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Zwischen Wunsch und Wut

L
Ich melde mich mal aus dem Urlaub

Uns geht es super und ich bin mächtig stolz auf den kleinen Kerl. Wir haben 44 Stunden im Auto verbracht und er hat stimmungstechnisch am besten durchgehalten!

Er ist verliebt in das Meer und wir haben Glück mit dem Wetter, es ist sogar warm genug zum Schwimmen. Den Verwandten quarkt er fröhlich das Ohr ab, auch wenn diese kein Wort verstehen und er probiert alles, sogar Muscheln

Heute hat er zum ersten Mal wieder nach Papa verlangt. Er war echt traurig, wollte zu ihm.
Mein Vater und meine Mutter haben versucht ihn zu erreichen, das war gegen 12 Uhr. Er ist nicht ran und rief nicht zurück.

Diego sagte, dass er nicht wollte, daß wir uns trennen und ob ich wieder zurück zu Papa gehe, dieser mich liebt. Ich sagte, dass ich das nicht möchte. Da schaut er mich fröhlich an und sagt ist ok, dann nimmst du dir einen anderen Papa D. (sein Name) . Ich sagte lachend Ja, aber vielleicht heißt der dann anders, was Diego nicht ok fand. Ich sagte, dass ich sowieso erstmal nicht will.

Am Abend gegen 19 Uhr hat mein Vater ihn noch einmal angerufen. Er ging ran. Diego zeigte ihm unsere Wohnung und erzählte ihm, was er so erlebt ubd dann kam der Satz Papa, Mama möchte einen anderen Papa suchen .... Ich musste so das lachen unterdrücken.

Es kam nach dem letzten Besuch am 8.9. Kein weiteres Telefonat mehr oder ein Treffen. Aber er schickte mir anstandslos und schnell alle Unterlagen und Unterschriften, damit ich allein mit Diego verreisen kann und er wünschte uns eine gute Reise.

Am Tag unserer Ankunft informierte ich ihn per Mail, dass wir gesund angekommen sind.

Soviel zum Update.

Ich komme zwar nicht richtig zur Ruhe, aber es ist trotzdem perfekt. Es ist warm, ich liebe das Essen, erlebe meine Verwandten, Diego ist abgelenkt und genießt die Zeit am Meer. Ich weiß es sehr zu schätzen, dass ich meine Eltern begleiten kann. Sie sind wirklich nicht mehr fit, wer weiß, wie oft wir noch eine solche Reise miteinander verbringen können.

Ich weiß nur, dass ich nix vermisse und immer wieder spüre, wie gut es ist, dass er jetzt nicht hier ist. Manchmal nehme ich die Situation noch wahr und weiß, was er jetzt tun und sagen würde und ich bin einfach erleichtert.

Hinterlasse euch sonnige Grüße

22.09.2022 23:18 • x 4 #871


Heffalump
Zitat von Libra82:
Papa, Mama möchte einen anderen Papa suchen

Gib Diego eine extra Umarmung, mit Grüßen von mir.

23.09.2022 02:46 • x 1 #872


A


Zwischen Wunsch und Wut

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L
Hallo mal wieder,

Ich versuche mich an einem kurzem Update.

Zuerst: der Urlaub tat wirklich gut. Mal weg von allem und etwas Sonne, die Familie. Richtig Urlaub ist natürlich anders, aber es war nach so vielen Jahren genau die richtige Mischung.

Wieder zurück ist natürlich immer schwer. Musste die Stunden auf der Arbeit aufholen, alle wurden nach einander krank, erst Grippe, dann Magendarm...

In der Wohnung haben wir bisher weiter noch nie geschlafen. Liegt natürlich zum einen daran, dass ich durch den Urlaub keine Zeit hatte alle Möbel und Geräte zu besorgen und zum anderen, dass mir weiter die Kraft für eine Hau-Ruck Aktion fehlt.
Glücklicherweise muss ich das auch nicht und kann an den wenigen freien Tagen immer mal was machen, aber auch Diego genug Aufmerksamkeit schenken und Zeit mit ihm verbringen.

Diego geht es gut. Gesundheitlich weiter keine Auffälligkeiten, was mich wirklich beruhigt. Im Dezember dürfen wir zur Kontrolle nach Berlin.
Auch in Spanien hab ich gemerkt, dass ich die ganzen Ängste um ihn noch nicht wirklich verarbeiten konnte. Nicht, dass ich noch Angst habe, ich weine nur, wenn ich daran denke, was alles schon passiert ist.

