Liebe @Heffalump
Vielen Dank, dass Du noch an uns denkst.
Ich komme kaum noch zum hier Lesen oder gar Schreiben, was einerseits daran liegt, dass mein Alltag in einer Beziehung durchaus weniger Raum entstehen lässt, aber auch daran, dass viel Ruhe eingekehrt ist.
Der leibliche V. meldet sich weiter null. Die Dokumente für Pass hatte er prompt gesendet und seither brauchte ich nichts mehr von ihm zwecks seiner Unterschrift. Also hatte ich auch keinen Anlass mich mit ihm zu beschäftigen.
Natürlich hat er auch keinerlei Spielzeug gesendet oder sonstiges Interesse an Diego bekundet.
Auch die Geschwister und deren Mutter sind verstummt. Einmal schrieb mich die Schwester an, sie vermisse uns, dies beantwortete ich mit gleichen Worten und dann war auch wieder Ruhe.
Ich bin mittlerweile ganz klar damit, dass ich erst dann Kontakte zulasse, wenn tatsächlich prüfbar und spürbar ist, dass dieser Kontakt in eine Regelmäßigkeit führt. Nun sind es 14 Monate ohne Kontakt.
Verstehen tue ich es weiter nicht. Es ist traurig zu sehen, dass Diego hier nach einer Logik sucht, die ich ihm nicht bieten kann und alles um so willkürlicher werden lässt
Trotzdem wird auch Diego ruhiger. Er sagt weiter, dass er das alte Leben, Papa und Geschwister vermisst. Aber sehr viel seltener.
Das Narrativ 'Papa' ist durch meinen neuen Partner sehr präsent. Mittlerweile, es sind nun 9 Monate, sind wir ein eingespieltes Team. Wir verbringen viel Zeit miteinander, waren nun zum ersten Mal im Urlaub, ich traute mich sogar mit Diego zu fliegen! Alles lief gut und es ist soooo eine Erleichterung

. Jetzt mag ich natürlich gern öfter fliegen, aber dad liebe Geld...
Mein neuer Partner fühlt sich toll an. Es ist ein so gravierender Unterschied im Erleben und Gefühl. Wenn ich sehe wie liebevoll bemüht und selbstverständlich er sich um Diego kümmert und wie herzlich und glücklich Diego dies annimmt, kommen mir weiter regelmäßig die Tränen.
Keine Ahnung was ich da alles benennen kann: er hat für Diego bereits begonnen ein Zimmer einzurichten. Wir leben weiter getrennt (ich scheue mich sehr vor einer Abhängigkeit) und er möchte, dass Diego sich auch bei ihm daheim fühlt. Er holt Diego nahezu immer ab, wenn er früher als ich Feierabend hat, überlegt Aktivitäten mit ihm. Macht sich Gedanken, was er noch braucht. ... und jetzt im Urlaub zahlte er die Hälfte für Diego mit... mich macht es oft noch sprachlos wie selbstverständlich und aus dem Herzen all diese Gesten uns gegenüber kommen.
Das alles führt natürlich zu einem sehr familiären Gefühl miteinander und auch im Außen werden wir als Familie erlebt. So kommt es dauernd vor, dass man an Diego gewendet sagt "der Papa kann ja..." . Und obwohl Diego gern auch mal Papa zu ihm sagt und er sich wie sein Papa fühlt und nichts mehr dagegen hat, sich auch so nennen zu lassen, möchte Diego, dass man die Fakten klärt und sagt "nein, dass ist nicht der richtige Papa". Gefühlt holt sich Diego weiter im Außen die Rückmeldung, ob das trotzdem ok ist. Und zum Glück reagieren alle sehr tolerant und integrieren "ach darum geht es nicht, es muss sich gut anfühlen " ist meist die Aussage.
Ich bin froh, dass Diego jetzt auch psychotherapeutische Begleitung hat. Er braucht das Außen um sich zu sortieren. Jetzt stehen wieder Abschiede an: Kindergarten und sein bester Freund wird nun doch nicht mit ihm eingeschult, sondern zieht in seine Heimat zurück.
Abschied fällt Diego verständlich schwer. Mittlerweile ist es zum Glück kein Drama mehr, dass mein Partner eben nicht täglich mit uns zusammen ist. Hier kehrt Sicherheit ein. Aber Angst uns zu verlieren, hat er dennoch. Letztens sagte er "ich habe angst, dass ihr stirbt, dann habe ich niemanden mehr". Obwohl er weiß, dass er dann Oma, Opa, Onkel, Tante und Cousine hat.
So nun versuche ich weiter zu schlafen
😴 und hinterlassen allen liebe Grüße,
Libra