Hallo mal wieder,
Ich versuche mich an einem kurzem Update.
Zuerst: der Urlaub tat wirklich gut. Mal weg von allem und etwas Sonne, die Familie. Richtig Urlaub ist natürlich anders, aber es war nach so vielen Jahren genau die richtige Mischung.
Wieder zurück ist natürlich immer schwer. Musste die Stunden auf der Arbeit aufholen, alle wurden nach einander krank, erst Grippe, dann Magendarm...
In der Wohnung haben wir bisher weiter noch nie geschlafen. Liegt natürlich zum einen daran, dass ich durch den Urlaub keine Zeit hatte alle Möbel und Geräte zu besorgen und zum anderen, dass mir weiter die Kraft für eine Hau-Ruck Aktion fehlt.
Glücklicherweise muss ich das auch nicht und kann an den wenigen freien Tagen immer mal was machen, aber auch Diego genug Aufmerksamkeit schenken und Zeit mit ihm verbringen.
Diego geht es gut. Gesundheitlich weiter keine Auffälligkeiten, was mich wirklich beruhigt. Im Dezember dürfen wir zur Kontrolle nach Berlin.
Auch in Spanien hab ich gemerkt, dass ich die ganzen Ängste um ihn noch nicht wirklich verarbeiten konnte. Nicht, dass ich noch Angst habe, ich weine nur, wenn ich daran denke, was alles schon passiert ist.
Langsam langsam hört es auf und ich hab nicht mehr ihn als innere Zweitstimme. So oft habe ich Situationen erlebt und gedacht: 'jetzt hätte er das gesagt und gemacht' - das war nicht per se schlecht, denn ich fand es eher ernüchternd - er hat Menschen immer schlecht gemacht, entweder provokativ und direkt, oder zumindest im Nachhinein, wenn wir allein waren. Und die Show, die er immer abgezogen hat, so 'aufmerksam und hilfsbereit' und ich, wurde daheim fertig gemacht, weil ich da nicht richtig geantwortet habe, oder ihm keine Aufmerksamkeit geschenkt habe....
Als ich bemerkt habe, dass es langsam seltener wird, ist mir aufgefallen, dass ich nun schon ein halbes Jahr geflohen bin!
Und es ist weiter die aller aller aller beste Entscheidung für mich gewesen.
Diego ist weiter davon betroffen. Ich hatte nur kurz gehofft, dass er sich beginnt nun wieder für seinen 3. Sohn zu interessieren, hab Kleinigkeiten überbewertet... Aber nein, es wird immer deutlicher, dass er am liebsten absolut nichts mehr von ihm hören würde.
Er meldet sich nie, fragt nie nach ihm, hat ihn noch nie freiwillig besucht und verhindert, dass sich die Geschwister begegnen.
Wenn es zu Kontakt kommt, geht es von Diego aus - ganz so, wie der Herr Papa es sich gewünscht hat. Er sagte zu Diego, dass er sich melden soll. Wenn Diego also seinen Papa vermisst, frag ich ihn, ob er telefonieren möchte, wenn er ja sagt, rufe ich ihn an. Bisher ist er bei mir nie ran gegangen und hat nie zurück gerufen. Also muss ich meine Eltern bitten dies zu tun, zumeist reagiert er dann innerhalb von 12 bis 24 std. In den Telefonaten bittet Diego immer um ein Treffen. Meistens vereinbaren die beiden dann auch eines. Bisher 2 mal jeweils Sonntag ab 18 Uhr bzw 18.30 Uhr bis 19.30 Uhr bzw 20 Uhr.
Ich weiß von den Geschwistern, dass er viel Zeit mit ihnen verbringt. Und Sonntag Abend bringt er die beiden heim und hat dann, wenn unbedingt verlangt, Zeit für den Kleinen.
Alle 3 formulieren den Wunsch Zeit miteinander zu verbringen. Ich war nun schon einmal die große Schwester abholen und es war ein tolles Treffen.