Langsam langsam hört es auf und ich hab nicht mehr ihn als innere Zweitstimme. So oft habe ich Situationen erlebt und gedacht: 'jetzt hätte er das gesagt und gemacht' - das war nicht per se schlecht, denn ich fand es eher ernüchternd - er hat Menschen immer schlecht gemacht, entweder provokativ und direkt, oder zumindest im Nachhinein, wenn wir allein waren. Und die Show, die er immer abgezogen hat, so 'aufmerksam und hilfsbereit' und ich, wurde daheim fertig gemacht, weil ich da nicht richtig geantwortet habe, oder ihm keine Aufmerksamkeit geschenkt habe....
Als ich bemerkt habe, dass es langsam seltener wird, ist mir aufgefallen, dass ich nun schon ein halbes Jahr geflohen bin!
Und es ist weiter die aller aller aller beste Entscheidung für mich gewesen.

Diego ist weiter davon betroffen. Ich hatte nur kurz gehofft, dass er sich beginnt nun wieder für seinen 3. Sohn zu interessieren, hab Kleinigkeiten überbewertet... Aber nein, es wird immer deutlicher, dass er am liebsten absolut nichts mehr von ihm hören würde.

Er meldet sich nie, fragt nie nach ihm, hat ihn noch nie freiwillig besucht und verhindert, dass sich die Geschwister begegnen.

Wenn es zu Kontakt kommt, geht es von Diego aus - ganz so, wie der Herr Papa es sich gewünscht hat. Er sagte zu Diego, dass er sich melden soll. Wenn Diego also seinen Papa vermisst, frag ich ihn, ob er telefonieren möchte, wenn er ja sagt, rufe ich ihn an. Bisher ist er bei mir nie ran gegangen und hat nie zurück gerufen. Also muss ich meine Eltern bitten dies zu tun, zumeist reagiert er dann innerhalb von 12 bis 24 std. In den Telefonaten bittet Diego immer um ein Treffen. Meistens vereinbaren die beiden dann auch eines. Bisher 2 mal jeweils Sonntag ab 18 Uhr bzw 18.30 Uhr bis 19.30 Uhr bzw 20 Uhr.

Ich weiß von den Geschwistern, dass er viel Zeit mit ihnen verbringt. Und Sonntag Abend bringt er die beiden heim und hat dann, wenn unbedingt verlangt, Zeit für den Kleinen.

Alle 3 formulieren den Wunsch Zeit miteinander zu verbringen. Ich war nun schon einmal die große Schwester abholen und es war ein tolles Treffen.

Das Thema Geheimnis hab ich gelüftet. Im Urlaub hat Diego über Video mit ihm und seiner Schwester gesprochen und ich bin kurz dazu um der Großen zu sagen, dass ich schon Muscheln und schöne Ohringe für sie gefunden habe und wir uns bald nach dem Urlaub sehen. Er saß daneben, von daher, erledigt.
Diego hatte mir nach diesem Telefonat gesagt, dass Papa sagte, er hole ihn, wenn die Geschwister da sind. Hat nicht stattgefunden.

Mich macht das alles noch wütend und sehr traurig, aber ich hab resigniert und sage mir : ein Mann, der nicht erkennt, wie wertvoll die Beziehung zu seinem Kind ist und wie wundervoll dieses Kind ist, mit dem will ich auch nicht die Zeit teilen müssen. Daher bin ich nicht unglücklich darüber. Ich freue mich auf jedes Wochenende, ich liebe jeden Abend nach der Arbeit, ich hab einen wundervollen Sohn mit dem ich dann Zeit verbringen kann. Wenn der nicht gerade wieder besseres vor hat
Und wenn ich dann auch noch darüber nachdenke, wie lange ich seine Stimme in mir hören musste, kann ich sogar dankbar sein, dass er so wenig Einfluss auf Diego nimmt.

Traurig macht es mich, wenn Diego wieder ihn vermisst und ich einfach nicht verstehen kann, wie ein Vater so wenig Zeit und Liebe übrig haben kann für ein Kind, dass so bedingungslos liebt.

