Zitat von Libra82: Ich erkenne deine Einschätzung bezogen auf meine Wut nicht. Da brauch ich Hilfe.
Ich glaube, wir können aus darauf einigen, daß "wie Du ja sicher weißt" Aspekte von Beschwichtigung und Absolution hat.
In den Grundlagen funktioniert Beschwichtigung ja immer nach dem einen Muster: du kannst dich nicht so fühlen weil (xyz). Beschwichtigen kann man auf vieler Art und Weise, Du kannst Dich nicht so fühlen, weil es so schlimm ja nicht war; du kannst dich nicht so fühlen, weil so weh kann das gar nicht getan haben; du kannst dich nicht so fühlen, weil du ja vorher auch xyz getan hast. Ich denke, daß Du noch viel besser als ich, ja weißt, wie untauglich Beschwichtigung im Umgang mit Gefühlen ist.
Denn wenn ich oder ein anderer mich gerade so fühle, dann ändern sich meine Gefühle nicht dadurch, daß jemand ein Sachargument vorbringt. Gefühle funktionieren im Dreiklang von wahrnehmen, annehmen und erst dann bewerten (so nötig).
Warum weichen dann so viele Menschen auf Beschwichtigung aus? Da gibt es ne Reihe von Gründen wobei man die meisten in drei Kategorien unterbringen kann, Unkenntnis bzw Unverständnis (niemand fühlt sich besser, wenn er ein Sachargument zu hören bekommt, selbst wenn es zutreffend ist, aber emotionale Ebene und Sachebene sind verschiedene Dinge und vielen ist das nicht bewusst), zweitens eigene Hilflosigkeit und drittens Nichtaushalten können.
Wenn jetzt die Beschwichtigung (du kannst nicht sauer sein, weil) gepaart wird mit nennen wir es mal einer kleinen Täuschung (Schuldumkehr oder Gaslightning sind viel zu harsche Konzepte für das was in deinem ersten Entwurf steht), dann wird es interessant.
Denn in jedem Fall setzen wir einer Beschwichtigung ja noch etwas oben drauf, in Deinem Fall ein "wie Du ja sicherlich weißt". Du und ich wissen, nach Deiner Schilderung, daß das unwahr ist.
Also warum hast Du sie benutzt? Ich würde drauf tippen, daß Du sie benutzt hast, weil, wenn er sich mehr interessieren und engagieren würde, hätte er von dem Treffen etwas mitbekommen und Du wärst nicht in der Situation, es ihm im Nachgang sagen zu müssen.
Und jetzt sag Du mir, ob Du da nicht mal ein Fitzelchen Aggression wahrnimmst

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Wieso bin schon wieder die Überbringerin schlechter Nachrichten, nur weil du dich nicht kümmerst?
Wieso ist es schon wieder an mir, Dich zu informieren, nur weil Du keine Lust hast, Dich um Informationen selbst zu kümmern?
Wieso weist Du mir ständig die Rolle der Kassandra zu und kannst hinterher auf mich sauer sein, obwohl ich die einzige bin, die sich Mühe gibt?
An der Stelle zanke ich ein bissl mit Dir und sage, nö, das ist keine Resignation, da ist Wut.
Jetzt ist das natürlich hier in dieser Situation ur doof, weil man ja schlecht wütend auf den anderen sein kann, wenn man selbst irgendwie so ein bissl die Situation mit verursacht hat. Daher versteckt sich die Wut und kommt um die Ecke mit dem Absolutionsgedanken. Wenn man ihn nur schnell und unauffällig dazu bekommt, einem eh Recht zu geben, dann ist man ja nicht schuld und dann darf er auch nicht mehr sauer sein.
Da wird also auf allen Seiten beschwichtigt. Ich kann nicht wütend sein, er darf nicht wütend sein und überhaupt wäre das alles nicht passiert.

