Ich bin, was das Beichten nach so langer Zeit angeht, ja, wie gesagt, auch total zwiespältig.
Direkt danach...ja, da bin ich ziemlich klar in meiner Meinung. Aber dann auch...wenn schon, denn schon...vollkommen ehrlich.
Die Beziehung von Toni35 ist jetzt aber bereits seit 6 Jahren von Unehrlichkeit "beschädigt". Zumindest sie weiß ja von dieser Schieflage, dass sie ein Geheimnis hat, was nichts
Unwichtiges ist, das man ruhig mal verheimlichen darf.
Also gesund, im Sinne von Augenhöhe, ist diese Beziehung schon lange nicht mehr.
Und ob der "Schritt" Heirat jetzt der nötige Aufhänger ist, um zu Beichten...keine Ahnung. Natürlich ist es besser in die Zukunft zu gehen und vorher alles "auf den Tisch zu bringen".
Aber irgendwie ist es halt dafür zu spät. Jedenfalls dafür, dass das noch in einem halbwegs vernünftigen Rahmen zu händeln ist.
Die Gefahr, dass so eine Beichte alles zerstört, ist nun mal riesengroß.
Zu dem Beitrag von Damien: Ja, die Verantwortung für sein eigenes Tun zu übernehmen. Das fällt vielen Leuten total schwer.
Man käme da ja ganz einfach drumherum, indem man das eigene Tun eben so gestaltet, dass man eben niemanden betrügt und hintergeht. Dann muss man zu
dieser Verantwortung ja auch nicht stehen

Und noch ein anderer Gedanke zu Beichten oder nicht Beichten: Meine Frau sagte während unserer quälenden Aufarbeitungszeit mal zu mir "Mensch...hätte ich dir das doch nur nie erzählt!"
Ich hab da ziemlich doof aus der Wäsche geguckt und gesagt "Häh? Auf den Gedanken 'hätte ich das doch nur nie gemacht' kommst du aber nicht? Also der Fehler ist, dass du es mir erzählt hast?" Daraufhin hat sie ziemlich doof aus der Wäsche geguckt.
Ich meine damit dieses ganze Thema "schlechtes Gewissen".
Wenn man, egal wie und wie lange, seinen Partner betrügt, denkt man doch gar nicht an ihn, an seine Gefühle und an die eventuelle Zerstörung der Beziehung.
Erst danach meldet sich komischerweise das schlechte Gewissen. Warum? Man könnte doch auch ganz einfach mit gutem Gewissen die Partnerschaft fröhlich weiterführen, man hat das "böse Treiben" ja schließlich beendet. Warum nagt jetzt plötzlich das Gewissen?
Warum muss man plötzlich (und zwar dann, wenn alles vorbei und nicht mehr änderbar ist), nachdem man alles dafür getan hat, damit es nicht rauskommt, mit der Wahrheit auf den Tisch?
Warum belastet man den Partner, der einem während des Fremdgehens ziemlich egal war, und der das zu der Zeit auf keinen Fall mitkriegen durfte, auf einmal mit so etwas Zerstörerischem?
Spielt da nicht eigentlich immer sehr viel eine Selbstbefreiung von der eigenen "Schuld", der eigenen Verantwortung, mit hinein?
Ich persönlich würde es trotzdem immer wissen wollen. Weil ich mein eigener Herr über mein eigenes Leben sein möchte. Aber noch lieber ist es mir natürlich, wenn man das erst gar nicht tut.