Libra82
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Ich mag mich trotzdem immer mal wieder melden und berichten. Ihr habt mir bei jeder emotionalen Welle geholfen
und es wird für mich immer mehr zu einer Gedächtnisstütze.Leider habe ich nun wieder enorm viel Zeit vergehen lassen.
Der Vater von Diego hat sich nie wieder gemeldet. Ich hatte mich damals dazu entschieden vorerst nicht auf seine Frage bezogen auf Wohnort ubd SteuerID zu antworten, da es mich wieder etwas aufgewühlt hatte und dann tatsächlich komplett vergessen. Da er nicht mehr nachgefragt hatte, ging es unter.
Diego geht es gut. In der Schule hat er sich super eingelebt. Mittlerweile sind Hausaufgaben und Lernen auch kein probates Mittel mehr, mir den Kampf anzusagen. Die Psychotherapie haben wir nach der KZT nicht weiter geführt. Er kann mittlerweile besser als zuvor benennen, wenn er traurig, wütend oder verzweifelt ist, wegen der Trennung oder vielmehr, weil er ihn und seine Geschwister nicht mehr sieht. Das kam in den letzten Monaten immer mal wieder als Thema hoch. Besonders sein Wunsch seinem Vater zu schreiben. Da ich befürchte, dass ein tatsächlicher Brief entweder zu weiteren Schmerz wegen unerfüllten Hoffen, oder anderen eher schwierigen Reaktionen seitens seines Vaters führen, sammle ich die Briefe in einer schönen Kiste. Er darf sie seinem Vater geben, wenn dieser sich meldet oder er alt genug ist. Ich habe Diego versprochen, dass ich ihn dorthin begleite, sobald er ein Handy besitzt und in der Lage ist mich zu kontaktieren, wenn er mich braucht. Das versteht er zum Glück gut und fordert auch noch nicht vehement ein Handy. Er kann schon lesen, daher zeigte ich ihm die letzten Nachrichten an seinen Vater mit der Bitte eine Umgangsregelung für Diego zu finden, die dieser nie beantwortet hatte. Damit Diego sich sicher sein kann, dass sein Vater von dem Wunsch ihn zu sehen weiß und es wirklich nicht seine Aufgabe ist, ihn zu erinnern. Seitdem hat er 3 mal ca 5 Zeilen verfasst. Er beginnt mit Beschimpfungen wie Sch e i ß Kopf , du bist d u m m und das er sich wünscht, er würde auch leiden oder sterben. Aber, dass er ihn liebt und sich über alles wünscht ihn wieder zu sehen.
Sobald er die Kiste wieder holt und seine Zeilen liest, erschrickt er oft selbst und ich beruhige ihn. Es sind nur Worte, es sind seine Gefühle, sein Schmerz.
Vor Weihnachten hatte ich wie immer Angst. Die letzten Jahre waren schwer, da Diego stark damit gekämpft hatte, dass es dauernd zum Thema wurde, das andere eine 'intakte' oder ungetrennte Familie haben und man für Mama und Papa bastelt. Dieses Mal blieb das große Gefühlschaos tatsächlich aus. Diego hat meinen neuen Partner wirklich für sich zum Papa erklärt. Das ist mittlerweile schon so natürlich für ihn, dass er in Gesprächen mit Bekannten, die auf die Info reagieren, dass sein Vater keinen Kontakt hat sagt: "nicht schlimm, ich habe einen Papa und der fährt mit mir Moped und ist für mich da"
Von kleineren Erziehungsunstimmigkeiten abgesehen bin ich weiterhin oft total gerührt meinen Partner mit Diego zu erleben.
Diego leidet trotzdem noch unter den Umständen und vermisst betont insbesondere seine Geschwister. Auch hier antworte ich ihm so gut wie es geht auf seine Wünsche und Ideen. Ich erkläre, dass es nicht deren Schuld ist und die Erwachsenen enrscheiden. Das er die beiden sehen würde, hätte es Besuche gegeben. Ich irgendwann aber auch keine Kraft mehr hatte dauernd deren Mutter um Treffen zu bitten und selbst ebenfalls keinen weiteren Kontakt mehr zu den Beiden gesucht habe.
Ich denke, der Umstand, dass wir zu meinem Partner ins Haus gezogen sind hat den Prozess beschleunigt, sich sicher zu fühlen. Diego machte häufig Sicherheitsabfragen nach dem Motto: " wenn ihr euch trennt, dann bleibe ich mal hier, du bleibst mein Papa. Mama kann umziehen und ich besuche sie."
