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Wir treffen uns - so wie immer

luchadora

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Zitat von Nachtgedanke:
Kann es dann sein, dass ich mich gerade vor dem Leben drücke ?


ist doch manchmal auch ok...

dann machst du gerade mal urlaub vom leben...

druecker fuer dich

17.11.2016 14:48 • x 1 #61


Nachtgedanke

Danke Dir, liebe @luchadora

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Du
Es geht mir nicht gut grade
Es gibt eine Sache, die mir Sorgen macht
große Sorgen und mir fehlt jemand,
der mich hält

Warum ich mich nicht bei Dir melde ?
Wo Du doch gesagt hast, dass ich Dich jederzeit anrufen kann ?
Hey, also mal ehrlich
Schau uns an

Letzte Tage kurz mit Dir gesimst.
Deine Geschichte mit der Krankheit scheint zu stimmen.
Fein. Reicht nur nicht. Es fehlte was. Gar nicht mal viel
Eine Kleinigkeit. Eine, die sagt:
"Ich sehe Dich".

Du hättest es signalisieren können,
indem Du Dich von Dir aus gemeldet hättest
Oder mit Worten, in Deiner Reaktion auf meine SMS.
Ein paar Worte des Bedauerns über das ausgefallene Treffen
Doch nix

Merkste was ? Wie kann man jemanden um seelische Unterstützung anrufen
wenn der einen nichtmal sieht ?
Ich werde mal schauen, ob ich wen zum telefonieren erwischen kann.
Vielleicht habe ich ja Glück. Und wenn nicht, stelle ich mich unter die Dusche.
Wärme tut immer gut.

Du sagst, es macht Dich traurig, das so von mir zu hören ?
Aber dass Du es verstehen kannst und wohl nichts anderes verdienst.
Nun, ich finde das auch traurig.
Aber ich empfinde darüber keine Trauer mehr.
Dafür bin ich schon viel zu weit weg.

Aber offenbar immer noch nicht weit genug.
Würde ich Dir sonst hier schreiben ?
Kommt noch.
Geduld.

Im Moment habe ich erstmal andere Sorgen.

24.11.2016 19:55 • x 1 #62


Nachtgedanke

Grade gelinst. Im November 2016 habe ich hier das letzte Mal geschrieben. Lange her. Wie ging es weiter ?

Nach Deiner damaligen Absage wegen Rückenschmerzen war es das mit unseren Treffen. Ich war unsicher. Waren diese Rückenschmerzen echt ? Oder warst Du nur zu feige, offen abzusagen ? Ich beschloss abzuwarten, was von Dir kommt. Es kam nichts. Kein Vorschlag für ein weiteres Treffen. Da habe ich mir meinen Teil gedacht.

Trotzdem hätte ich gerne von Dir was dazu gehört. Also habe ich meine Einschätzung ausgesprochen . Viele Monate später. Ich tat ein wenig nebenbei, ein wenig leichthin, um es Dir nicht allzu schwer zu machen. Ich hörte Dich am Hörer schweigen daraufhin. Dann hast Du flink ein anderes Kärtchen gezogen. Ich weiss nicht mehr das genaue Manöver, aber es war so ein ... "Na, jaaa .... Ach übrigens, was ich noch sagen wollte ...."

Ja , telefoniert haben wir noch viel . Ungefähr ein Jahr lang. Du hast mich heimlich angerufen. Jede Woche. Auf dem Weg von der Arbeit nach hause. Zu ihr. Mich hat die Heimlichkeit zunehmend getroffen, der Inhalt dieser Gespräche zunehmend genervt. Ich meine - was geht denn schon so am Autotelefon ? Smalltalk eben. Doch was gingen mich Deine Arbeitsplatzprobleme noch an ? Was der Kollege x oder y gesagt hat. Was Du gut gemacht hast oder auch nicht. Was Dich in diesem Umfeld beängstigt.

Inzwischen ist unser letztes Telefonat gut zwei Monate her. Seite Mitte/ Ende letzten Jahres sind Deine Anrufe immer seltener geworden. Ich glaube schon, dass Du den Kontakt zu mir halten wolltest. Doch es war absehbar, dass die Nummer so nicht funktioniert. Mit Smalltalk alleine kann man einen Draht zueinander nicht aufrecht erhalten. Nicht dauerhaft und zwischen uns sowieso nicht.

