. Ach, dieses Wort. Na gut . Wo ich schon mal hier bin lasse ich ein paar der alten Bilder aufsteigen. Lasse sie sanft auf der Zunge zergehen. Nein. Da kommt nichts. Jenseits alter Vorwürfe und Wut. Ich habe kein Vertrauen, dass Du fähig wärst, mir Halt zu geben. Und jeder Versuch wäre schlecht für uns beide.

Was bleibt ? Ich grüße Dich zurück. Du wirst es auch ohne Worte wissen. Und ich weiß, Du drückst mir die Daumen, dass ich es packe. Wir sind ja nicht böse miteinander. Nebenbei - ich hörte, Du hast wieder eine Neue. Diesmal was Bodenständiges ? Na dann. Viel Glück

#85


N
Hi,

grade gelesen, was ich beim letzten Mal geschrieben habe. War ja echt nebulös. Und der Knaller ist - ich habe keine Ahnung mehr, was es war. 😅

Letzte Tage musste ich wieder an Dich denken. An meinem Geburtstag. Du rufst nicht mehr an. Was völlig ok ist. Ich habe es ja so bestellt. Trotzdem fände es es schön, wenn Du an diesem Tag an mich denkst. Ich tue es umgekehrt an Deinem Geburtstag auch. Und das, obwohl ich echt froh bin, dass wir den Brauch des Hin- und Hergratulierens abgeschafft haben. Und ich auch gar nicht wüsste, was wir uns erzählen sollen.

Es wäre mir entweder zu flach - gemessen an dem was war - oder zu tief - gemessen an dem, was ist.

Was mich hierher zieht? Ach, ich weiß auch nicht. Oder ja doch. Es ist die Einsamkeit. Und das hier, dieser Ort, hat den Zauber eines alten verwunschenen Friedhofs.

Voller knorriger Bäume. Sonne auf einem Kiesweg. Ein Plätzchen, wo ich ein paar Blumen ablegen kann. Wo Bilder hochsteigen dürfen. Lachen, Liebe, Streit, geteilte Sorgen und Ängste, Momente von Geborgenheit. An diesem Ort spielt es keine Rolle mehr, was davon Deinerseits echt war.

Ich darf diese Zeit vermissen, Dich vermissen, oder - naja - den Mann, den ich für Dich hielt . Doch upps. Die Zeit rennt. Ich muss los. Bis irgendwann mal

#86


N
Zweieinhalb Jahre seit dem letzten Eintrag hier. In den letzten Tagen musste ich wieder öfter an Dich denken.
Die Welt ist so beängstigend geworden seit 2020. Vorne glänzt die Propaganda, dahinter stinkt die Fäulnis. Ich lese vieles. Würde gerne drüber sprechen. Mit jemandem, der versteht. Ich weiß, es gibt solche Menschen da draußen. Viele sogar. Aber nicht für mich.

Deshalb fällst Du mir dann wieder ein. Und ich denke, ich könnte Dich anrufen. Oder Dir schreiben.
Bin so müde, so einsam, so verängstigt , so frustriert

Du würdest Dich vermutlich freuen, von mir zu hören. Aber dann finge der Kontakt von vorne an. Es würde mir wieder das Herz raus reißen.
Bist wie eine alte Sucht. Die gelegentlich anklopft und Linderung verspricht, wenn ich am Boden bin.

Aber ich weiß, wie hoch der Preis ist. Deshalb lasse ich es mal fein bleiben.

x 3 #87


S
Liebe @Nachtgedanke
Ich habe noch nicht alles gelesen, aber es ist so lange her, wieso geht es dir immer noch so schlecht?

#88


N
Hallo @Sincerite ,

danke für Deine Nachricht. Es ist nicht der alte Kummer, der mich aktuell runterzieht. Ich stecke nur seit längerem in einer belastenden Lebenssituation (Pflege).

Zusätzlich brennt mir der Boden hier unter den Füßen. Wenn ich "Ostflanke" höre, will ich einfach nur woanders sein. Aber ich weiß auch nicht wohin, oder woher ich die Kraft nehmen soll, "einfach" weit, weit weg zu gehen.

Ich wünsche mir jemanden an meiner Seite, der auf meiner Welle liegt. Der versteht, wovon ich rede und mich in den Arm nimmt und mir sagt, dass "wir" das schon schaffen.

