Hallo @Rafellell,
Du hast meiner Meinung nach eure Geschichte sehr ausführlich und präzise beschrieben, ich kann auch einiges an Selbstreflektion erkennen.
Zitat von Rafellell: Vielleicht gibt es hier einen Experten, der mich mal aufklären kann, an welches Phänomen ich da geraten sein könnte.
Nun bin ich kein Experte, weder für toxische Beziehungen, noch für Psychologie, aber du hast Fragen gestellt und ich kann dir meine Meinung dazu mitteilen. Bin nicht gänzlich unbegabt darin, Daten zu analysieren und vielleicht hilft es dir.
Du scheinst mir ein sehr introvertierter Mensch zu sein, der jedoch aufgrund seiner Sozialisation so geworden ist. Wenn man als Kind recht viel alleine ist und die zuständigen Erwachsenen ihre Rolle nicht erfüllen können, versucht das Kind dies zu kompensieren, indem es dich selbst die Welt erklärt. Was dadurch entsteht ist jedoch ein Abbild der Welt, der mit der "üblichen" nicht ganz übereinstimmt. Dazu kommen noch gewisse Integrationsschwierigkeit - denn auch Das wird im Kindesalter gelernt durch Vorbilder und durch üben. Kompetenzen erwirbt man im Laufe des Lebens nach und nach, wenn das Umfeld es ermöglicht.
Erstmal kannst du stolz auf dich sein, dass du überlebt hast und das Schlimmste auffangen konntest, dass du in der Lage bist, einem Beruf nachzugehen, dass du Hobbies hast und ein für dich passendes Leben lebst.
Latent in jeden von uns ist eine Sehnsucht nach Verbundenheit und Liebe, der Mensch ist als Herdentier erschaffen.
Dass diese Frau dir Aufmerksamkeit geschenkt hat, sich Zeit für dich genommen hat, schien auf eure Gespräche wert zu legen, hat dich berührt und den Wunsch nach mehr offen gelegt.
Genugsame Kinder haben oft ein Leben lang keinen so unmittelbaren Zugang zu ihrer Sehnsüchte, weil das Erleben dessen dich als schmerzhaft erweist Und die sogar mehr als andere ein sehr ausgefeilte System von Schutz und Sicherheit über die Jahre aufgebaut haben. Wenn man in einem zarten Alter, wo man sich als schutzbeduerftig erlebt, auf dich gestellt ist, das macht was mit einem. So grundlegend. Das zu verstehen und zu akzeptieren ist wichtig.
Zitat von Rafellell: Ich habe leider durch mein Elternhaus sehr chaotische Bindungsstrukturen erfahren, weshalb ich mich auf sie eingelassen habe.
Das hast du sehr richtig etkannt. Hättest du gesunde Bindungen erlebt, wäre es dir früher aufgefallen, dass diese keine ist.
Zitat von Rafellell: Und ja, mein EGO ist gekränkt, weil ich in diese Frau furchtbar verliebt war und sie mich komplett hat fallen lassen.
Immerhin weist du es nicht vor dich hin, dass es Ego - Kraenkung im Spiel sein könnte. Das ist schon mal nicht schlecht.
Jedoch würde ich mich an deiner Stelle nicht allzu sehr darauf versteifen, weil bei dir doch ein Spezialfall vorzuliegen scheint - meiner Meinung nach.
Für dich fühlt sich das an als echter Verlust. Du hast etwas völlig unerwartet bekommen, was du nicht mal wusstest, dass du dich danach gesehnt hast. Es hat sich mollig warm angefühlt, vertraut, so ein Hauch Geborgenheit. Dann kamen Bedingungen hinzu, Probleme, Abwertungen. Die gelebte Nähe hatte einen hohen Preis. Das zu fühlen ist schon nicht einfach.... Du bist geblieben, also doch den Preis bezahlt. Und sie hat sich gewaltsam die entzogen.
Das glaube ich deiner Geschichte zu erkennen.
All deine Überlegungen jetzt, all die Abwertungen sind der verzweifelter Versuch deines Verstandes, dich vom fühlen abzuhalten. Dich in Sicherheit zu bringen. Dich zu trösten. Legitim, jedoch nicht hilfreich.
Auf das, was ich denke, würde ich an deiner Stelle nicht viel Wert geben. Es ist ein Nebenschauplatz meiner Meinung nach.
Zitat von Rafellell: Wie verarbeitete man denn eine Ego Kränkung
Auch darauf würde ich mich an deiner Stelle nicht versteifen. Denn es liegt eher eine Unfähigkeit (oder zumindest Schwierigkeit) der gesunden Verarbeitung eines großen Verlustes vor, als eine stinknormale Ego - Kraenkung.
Es kann sein, dass ich völlig daneben liege, es wäre nicht das erste Mal und wird vermutlich nicht das letzte Mal sein. Schau, was sich für dich stimmig anfühlt und ignoriere den Rest.