Seit ein paar Monaten mache ich jetzt endlich eine Therapie. Hatte ich Dir davon noch erzählt ? Ich zahle privat. Ein teurer Spaß. Innerhalb unseres Gesundheitssystems hat es mit der Therapie nicht funktioniert. Nicht mal einen Platz auf einer Warteliste konnte ich ergattern. Über all die Jahre hinweg. Ich habe es ernsthaft mehrfach versucht. Nur ging es mir so dreckig oft - ich konnte das einfach nie dauerhaft durchziehen. Nun spielt es keine Rolle mehr. Irgendwie kriege ich die Kosten schon gestemmt.

Letzte Tage war ich auf einer Beerdigung. Beerdigungen haben es so an sich, dass die Endlichkeit vor Augen rückt. Meine, Deine ... unser aller. Wie auch immer. Ein, zwei Tage später schenkte mir mein Unterbewusstsein ein neues Bild. Ich sah Dich tot in einem offenen Sarg. Ein stummes Gesicht auf einem weissen Kissen. Unsere Tochter und ich stehen eng beieinander davor. Es gibt nur uns drei. Alles ist sauber, aufgeräumt, still. Ein zeitloser, eingefrorener Moment.

Ich fühle in diesem Bild in mich hinein. Da ist keine Trauer mehr über vertane Chancen. Nur der Gedanke - "meinen Abschied hatte ich schon vor langer Zeit". Ich sehe in Dein stilles Gesicht . Ich frage mich, ob ich Dir noch was sagen will ? Erst ist alles leer. Dann formen sich die Worte "mach's gut alter Weggefährte. Hab' eine gute letzte Reise". Also immer noch Zärtlichkeit. Immer noch Liebe. Doch Du kannst mir nicht mehr weh tun. Du bist vergangen.

Das Bild ist keine Ahnung. Kein Wunsch. Nur eine bildliche Zusammenfassung der Prozesse meiner Seele. Und die sagt mir - es besteht Hoffnung auf inneren Frieden. Ich schaffe es. Ich lasse los. Meine Therapeutin meint, ich könne versuchen, mit diesem Bild zu arbeiten. Es rausholen, wenn Du mir wieder einfällst. Was immer noch viel zu häufig passiert und mich dann auf ausgetretene, traurige Pfade führt. Mal schauen, wie gut die Ablenkung funktioniert.

Warum ich hier nochmal schreibe ? Ich schreibe, weil sich die aktuellen Entwicklungen anfühlen, wie gute Schritte in die richtige Richtung. Ich schreibe, weil ich dem Mann, den ich liebe, dies alles gerne sagen würde. Doch das geht nicht mehr. Denn dieser Mann ist vergangen. Der Mann, der Du heute bist, wünscht mir alles Gute auf meinem Weg. Er würde gerne sehen, dass ich wieder glücklich bin. Er fände es völlig nachvollziebar, wenn ich keinen Gedanken mehr an ihn verschwende. Er findet, er habe es nicht anders verdient. So sieht's aus. Jedenfalls bis auf weiteres

08.06.2018 18:43 • #63


Sandmann72

Ich möchte dir danken. Du vermagst nicht nur meine/deine Gefühle in Worte zu verfassen, nein, du tust es auch noch auf eine Weise, die mich sehr berührt - ich würde das auch gerne können. Die Klarheit zu haben, die man besitzen muss,um so sein innerstes auszudrücken. Die wünsche ich mir.

Auch möchte ich dir dafür danken, dass du mir die Augen geöffnet hast. Ich habe mich in deinen Texten nicht nur als "Autor", sondern auch als Figur in Form deines ehemaligen Partners wiedererkannt. Sein Verhalten.Mein Verhalten. Es hat mich an meinen Anteil erinnert.
Danke.

08.06.2018 19:48 • #64


Nachtgedanke

@Sandmann72

ich hatte Deinen Text im Juni noch gelesen. Es hat mich getröstet zu lesen, dass Dich findest, in mir, in meinem alten Weggefährten. Es tut mir leid, dass ich erst so spät reagiere . Ich weiß nicht mehr sicher, was mich damals hinderte . Ich denke, es war, weil ich dieses kleine tröstliche Gefühl für mich haben wollte, es beschützen wollte, nicht teilen wollte mit dem Forum im Moment . Ich danke Dir.

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Update. November 2018

vier Monate seit meinem letzten Text hier . Meine Reise führt bergauf. Mein Rucksack ist noch immer schwer . Ich arbeite daran, dass er leichter wird .

Es reicht nicht zu wissen , wo es hakt in mir oder warum. Der Kopf wird weithin überschätzt. Unsere tiefsten Schrecken nisten sich dauerhaft im Körper ein. Sie sind dem Verstand nicht zugänglich . Deshalb kann Selbsterkenntnis allein sie nicht lösen. Doch es gibt Wege . Meine Therapeutin ist echt super .