Dieses "wir" - das hatte ich zuletzt in den ersten Jahren meiner Ehe. Ist verdammt lange her. Ist bei meinem Ex definitiv nicht zu haben. Doch die Sehnsucht bleibt. Nicht nach dem konkreten Kerl. Nur nach dem, was er in meiner Erinnerung verkörpert.

Normalerweise denke ich da nicht groß drüber nach. Doch akut kommt es wieder hoch. Vielleicht, weil ich gestern bei der Beerdigung einer alten Tante war. Und da war ihre Familie. Und ich habe keine. Das war vielleicht das letzte Tröpfchen auf dem Fass.

Ohje. Soviel Text schon wieder. Sorry.
Wünsche Dir eine gute Nacht
P.S.
Liebe Grüße auch an @Winza und @HeavyDreamy

x 2 #89


S
Liebe @Nachtgedanke,
jetzt habe ich alles gelesen. Ich habe den Eindruck, dass du allein über deine eigenen Gefühle eure damalige Dynamik erkannt hast. Es erinnert mich an meine ExBeziehung, weshalb ich hier bin. Ich für mich bin der Meinung, dass mein ExFreund Anteile von verletzlichem Narzissmus hat und deshalb nicht mitfühlen kann. Die Abwertungen mir gegenüber haben wohl sein schlechtes Selbstwertgefühl stabilisiert. Die Verantwortung für verletzendes Verhalten mir gegenüber zu übernehmen, hätte dieses fragile Selbstwertgefühl vermutlich erschüttert, was für ihn wohl nicht aushaltbar gewesen wäre. Mein Anteil, warum ich 9 Monate dabei geblieben bin, waren die Bedürftigkeit nach gesehen und gewollt werden nach körperlicher Nähe. Er konnte und wollte auch nicht mein Inneres sehen. In seinem Fokus war nur er selbst. Bei der Verarbeitung dieser Geschichte habe ich alle Gefühle zu Ende gefühlt und ging dabei auch teilweise in die Knie. Es stellte sich heraus, dass ich diese Gefühle aus meiner Kindheit kenne. Da wurde ich in meiner Ursprungsfamilie auch mit dieser Art von Narzissmus konfrontiert. Es hat sich alles eins zu eins wiederholt.

Bevor wir uns kennen lernten, hatte ich während einer stressigen Phase ein inneres Bild, in dem ich zu dem Haus ging, in dem ich mit meiner Ursprungsfamilie damals lebte und vor diesem Haus stand ich mit 4 oder 5 Jahren in meinem Sonntagskleid. Meine innere Kleine hat dort seit 60 Jahren auf mich gewartet und lief in meine Arme. Sie war gar nicht sauer, sie war nur froh, dass ich endlich da war. Seitdem habe ich meine Kleine immer spürbar in mir und ich passe auf sie auf und gehe liebe- und verständnisvoll mit ihr um. Vor 60 Jahren habe ich sie verlassen, weil die Erwachsenen sie mit ihrer Art nicht gut fanden. Seit dem habe ich nur funktioniert.

Du schreibst, dass du dich zur Zeit so müde, so einsam, so verängstigt und so frustriert fühlst. Es erinnert mich an mein inneres Kind, das mit seinen Mitteln versucht hat, ein erwachsenes Leben zu führen. Aber die Mittel eines Kindes reichen dafür nicht. Kann es sein, dass deine innere Erwachsene dein inneres Kind immer noch alleine lässt?

Ich lebe schon lange alleine und irgendwann habe ich festgestellt, dass alleine sein nicht dasselbe wie einsam sein ist. Einsam bin ich nur, wenn ich keinen Kontakt zu mir habe, nicht mit mir verbunden bin. Allein wie "all eins" sind wir doch letztendlich alle, auch wenn wir in Beziehung sind. Wenn ich mich mit mir verbunden fühle, dann fühle ich mich mit dem Leben und der Welt verbunden. Ich bin zwar allein, aber nicht einsam.

Die belastende Lebenssituation, von der du schreibst, handelt es sich dabei darum, dass du gepflegt wirst oder dass du jemanden pflegst? Ich habe meine Mutter sehr lange begleitet, gegen Ende hatte ich immer weniger Kraft.

Wovor hast du genau Angst? Davor, dass du sterben könntest?

Jetzt ist es lang geworden. Ich würde mich freuen, wenn du antwortest, aber nur, wenn du das möchtest.

Liebe Grüße

#90


A


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