Waris07
Mentorin
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Zitat von Torsten-Mark:ich denke sehr viel (täglich) und schon sehr lange (über 40 Jahre) an meine erste richtige Liebe.
Man merkt, wie stark dich diese Erinnerungen bewegen. Es ist, als würde ein Teil von dir sich ständig in die Vergangenheit zurückziehen.
Dabei drückst du selbst das Bedürfnis nach Abschluss und Selbstvergebung aus...
Zitat von Torsten-Mark:Diese Geschichte lässt mir keine Ruhe, ich wäre sehr froh, wenn ich ihr das alles mal erzählen und erklären könnte. Dann wäre es vielleicht möglich, mir selbst zu verzeihen und loszulassen.
Gleichzeitig zeigst du, dass diese Gedanken auch eine Belastung für deine Gegenwart darstellen.....
Zitat von Torsten-Mark:Außerdem ist mir klar und es bedrückt mich, dass ich mit meiner Gedankenwelt unehrlich zu meiner Ehefrau bin.
Das Ding ist - unsere Erinnerungen verändern sich im Laufe der Zeit. Sie werden teilweise stark verklärend wahrgenommen und erscheinen oft schöner, intensiver oder lebendiger, als sie in Wirklichkeit waren.
Deshalb entstehen Gedanken wie: "Was wäre, wenn damals…?" - auch wenn du diese Jugendliebe seit über 40 Jahren nicht mehr gesehen hast.
Diese verklärte Erinnerung kann eine sehr lebendige innere Welt erzeugen, die leicht den Eindruck erweckt, dass die Vergangenheit noch greifbar ist, obwohl sie längst abgeschlossen ist.
Gleichzeitig ist es völlig normal und menschlich, ab und zu in Erinnerungen zu schwelgen. Erinnerungen gehören zu uns und prägen, wer wir sind. Die Dosis und der Blickwinkel machen den Unterschied.
Es wird problematisch, wenn man regelmäßig so stark in der Vergangenheit verweilt, dass sie das Hier und Jetzt überlagert oder die eigenen Entscheidungen beeinflusst. Deshalb ist es hilfreich, sich bewusst zwischen dem, was damals war, und dem, was jetzt ist, zu unterscheiden, und die eigenen Gedanken und Gefühle klar einzuordnen.
Es könnte außerdem wertvoll sein, einmal ehrlich hinzuschauen...
Warum neigst du dazu, immer wieder auf diese Jugendliebe zurückzublicken? Zu welchem Zweck tust du das?
Ist es ein Bedürfnis nach emotionaler Befriedigung, nach Aufarbeitung oder nach Idealvorstellungen, die du in deiner Gegenwart nicht findest? Dieses Hinschauen kann dir helfen, deine Motivation klarer zu verstehen und bewusst Entscheidungen für das Hier und Jetzt zu treffen.
Aus meiner Sicht ist auch Vorsicht geboten. Einen Kontakt zur Jugendliebe zu suchen, kann alte Wunden wieder aufreißen und nicht nur dich emotional stark involvieren, sondern auch deine Ehe gefährden. Oft dient das Verweilen in verklärten Erinnerungen weniger der Klärung als dem Suchen nach etwas, das man im Jetzt nicht findet - Nähe, Aufregung oder ein Gefühl von Jugend.
Vielleicht hilft es, zuerst bei dir selbst und in deiner Ehe Klarheit zu gewinnen.
Welche Sehnsucht steckt hinter diesen Gedanken, wie beeinflussen sie dein Leben gerade, und wie kannst du bewusst Entscheidungen für das Hier und Jetzt treffen? Die einzige Möglichkeit, diesen Schmerz wirklich zu verarbeiten, liegt oft darin, bei sich selbst und in der Gegenwart Klarheit zu schaffen, statt alte Beziehungen wieder aufleben zu lassen.