Was "UNS" betrifft . Ich hatte schon gedacht, es sei vorbei. Deine Anrufe wurden immer spärlicher . Du hast Dich entschuldigt . Ich habe Dir versichert, dass es völlig ok ist, wenn Du Dich nicht meldest . Und ich habe es auch so gemeint . Tja - doch nun gibt es wieder eine neue Drehung in der Geschichte.

Dein Lebensstil hat seinen Tribut gefordert. Du hast versucht, Deine Probleme wegzusaufen . Sie wegzuzocken in ausufernden Spielen . Vor ihnen wegzufahren in ständigen Wochenend-Touren. Nun macht Deine Seele das nicht mehr mit. Du steckst bist zur Halskrause in der Sch.

Man, man. Was hast Du Dir nur dabei gedacht ? Gar nichts vermutlich. Du wolltest nicht denken, nicht hinsehen. Ich weiss. Ich verstehe und es macht mich wütend . Weil ich Dich liebe . Auch wenn ich nicht mehr mit Dir zusammen sein will. Nach allem was war, nach allem was ist, fühlt sich die pure Idee schon verstörend an.

Doch ich werde Dich unterstützen, wenn Du Deine Themen angehst . Du hast Dich dazu durch gerungen, einen Entzug zu machen. In eine Klinik zu gehen. Und damit zeichnet sich eine ziemliche Herausforderung ab. Zu Hause hast Du keine Hilfe. Im Gegenteil. Next verteidigt Euren Lebensstil. Will weiter saufen, zocken, flüchten. Dass Du darüber zusammen brichst, stört ihr Selbstbild, stört ihre Komfortzone. Ihr gegenüber darfst Du das Wort Klinik nicht in den Mund nehmen. Du hast Angst, was von Deiner Wohnung noch übrig sein wird, wenn Du tatsächlich dorthin gehst.

Und ich ? Ich reagiere noch immer auf den mutterlosen, so oft geprügelten kleinen Jungen in Dir. Dessen Erlebnisse Dir so tief in den Knochen stecken. Den Teil, den Du ausblendest und abweist . Doch auch in mir gibt es ein kleines , verstörtes Kind. Es ist lieb , klug, selbstlos und tapfer . Ich höre es wispern, dass es bereit ist , beiseite zu treten , wenn ich Dir helfen will. Und dass es schon klar kommen wird.

Oha.
Lass Dich mal feste in die Arme nehmen, Du süsses Ding . Ich werde es anders machen. Nicht wie immer. Nein ! Ich werde lernen , starke Grenzen zu setzen. Es ist mehr als irgendwer von mir erwarten darf, überhaupt da zu sein, für diesen kleinen Jungen. Er selber erwartet es nicht .

Ein bißchen Hilfe darf ich geben. Ich darf warm sein und ich darf gleichzeitig bei mir bleiben . Ich erlaube es mir . Ich hoffe, dass es ihm gelingt, endlich für seinen kleinen Jungen zu sorgen. Endlich erwachsener zu werden. Ich beruhige mich. Wie war das Mantra noch gleich ? Am Ende wird alles gut und wenn es noch nicht gut ist - dann ist es noch nicht das Ende . To be continued .

23.11.2018 12:06 • #65


Nachtgedanke

Letzte Woche. Ich allein mit mir

Der Tag so aufwühlend
Scham über Fehler, die sich nicht mehr entfernen lassen
geheime Flecken auf meiner Weste
Damoklesschwert ignorieren
kleine Erfolge
Alltagsdrama
Hetze

Runterkommen
Ja, ja - ich weiss
Ich sollte was dafür tun

Ich wünsche mir , es gäbe da jemanden,
der mich in den Arm nimmt, beruhigt, Erbarmen hat
Geborgenheit schenkt.

Das wäre schön.
Meine Ängste würden verfliegen. Vielleicht.
Für die Nacht

Nicht zu haben gerade.
Vielleicht nur eine Phantasie,
dass es sich leichter anfühlen würde
mit einem Partner

Eine Partnerschaft ist kein Garant dafür
dass jemand an Deiner Seite steht
wenn es mal richtig hart kommt

01.12.2018 19:00 • x 1 #66


Nachtgedanke

Weihnachten
schon lange ohne Dich
es schmerzt nicht mehr

Morgen wollen wir telefonieren
Ich bin ein Strohhalm
für Dich

Jetzt, wo Du aufwachst

Ich sage Dir -
geh' Deinen Weg
er ist richtig

und ich sage Dir -
stütze Dich nicht zu sehr auf mich
such' Dir andere Menschen

Ich bin allein heut' Abend
hatte Gäste
war schön und anstrengend zugleich
jetzt nur noch - Füsse hochlegen
prima

Du bist bei ihr,
weil Du Angst vor dem Alleinsein hast

Doch Du brauchst Veränderung
erstickst in dem , was ist .
Wie mag das weiter gehen ?

