Hallo!
@ Blanca
Ich habe weder gesagt, daß jemand fremdgehen muß oder soll oder nicht fremdgehen darf, noch wer wen worüber informieren soll, muß, möchte oder eben nicht.
Nach meinem Verständnis ist es schlicht so, daß es jedem selber überlassen werden muß (sollte, wenn es Dir lieber ist), wie er sein Liebes- und Beziehungsleben gestaltet. Mit einem Recht im juristischen Sinne hat das nichts zu tun. (Übrigens gab es durchaus auch Zeiten, sie sind noch nicht so lange her, in denen Fremdgehen strafbar war - offenbar gibt es da und dort doch auch Fortschritte.)
Ja, wenn jemand sich an ein öffentliches Forum wendet, muß er einiges aushalten, weil eben nicht alle alles aushalten und sich auch angesprochen fühlen, wenn sie es gar nicht sind.
Erstaunlich ist jedenfalls, daß - wenn jemand ausdrücklich darauf hinweist, er möchte keine Moralpredigten hören, sondern sich nur mit Menschen austauschen, die in einer ähnlichen Situation sind - sich gerade die Moralprediger sogleich auf den Plan gerufen fühlen und hilfreich wie eine Heilsarmee über den Betreffenden herfallen.
Die Hintergründe dafür wären einer eigene Analyse wert. Einer der Gründe wird wohl sein, daß man seiner eigenen moralischen Gefestigtheit so wenig über den Weg traut, daß man auf alles hinbeißen muß, das mit der eigenen Moral nicht übereinstimmt. Aus welchem Grund auch sonst könnte man sich über die Unmoral anderer aufregen, von der man nicht im Geringsten betroffen ist? Diese Empörtheit dient also mehr der eigenen Sicherheit, der eigenen Zurechtweisung als der Besserung und Läuterung anderer.
Du kennst Dich ja aus mit Psychologie und wirst daher um diese Mechanismen wissen.
Was die "Normalität" des sogenannten Fremdgehens betrifft, habe ich ja gesagt - "in einigen Generationen". Derzeit läuft diese "Normalität" eben noch im Verborgenen und führt dann auch zu entsprechenden Tragödien - bis hin zu Mord und Totschlag. Und ich glaube nicht, daß das eine Dauerlösung sein wird.
Wenn sich jemand eine monogame Beziehung wünscht, ist ihm das ja unbenommen, und selbstverständlich soll er sich nicht zu etwas anderem nötigen lassen. Davon war nicht die Rede.
Was ich allerdings nicht ganz verstehe, ist Deine Meinung, daß sich jemand, der selber monogam veranlagt ist, notwendigerweise einen treuer Partner wünschen muß.
Ob Du es glaubst oder nicht - ich bin vollkommen monogam veranlagt, ja mehr noch: ich brauche nicht einmal S. (mich haben schon mein ganzes Leben andere Dinge weitaus mehr interessiert). Aber deshalb wäre mir noch nie in den Sinn gekommen, auch von meiner Partnerin ewige Treue einzufordern. Man kann ja nicht seine eigene Veranlagung zu einer Tugend machen und diese dann auch noch anderen aufnötigen wollen, noch dazu unter dem Aspekt irgendeiner Moral (was ja alles andere abwertet und eben "unmoralisch" macht).
Ja, wenn es nach der Bibel geht, dann ist der Mensch das Abbild Gottes. Geht es aber nach der Wahrheit, dann ist Gott das Abbild des Menschen (wie ihm ja auch nur zu deutlich anzumerken ist). Und dieses hat sich im Lauf der Zeit ja einigermaßen verändert, weil sich diese ursprüngliche Wutgottvorstellung heutzutage nicht mehr gut verkaufen ließe (in unserer Kultur zumindest, die - im Gegensatz zu anderen - zumindest eine Zeitlang eine Phase des Humanismus durchlebt habt).
Offenbar bist Du ja eine kluge und gebildete Frau und wirst daher wissen, wo der Ursprung Gottes (oder vielmehr des abrahamitischen Gottesbildes) liegt. Der ist ja nicht etwa einem liebenden und großmütigen Herzen entsprungen, sondern gleichsam einem tollwütigen Vulkan.
Und überhaupt - ginge irgend etwas nach der Bibel (Gott behüte!, möchte man beinahe ausrufen), dann wäre die Narretei ja eine noch weitaus schlimmere und verheerendere, weil es in der Bibel ja kaum etwas gibt, das nicht "aus unserer Mitte ausgerottet" werden muß. Bis hin zum Tier, das mißbraucht worden ist. Eine Schrift des blanken Horrors und Terrors, der Rache und Grausamkeit zur (moralischen) Grundlage seines Lebens machen kann nur jemand, der sie nie gelesen hat.
Das einzige wahre Wort, das in diesem vorantiken Machwerk einer Wind- und Wüstenreligion überhaupt vorkommt, ist, daß es die Menschen durch die "Erkenntnis von Gut und Böse" aus dem Paradies geworfen worden hat. Dieser Erkenntnis kann man nur zustimmen.
Sonderbar ja auch: als die sogenannten christlichen Seefahrer in ihrem evangelischen Segeldrang an diversen Südseeinseln angelandet sind, meinten sie zunächst, sie seien mitten im Paradies angekommen, obwohl die Frohbotschafter das Paradies ja den Wilden eigentlich erst bringen wollten. Besser wäre wohl gewesen, die Wilden hätten uns zivilisiert und nicht wir die Wilden. Nur waren die offenbar nicht wild genug dazu ...
