Ich bin bei diesem Thema sehr zwiespältig. Vor allem denke ich, dass es in erster Linie Probleme auf der Paarebene sind, die auf die Elternebene ausgelagert werden. Von beiden.
Zitat von Nachtlicht: Laut ihrer Schilderung hat der Vater bereits mehrfach bewiesen, dass er nicht die Standards im Hinblick auf Fürsorge und Erziehung erfüllen kann, die Libra82 für sich als richtig erachtet (und bei den von ihr genannten Beispielen würde ich ihren Standards sowas von zustimmen,
Ich hatte bei meinem Kind auch den Hang zum helikoptern, hab es mir aber allermeistens vernunftbegabt verkneifen können. Da ich kein Kind hatte, dass krank auf die Welt gekommen ist, war das natürlich verhältnismäßig einfach - keine Ahnung, ob ich mich dann auch hätte zurücknehmen können. Wie schwierig es ist, wenn Eltern bei der Erziehung (und Versorgung) nicht an einem Strang ziehen, kennen sicherlich viele. Nur halte ich die Schlußfolgerung, dass Mütter automatisch immer das Richtige machen, für falsch.
Es ist völlig okay, dass Libra ihre Standards hat. Aber in einer Beziehung muss man meistens an den eigenen Standards arbeiten und Kompromisse eingehen - weil der Partner hat halt auch welche und oft eben auch andere. Kann man bzw, frau von den eigenen Standards nicht abweichen (was ich nachvollziehen kann, wenn es um das Kind geht), dann wird es schwierig. Denn dem Vater "gehört" das Kind genauso viel oder wenig wie der Mutter.
Zitat von Nachtlicht: Stichwort Zwangsfütterung z. B., grenzt für mich an Kindesmisshandlung).
Dieses Thema hätte ich unbedingt gemeinsam mit dem Vater mit den behandelnden Ärzten besprochen. Ich kenne durchaus noch Zeiten, in denen es modern (fast ne Vorgabe) war, feste Still- oder Flaschenzeiten zu haben. Da wurden Babys sogar aufgeweckt, damit sie im regelmäßigen Rhythmus Nahrung zu sich nehmen. Ich kenne auch ein Paar mit Frühchen, das vor noch gar nicht so langer Zeit angehalten wurde, dem Kleinen im bestimmten Abstand zu füttern. Ob er nun wollte oder nicht - er musste.
Ich seh da die eine wie die andere Seite und vermutlich fühlen sich beide im Recht. In so einer Ausnahmesituation würde ich die Hilfe von Fachleuten (hier: Mediziner) in Anspruch nehmen, statt auf "aber ich liege richtig!" zu beharren. Es ist doch klar, dass dann jeder im eigenen Saft schmort und die Emotionen immer mehr hochkochen.
Zitat von Nachtlicht: Gerade dann halte ich es für sehr sinnvoll, den Kleinen wenn es möglich ist zur Oma, Patentante oder einer anderen NICHT durch die Situation belasteten Bezugsperson zu geben, sodass Libra82 mit ihrer Freundin wegfahren kann ohne irgendeinen Grund (oder auch einen "Grund", den sie sich selbst einreden kann) zu haben, ihren Nochpartner zu kontaktieren.
Libra hat evtl. einen Nochpartner. Das gemeinsame Kind hat jedoch einen AufimmerVater. Und der hat ein Recht auf sein Kind, das er - wie die TE selber schreibt - sehr liebt. Man stelle sich mal den umgekehrten Fall vor: Ein Vater in einer (nicht optimalen, aber immer noch vorhandenen Beziehung) entscheidet, dass er sein Kind nicht bei der Mutter lässt, wenn er mal ein paar Tage wegfährt, weil er der Mutter nicht traut. Sondern es eher der Oma, der Patentante oder sonst einer Person überlässt. Mal ganz davon abgesehen, welche Verantwortung da anderen Menschen übergestülpt werden soll für etwas, was in erster Linie bei den Eltern liegt. Was wäre denn, wenn in diesen Tagen wirklich was passiert? Oma, Patentante oder sonstwer hat doch Null Entscheidungsmöglichkeit!?
Wenn es so ist, dass Libra allen anderen mehr Vertrauen schenkt als dem Vater ihres Kindes, dann ist doch eh alles gelaufen. Da wäre es für mich an der Zeit, Konsequenzen zu ziehen. Dann muss sie den Fokus auf sich selbst richten und ändern, was sie ändern kann. Sollte sie am Burn-out schrappen, dann ist es höchste Zeit, dass sie das angeht.
Es ist mir zu einfach, nur dem nicht in meinem Sinne agierenden Partner dafür verantwortlich zu machen. Den kann sie nämlich nicht ändern, sondern nur sich selbst.
Ja, wenn es nicht anders geht: Dann muss halt die Aus- oder Fortbildung auf Eis gelegt werden. Dann gibt es zum Glück sowas wie HartzIV (ja, ist shaize!), Freunde und Familie, Anwälte und last but not least Therapeuten, zu denen sie bereits Kontakt hat. Das letztere scheint mir aber eher in ne analytische als in ne pragmatische Richtung zu gehen. Kann man machen, ändert aber nix.
Zitat von Nachtlicht: Sie muss endlich mal den Kopf ein bisschen frei kriegen und etwas Abstand gewinnen, so sehe ich das.
Ja, sie sollte den Kopf frei bekommen. Ich seh das aber nicht bei einem verlängerten Wochenendtrip mit ner Freundin. Sie kreiselt ja gedanklich nicht nur um ihr Kind (was ich verstehen kann!), sondern auch um den Ballermann-Ausflug ihres Nochpartners

und die von ihm geposteten Bikinifotos mit Mrs. Unbekanntaberimmerhinälter.
Da schließt sich mein Kreis. Paar- und Elternebene werden munter durcheinander geworfen. It takes two to tango!