24.12.2018 23:58 • x 1 #67


Nachtgedanke

Puh. Nun hast Du mich wirklich verblüfft
Ich habe mit nichts mehr gerechnet von Deiner Seite
hatte Dich abgeschrieben
und jetzt das

in unserem Telefonat gestern warst Du auf einmal wieder da
der Mann, in den ich mich damals verliebt habe
der Mann, der mich damals beeindruckt hat

Du warst nachdenklich
im Gefühl, dass Du Dich bei einigen Menschen für einiges zu entschuldigen hast
voller Entschlossenheit, reinen Tisch zu machen

Autsch !
Es ist soviel passiert zwischen uns. Unverzeihliches
Und doch

War es nicht dieser Moment, auf den ich gehofft habe ?
Dass sich nochmal eine Tür öffnet zwischen uns ?
Ein emotionaler Raum, in dem wir uns begegnen können ?
Auf Augenhöhe ?

Meine Therapeutin hat mich letzte Woche vor Kontakt mir Dir gewarnt
Was will er - hat sie gefragt
Support - antwortete ich
Teures Gut - hat sie mir klar gemacht

Sie fragte , was Du im Gegenzug bietest
Bis gestern lautete meine Antwort: Zu wenig

Tja - und nun dieses Gespräch gestern.
Ich fühle mich wie eine Maus, die wie magisch
von einem Stück Käse angezogen wird
mißtrauisch in die Luft schnuppernd
wo ist die Falle ?

Ist das einfach nur 'ne neue Runde ?
Oder werden grade die Karten völlig neu gemischt ?

28.12.2018 21:15 • #68


Garamond

Zitat von Nachtgedanke:
Und dann werde ich wieder nicht wissen,
ob ich mich freuen soll
Dich zu sehen
So wie immer


Schwierig .... mein Gefühl beim Lesen ....
(Nacht)Gedanken beherrschen noch immer dein Herz
So viel Lebenszeit und kein Ende
kein Loslassen, keine Befreiung der Seele
gefangen im offenen Käfig ...

28.12.2018 22:41 • x 1 #69


Sari17

Sari17

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Es ist der Weg in eine neue Runde.
Mauer hoch ziehen und die Seele schützen, wäre mein Rat.

28.12.2018 22:53 • #70


Nachtgedanke

Liebe @Garamond , liebe @Sari17 ,

danke für Eure Antworten .
Mauern hochziehen
Ja.

Eins ist klar
er steht nur deshalb auf der Matte
weil er gerade schwimmt

Ich möchte nicht , dass er absäuft
Ich möchte aber auch nicht wie ein Packesel rumlaufen
vor lauter Gutherzigkeit

Mein Herz ist ein elender Verräter an mir
Kann ein Mensch sich ändern ?

30.12.2018 16:16 • #71


Nachtgedanke

Du scheinst ernst zu machen. Damit, dass Du Deine Themen angehst. Das ist gut . Es fühlt sich schön an . Doch meine Mauern bleiben oben . Was auch sonst . Dein Wort hast Du vor langer Zeit entwertet. So bleibt nur der Weg der Taten . Du gehst ihn. Doch so richtig traue ich dem Braten nicht. Wird wohl auch noch eine ganze Weile so bleiben.

Gestern allerdings hast Du es geschafft, mich aus der Distanz zu locken . Interessant . Du bringst andere Frauen ins Spiel . Ich musste so lachen . Ehrlich. Mach, was Du willst . Doch dann hast Du im Nebengang ein spätes Geständnis eingeflochten, was mich nun doch beschäftigt.

Diese Reha damals . Ich hatte ein wirklich mieses Bauchgefühl , was da abgeht . Seit gestern nun weiss ich, dass es berechtigt war . Es fühlt sich erleichternd an zu wissen, dass es eine andere Frau gab. Merkwürdig ?

Ich hatte diese Reha fast vergessen. Doch wenn ich in mir nachforsche, dann erinnere ich mich. An den Nebel um Dich . Die Entfremdung, die nie greifbar war . Damals hat mir das alles sehr weh getan . Der Verlust an Offenheit & Wahrhaftigkeit auf Deiner Seite war wesentlich schlimmer als alles , was Du dahinter versteckt hast.

Wie auch immer. Vergossene Milch ist nicht mehr zu retten. Doch jetzt strahlt die Sonne und ich habe mal wieder genug geschrieben hier .

Gerade eben • #72




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