Das Thema "Geheimnis" hab ich gelüftet. Im Urlaub hat Diego über Video mit ihm und seiner Schwester gesprochen und ich bin kurz dazu um der Großen zu sagen, dass ich schon Muscheln und schöne Ohringe für sie gefunden habe und wir uns bald nach dem Urlaub sehen. Er saß daneben, von daher, erledigt.
Diego hatte mir nach diesem Telefonat gesagt, dass Papa sagte, er hole ihn, wenn die Geschwister da sind. Hat nicht stattgefunden.
Mich macht das alles noch wütend und sehr traurig, aber ich hab resigniert und sage mir : "ein Mann, der nicht erkennt, wie wertvoll die Beziehung zu seinem Kind ist und wie wundervoll dieses Kind ist, mit dem will ich auch nicht die Zeit teilen müssen". Daher bin ich nicht unglücklich darüber. Ich freue mich auf jedes Wochenende, ich liebe jeden Abend nach der Arbeit, ich hab einen wundervollen Sohn mit dem ich dann Zeit verbringen kann. Wenn der nicht gerade wieder besseres vor hat

Und wenn ich dann auch noch darüber nachdenke, wie lange ich seine Stimme in mir hören musste, kann ich sogar dankbar sein, dass er so wenig Einfluss auf Diego nimmt.
Traurig macht es mich, wenn Diego wieder ihn vermisst und ich einfach nicht verstehen kann, wie ein Vater so wenig Zeit und Liebe übrig haben kann für ein Kind, dass so bedingungslos liebt.
Kindergarten ist einfach super. Ich hasse es früh aufzustehen und bin durch die langen Tage auf der Arbeit einfach nur geschlaucht. Aber ich stelle mir den Wecker extra früher, damit ich ihn wecken kann, seinen morgen begleiten kann, seine Idee, wie er mich verabschieden mag, welchen Weg wir gehen,wie lange ich im Kindergarten bleiben soll, damit er mich gehen lassen kann. Die Eingewöhnung ist längst vorbei, er mag seine Gruppe, spielt gern mit den Kindern und hat bereits die Herzen der Erzieherinnen erobert. Aktuell drückt er gern alle seine Erzieherinnen, wenn man ihn abholt. Meine Schwägerin bekam mit, wie eine Erzieherin sagte "da geht einem das Herz auf, so ein herzlicher Junge"... Ja, das ist er und ich liebe ihn. Ich muss schon immer schmunzeln über den kleinen Gauner, denn wenn ich dann aucu eine Umarmung will, bekomme ich sie mit einem kecken Lächeln verweigert und muss die Schmach ertragen ^^
Und dann abends beim Lesen die schönsten Gedanken zu hören "Ich liebe Dich Mama, bis zum Mond und zurück. Ich habe Dich vermisst, wann ist wieder Wochenende?"...
Wenn mein Ex wüsste, wie glücklich ich darüber bin, dass ich wirklich die Wochenenden alle habe, würde er sich bestimmt was einfallen lassen

Aber es gibt auch sehr traurige Momente und ich versteh nicht, woher die Gedanken kommen. Einmal sagte Diego, er wolle nicht, dass ich einen anderen Menn habe, er zieht dann aus, zu Papa... Später sagte er mir, weil er Angst hat, dass ich ihn dann nicht mehr liebe und ein neues Baby will. "
So Gedanken finde ich grausam, zum Glück kann er sie benennen, dann kann ich ihn beruhigen.
Es scheint wohl so, dass Nachbarskinder viel darüber reden, ihm sagen, dass er keinen Papa hat. Vor solchen Dingen kann ich ihn nicht schützen, es bringt nix zu sagen, dass er einen hat, denn er hat nix von ihm. Woher er die Ängste hat, mich an einen anderen Mann zu verlieren, dass kann ich mir nicht erklären. Ich habe weiterhin eher Angst vor Männern, will meine Ruhe und mein Leben gestalten. Ich bin weit weit weg von irgendeinem Interesse jemanden kennen zu lernen.