So kommen wir aber nie dort an, wo wir ankommen sollten:
Knackpunkt ist folgender: Ob zu Recht oder Unrecht, Du bist nicht davon ausgegangen, daß er überhaupt nichts weiß von dem Treffen. Vielleicht hast Du vermutet, daß er es eh nicht weiß und noch gedacht selbst schuld halt.
Du hast vollkommen richtig gehandelt und ein selbst schuld ist nicht schlimm!
Dann ist folgendes passiert, die Jungs haben es als "Geheimnis" aufgefasst. Und das hat Dich völlig und absolut getriggert. (Hätte es mich auch.). Ab da ist aus dem völlig harmlosen, dann kümmern sich die Ladies halt selbst und sieh halt zu, ein konspiratives Treffen geworden, welches zudem die Kids auch noch belasten könnte und damit unmittelbar in die Trennung mit hinein gezogen werden.
Und von dort hat sich alles verselbstständigt.
Statt bei Geheimnis anzusetzen. Jungs das ist kein Geheimnis, wenn ihr es Papa nicht erzählen wollt, (warum? da ist eine Gesprächssituation verloren gegangen), ist das Eure Entscheidung (Selbstermächtigung), wollen wir vielleicht das Papa beim nächsten Mal einfach mitkommt?
Dann kommt, wer sagt es ihm? Merke, schon hier ist aus einem einfachen Treffen eine Riesensache geworden. Bitte mach Du, weil ich gerade so viel Stress habe, ähm Du bist die frisch Getrennte?
Und an der Stelle sagst Du ja. Da ist das zweite Abgrenzungsproblem (Beschwichtigung ist das erste). Wieso wird aus dem Treffen ein Geheimnis und wieso sagst Du einfach ja, mach ich?
Der Rest ist dann, was wir hier gerade durchkauen.
Und hey, wenn Du mir sagst, daß da nicht irgendwo auch sehr viel alte Wut über die Gesamtsituation und konkrete Wut, über wieso Du das machen sollst, ist, dann glaube ich Dir das. Ich sage Dir aber auch, ich wäre wirklich wütend, würde mich aber total mies fühlen, weil ich irgendwie das Gefühl hätte, ich dürfte es nicht sein

Und dann würde ich auch solche Emails schreiben, is ja nicht so, daß ich nicht verstehe, wie die Zustande kommen oder hier nur Theorie erzähle, ich habe all so was schon in vergleichbaren (keine Kinder aber nicht minder schwierige Themen) Situationen gemacht.
Schließlich kommen wir mal zur Funktion von Wut: Wut ist laute Trauer, nicht umsonst sind (laut) klagen (Klagemauer) und anklagen wortverwandt, nur daß in unserer Kultur "laute" Trauer nicht mit Konzept unterlegt ist. Wir betrauern Kränkungen nicht, sondern wir werden wütend über diese. Hinter Wut steckt Traurigkeit.
Wut erfüllt aber insbesondere bei Trennungen eine weitere Funktion, sie kostet keine Energie so wie Trauer und Schmerz, sondern setzt Energie frei. Genau die Energie, die Du brauchst, um Dir ein neues Leben ohne den anderen aufzubauen. Nö, von dem lasse ich mir mein Leben nicht kaputt machen. Was der sich einbildet, wie der ich behandeln kann etc.
Wut ist deine Freundin.
Aber Wut ist Deine Freundin auf der Ex-Paarebene und auf der emotionalen Ebene. Auf der Sachebene udnauf der Kindeswohlebene ist Wut das Öl, was man ins Feuer gießt.
Und der Grund, warum du kein"wie Du sicherlich weißt" schrieben kannst, ist weil das "Geheimnis" schon bei den Großen entstanden ist, was bedeutet, daß die schon darauf reagieren, daß die Kindeswohlebene längst verlassen wurde. Im Sinne des Kindeswohls ist die Situation zu entschärfen und nicht mit Beschwichtigung oder Beschwichtigung und white lies darauf zu reagieren.
Und jetzt setze ich noch einen oben drauf: Kindeswohl hat jeder Erwachsene immer zu 100% zu verantworten. Es reicht nicht 50% zu liefern und sich daran festzubeißen, daß der andere keine 50% liefert. Sondern jeder von Euch ist immer zu 100% komplett und alleine (!) für das Kindeswohl verantwortlich. Wenn der andere 0% liefert, ist es trotzdem an Dir 100% zu geben.
Das schafft natürlich niemand. Aber es ist ein gutes Bild, um sich selbst klar zu machen, wie Kindeswohl funktioniert.
Es ist auch nicht schlimm, daß es mal mehr mal weniger gelingt. Aber nicht Ex und Du zusammen sind für das Kindeswohl verantwortlich, sondern jeder für sich (allein) zu 100%.
Ist das unfair? Nicht wirklich. Kindeswohl und Lehrerschaft sind kein Nehmen und Geben sondern ein Fluss, aus Kindern werden Eltern, aus Schülern werden Lehrer. Als Leser bin ich zu 100% für meine Schüler verantwortlich, egal welche Kriege ich mit den anderen Lehrern, der Geschäftsführung oder den Eltern austrage.
Elternschaft ist "nur" um ein tausendfaches schwieriger.
Womit lässt Dich das zurück? Mit der Aufgabe in Deinem Ex den größten Vollkoffer der Nation zu sehen und damit Frieden oder Waffenruhe zu finden und ihn gleichzeitig für den besten Vater von Diego zu halten, weil er alles gibt, was er geben kann, auch wenn Du glaubst, daß das nicht reicht. Letzteres ist nicht Dein Job, es ist an Diego das irgendwann zu bewerten.
All das wäre nicht passiert, wenn sich der Herr Vollkoffer besser gekümmert hätte, ist ein ach da schau her, wie wütend ich nach wie vor auf meinen Ex bin, schluck, durchatmen, was ist jetzt das beste für die Kids?