Kindergarten ist einfach super. Ich hasse es früh aufzustehen und bin durch die langen Tage auf der Arbeit einfach nur geschlaucht. Aber ich stelle mir den Wecker extra früher, damit ich ihn wecken kann, seinen morgen begleiten kann, seine Idee, wie er mich verabschieden mag, welchen Weg wir gehen,wie lange ich im Kindergarten bleiben soll, damit er mich gehen lassen kann. Die Eingewöhnung ist längst vorbei, er mag seine Gruppe, spielt gern mit den Kindern und hat bereits die Herzen der Erzieherinnen erobert. Aktuell drückt er gern alle seine Erzieherinnen, wenn man ihn abholt. Meine Schwägerin bekam mit, wie eine Erzieherin sagte da geht einem das Herz auf, so ein herzlicher Junge... Ja, das ist er und ich liebe ihn. Ich muss schon immer schmunzeln über den kleinen Gauner, denn wenn ich dann aucu eine Umarmung will, bekomme ich sie mit einem kecken Lächeln verweigert und muss die Schmach ertragen ^^
Und dann abends beim Lesen die schönsten Gedanken zu hören Ich liebe Dich Mama, bis zum Mond und zurück. Ich habe Dich vermisst, wann ist wieder Wochenende?...
Wenn mein Ex wüsste, wie glücklich ich darüber bin, dass ich wirklich die Wochenenden alle habe, würde er sich bestimmt was einfallen lassen

Aber es gibt auch sehr traurige Momente und ich versteh nicht, woher die Gedanken kommen. Einmal sagte Diego, er wolle nicht, dass ich einen anderen Menn habe, er zieht dann aus, zu Papa... Später sagte er mir, weil er Angst hat, dass ich ihn dann nicht mehr liebe und ein neues Baby will.
So Gedanken finde ich grausam, zum Glück kann er sie benennen, dann kann ich ihn beruhigen.
Es scheint wohl so, dass Nachbarskinder viel darüber reden, ihm sagen, dass er keinen Papa hat. Vor solchen Dingen kann ich ihn nicht schützen, es bringt nix zu sagen, dass er einen hat, denn er hat nix von ihm. Woher er die Ängste hat, mich an einen anderen Mann zu verlieren, dass kann ich mir nicht erklären. Ich habe weiterhin eher Angst vor Männern, will meine Ruhe und mein Leben gestalten. Ich bin weit weit weg von irgendeinem Interesse jemanden kennen zu lernen.

22.10.2022 21:38 • x 7 #873


L
Da ich eh schlaflos bin, kann ich auch ein Update geben.

Am 16.10. war das letzte Treffen, dass Diego mit seinem Vater hatte, weil er es eingefordert hat. Auch dieses von 18.30 bis 19.30 Uhr.

Seitdem kam einfach nix mehr. Diego rief ihn am 29.10. an, aber er hat sich nicht zurück gemeldet. Am 30.10. habe ich ihn per Mail angeschrieben, dass ich meinen Weihnachtsbaum etc vergessen habe und ob er das mitbringen kann, wenn er den Kleinen besucht, oder ob ich es holen müsse. Es kam prombt eine Antwort. Ich solle es selbst holen, damit nix fehle. Ich informierte ihn also, wann wir vorbei kommen, um alles zu holen, benannte, dass es schnell gehen wird und das wir uns trotzdem freuen würden, wenn wir die Geschwister kurz sehen können.

Am 2.11. Ruft mein Vater ihn 2 mal mit Video Anruf an, weil Diego es sich wünscht und wird weg gedrückt. Kein Rückruf.

Am 5.11. Informierte ich ihn, dass ich die Sachen am nächsten Tag hole.

Auf der Fahrt dorthin sagte Diego bereits, dass er lieber nicht aussteigen möchte und im Auto warte. Ich sagte, dass es seine Entscheidung sei und er ja schauen kann, falls überhaupt jemand da ist, ob er aussteigen möchte. Es war niemand da. Die Heimfahrt habe ich extra mit einem Besuch im Schwimmbad verknüpft, da ich wusste, es wird emotional und uns belohnen wollte. Diego fragte im Laufe des Tages, wann er seinen Vater wieder sehen kann und ich sagte ihm, dass wir ihn erst erreichen müssen, damit wir was ausmachen können und er bisher nicht zurück gerufen hat.... Da sagte er: Papa hat gesagt, ich kann ihn immer anrufen. Ich glaub der hat mich veräppelt.

Er hat ihn seitdem nicht mehr anrufen wollen. Ich merke, dass es in ihm arbeitet. Besonders weil ich in den letzten 3 Wochen aufgrund meiner Arbeit an 3 bis 4 Tagen in der Woche sehr spät nach Hause gekommen bin. Meine lange Abwesenheit, das wortlose verschwinden des Vaters, natürlich eine schwer zu verdauende Kombi.

Ich möchte da gerade gern Ruhe rein bringen. Dieses Wochenende werden wir zum ersten Mal in unserer neuen Wohnung schlafen. Mittlerweile sind Couch, Kühlschrank und co geliefert und aufgebaut. Es fehlt noch einiges, aber es ist bereits ein ordentlicher Grundstock da und wartet darauf, dass wir es zu unserem zu Hause machen

Ich glaube, dass wird einiges entzerren und entspannen, wenn auch er wieder seine Sachen alle hat, ein eigenes Zimmer und Ruhe mit mir.