Und zu behaupten, der Mensch habe eine Seele, Tiere hingegen keine - das setzt dem glaubensverwirrten Anthropozentrismus wohl die Krone auf! Meinst Du, wie zur vordarwinistischen Zeit, Mensch und Tier wären grundsätzlich verschieden, etwas vollkommen anderes? Die einen mit einer göttlichen Seele ausgestattet, die anderen nur zum Fressen da?
Was mich aber wirklich interessieren würde: Sind für Dich Moral und Werte z. B. des wahhabitischen Islam vertretbar und völlig in Ordnung? Wenn ja - ok. Wenn nein: Aus welchen Gründen kann man die einen Werte und Moralvorstellungen gutheißen, die anderen kritisieren und ablehnen?
@ Valen
Zu Dir fällt mir eigentlich nur ein Nietzsche-Zitat ein: "Wenn ein Esel hineinschaut, kann kein Gelehrter herausschauen" (gemeint war ein Buch). In diesem Sinne kann ich nur sagen: Wenn ein Verwirrter hineinschaut, kann kein Nicht-Verwirrter herausschauen.
Und wenn ich schon Nietzsche erwähnt habe: Ich würde Dir sein Buch: "Zur Genealogie der Moral" empfehlen. Vielleicht würde das Dein Verständnis darüber, was es mit der Moral auf sich hat, etwas erhellen - auch wenn zu befürchten ist, daß Dir wieder nur Verwirrtes und schräg Ergossenes entgegenspringt.
Wenn Du meinst, wenn jemand monogam veranlagt ist, kann er keine polygame Beziehung führen - habe ich irgendwo behauptet, daß er das soll oder muß? Wenn Du aber sogar meinen solltest, daß niemand mit monogamer Veranlagung dem anderen ein polygames Verhalten zugestehen kann, weil er das nicht aushalten könne - dann bin genau ich dieser Niemand.
Zu Deiner Erkenntnis, die genetische Entwicklung des Menschen sei rückläufig - könnte nicht gerade das eine Folge der Monogamie sein? Daß der Genpool durch Monogamie immer dürftiger wird, sollte ja zu verstehen sein. Deshalb ist der Mensch, entgegen Deines Glaubens, auch nicht von Natur aus mongam, sondern er hat es sich, aus verschiedenen und sicher nicht den klügsten und edelsten Gründen, zum "Programm" gemacht. Jedenfalls ist durchaus bekannt, ob es in Dein Weltbild paßt oder nicht: je größer die genetische Durchmischung, um so größer die Gesundheit, Widerstandskraft und Anpassungsfähigkeit des betreffenden Lebewesens. Genetik und Moral in Zusammenhang zu bringen, geht völlig ins Leere. So, wie es - salopp gesagt - voll in die Hose gegangen ist, S....lität mit Moral in Zusammenhang zu bringen. Das kann auch nur dem Menschen gelingen, der (laut Blanca) mit Vernuft begabt ist.
@ Nkenner
Das Einzige, was Du wirklich verstehst, ist, die Wahrheit ins Gegenteil zu verkehren. Wie Dir das ja auch schon bei Deinem Mensch-Tier-Vergleich vorbildlich gelungen ist. Allerdings, ohne es selber zu merken.
Mich für einen Narzissten zu halten (ich wußte es, daß es so kommt), ist Dir natürlich unbenommen, aber auf alle Fälle ein Kunststück der vorurteilsvollen Wahrheitsfindung. Würdest Du mich kennen, würdest Du wohl höchst erstaunt sein, wohin es der Narzissimsus heutzutage schon gebracht hat. Von mir etwa ist gerade das "Ich-ich-ich-Denken" vollkommen abgefallen - offenbar die nächste Stufe des Narzissmus, die verschärfte Form gewissermaßen.
Ich nehme an, Du hast schon derart viel über Narzissmus aufgesogen, daß Du gar nichts anderes mehr denken kannst und Dir alles, was Dir nicht wie eine Kopie Deiner selbst erscheint, als Narzissmussymptom ins Auge springt. Das nennt man: in die Narzissmusfalle getappt.
Wonach Du lebst, das ist ja Deine Entscheidung (falls man sich tatsächlich entscheiden kann). Nur wirst Du dasselbe auch mir zugestehen müssen, ohne gleich die Gewißheit zu haben, es müsse sich bei mir um einen "unmoralischen" Menschen handeln. Meine Lebensweise wäre vermutlich sogar in Deinem Sinne gar nicht so "unmoralisch". Der Unterschied ist nur, daß ich mir das nicht stolz auf die Brust schreibe, als wäre es mein Verdienst, und alles andere für abartig und verwerflich halte. Für mich ist das Entscheidende die Freiheit des Denkens, und in diesem Sinne bin ich nicht unmoralisch, sondern amoralisch (und das ist ein großer Unterschied). Und diese Freiheit des Denkens wird mir auch nichts nehmen, mag da kommen, was wolle. Wenn ich eines tatsächlich nie wollte, dann: in irgendwelchen geistigen Laufställen zu verkümmern und zu verenden. Dazu ist das Leben wohl zu weit und wertvoll ...
In diesem Sinne halte ich es auch für eine Frau, die denkt wie ich, für besser, wenn sie Dir nicht über den Weg läuft. Denn ein Symposion würde das wohl nicht gerade werden.
Liebe Grüße