Schlauer Fuchs, aber tatsächlich spütbar, es würde meinen Partner zerreißen, falls er ihn verlieren würde. Er fühlt sich komplett verbunden, empfindet ihn als seinen Sohn.
Dadurch kam es natürlich immer mal wieder zu der Frage: was ist mit dem Sorgerecht, was ist, wenn mir mal was geschieht? Welche Rechte hat er dann, gibt es Wege und Mittel? Auch würde mein Partner Diego und mir gern das Haus vererben, im Falle der Fälle... Ich mache es kurz, wir haben uns beraten lassen. Es geht nix ohne aktive Einwilligung seitens des leibl. Vaters. Einerseits ja gut, im Sinne der Rechte beider Eltern. Andererseits lässt es mich verzweifeln, da ich Sorge habe, wenn ich sterbe, dann kann der liebevolle Papa null für seinen Herzenssohn tun.
Einzig hilfreich wäre eine Hochzeit, damit wäre die Erbfolge klar als Stiefkind und auch alle anderen Möglichkeiten vor Gericht. Aber ich möchte nicht heiraten. Und ich muss auch sagen, dass ich bei jedem Anflug von Ähnlichkeit mit meinem Ex , sehr schnell emotional mit Rückzug inklusive Fluchtideen tendiere. Vielleicht eine Kombination der Perimenopause und der Nebenwirkungen der toxischen Erfahrungen mit meinem Ex oder generell meinen Beziehungserfahrungen. Zum Glück reguliert sich alles nach ein paar Tagen und hinterlässt keine größeren Spuren. Unser Streitthema an sich lässt sich aber leider nicht leugnen: für ihn zu wenig Paarzeit und somit oft seltene Intimität. Tja, wir haben nonstop ein Kind, dass erst 8 wird und keine wirkliche Betreuungsalternative, der Alltag macht müde und ich brauche bei Stress oft eher meine Rückzugshöhle und suche weniger Nähe. Mal sehen, wie sich daran was ändern kann.
Diego ist gesundheitlich zum Glück echt fit, zumindest was den Shunt angeht und es gab seit März auch sonst keine medizinischen Eingriffe mehr. Interessant finde ich, dass meine Unterschrift für notwendige Eingriffe grundsätzlich reicht. Für mich eine echte Erleichterung. Ich gebe meinem Ex keine Informationen mehr. Er zeigt sich ja schon seit fast 3 Jahren uninteressiert und fragt nie nach, selbst dann, wenn er eine Unterschrift leisten muss. Es würde mich nur weiter zermürben, wenn ich ihn für notwendige Operationen auch noch um Unterschriften bitten müsste.
Leider verkaufen meine Eltern ihr Haus. Ich verliere somit sehr bald meinen (Papier-)Hauptwohnsitz. Das bedeutet, zum Ummelden muss ich ihn wieder bitten mir eine Unterschrift zu geben. Auch bezüglich des Wunsches nach Verbleib in der bisherigen Grundschule. Ich werde nach Diegos Geburtstag bereits alles formulieren und vorbereiten, damit es nicht zeitlich knapp wird. Ich werde ihn in diesem Zuge anbieten das Sorgerecht abzugeben. Vielleicht macht er es ja freiwillig, wer weiß das schon. Ihn darum zu bitten meinen Partner die Befugnis zu erteilen uns in der elterlichen Sorge zu vertreten, halte ich weiter für gewagt, da er dann vielleicht sich messen will. Aber ich wäge es noch ab und im Grunde, Fragen kostet nix und selbst wenn er nur zu diesem Zwecke des Kräftemessens auf die Bühne treten mag, gehe ich den Weg über das Jugendamt und hole mir Untwrstützung für eine konkrete Umgangsregelung und Kontaktanbahnung. Für mich leider weiter eine denkbare negative Konsequenz, da es ihm nicht um Diegos Wohl ginge bei dem Kontakt und unter solchen Bedingungen würde ich Diego gern vor Begegnungen mit seinem leiblichen Vater bewahren.
Tja, vorsichtig ist die Mutter der Porzellankiste. Ich bin weiter recht ratlos und hoffe, dass Diego egal was geschieht, nicht erneut leiden muss.
Liebe Grüße
Eure Libra