Ich wünschte, ich könnte früher heim kommen, damit er wieder mehr von mir hat, aber das geht gerade nicht.
Kurz vor Weihnachten sind wir wieder im Charité zur Kontrolle. Und ich versuche mir zwischen den Jahren frei zu nehmen, damit wir uns wieder Erden können und auch wirklich mehr als nur schlafenszeit in der Wohnung haben.

Und obwohl ich weit weit weg war von dem Gedanken jemanden in mein Leben zu lassen, hat sich ein alter Bekannter bei mir gemeldet und Tag für Tag hat sich ein intensiverer Kontakt aufgebaut. Zuerst war ich sehr ambivalent und erlebte immer mal wieder ein Gedankenkarussell. Ich zweifle dabei kognitiv an allem, bin erstaunt, dass er tatsächlich so schnell wieder Sehnsucht nach einer Beziehung und Nähe in mir wecken konnte, habe Angst, dass das nur eine Art Flucht von mir ist, um mich der Verarbeitung nicht zu stellen. Da das ja wirklich gefühlt ganz ganz fern von mir war jemand kennen zu lernen, hatte ich gedacht ich sei gerade 'immun' . Ich habe Angst, dass ich mich und damit auch den Kleinen, in das nächste Chaos bringe, obwohl es mir noch nicht gelungen ist Ruhe herzustellen nach der letzten Erschütterung. Ich weiß, ich bin noch nicht so weit. Es ist noch nicht verarbeitet.
Aber ich schaffe es nicht, den Kontakt nicht zuzulassen. Ich merke, dass mich seine offene Art anzieht, sein Verständnis für mich, meinen Sohn, meine Situation, meine Gefühle. Er ist rücksichtsvoll und gleichzeitig lässt er mich unmissverständlich verstehen, dass er gern an meiner Seite wäre. Er fasste in der gleichen Geschwindigkeit Vertrauen zu mir, erzählte von schweren Zeiten, verblümt damit nix. Wahrscheinlich ist es der Kontrast, der mich da zunehmend glauben lässt, dass er nicht ein solcher Blender ist, wie mein Ex.
Eigentlich ist er ein Mann, der mich nicht interessieren würde, da sein Singledasein null zu meinem Lebensstil passt. Sprich, er rauchte bis vor Kurzem noch bestimmte Substanzen und hat entsprechende Kontakte. Ich möchte niemanden in Diegos Leben wissen, der den Absprung von Dro. nicht schafft. Daher gehe ich weiter sehr bedacht mit dem Kontakt um. Erst wenn ich alle Bedenken verliere und Diego sich an unser neues Zuhause gewöhnt hat, würde ich ihn vorstellen. Ich lasse mir Zeit und versuche meine Gefühle einfach wahrzunehmen und zu beobachten was geschieht.

Ich habe ihn ein paar Mal, teilweise für wenige Minuten getroffen. Die Treffen sind jedes Mal erstaunlich schön. Wir liegen uns in den Armen, reden, schauen uns in die Augen. Ich verspüre keine Hektik, es ist entspannt und als könnte ich, wenn es so weiter geht, Schicht für Schicht, tiefere Gefühle entwickeln. Aktuell fühlt es sich verwirrend an, denn real ist kaum ein Monat vergangen, gefühlt ist die Zeit beim Kennen lernen stehen geblieben. Anders als bei allen anderen sich bei mir anbahnenden Beziehungen, bin ich hier komplett unaufgeregt. Nicht huiiiii und weg im Gefühlsrausch. Es fühlt sich schön an so am Boden zu bleiben und trotzdem Herzklopfen zu haben. Zu spüren, dass ich Nähe zulassen kann und trotzdem Abstand habe. Und hier gleich auf vielen Ebenen, denn er hält mich in seinen Armen, zeigt mir, wie sehr er es genießt und beweist mir, dass er auf jeden Schritt von mir wartet, ich alles in meiner Geschwindigkeit entscheiden kann. Alles andere würde mich völlig verschrecken...

Ich finde den Zeitpunkt trotzdem ungünstig.

24.11.2022 02:06 • x 2 #874


Heffalump
Juhu, wie geht es dir und Diego, war euer Besuch bei der Charité gut?
Das neue Jahr ist ja nun schon fast ein Monat alt.
Lass mal wieder von dir hören

Gerade eben • #875




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