Zitat von Cienne:Vielleicht hat der Schmerz an die Erinnerungen auch gar nicht soo viel mit dem jeweiligen Ex zu tun. So langsam glaube ich, dass es grad bei sowas wie Ausflügen, Supermarktbesuchen usw. nicht um die Person an sich geht, sondern um das Gefühl, dass man dabei mit sich trägt. Die Vertrautheit, die an der anderen Person klebt, begleitet einen bei diesen Unternehmungen. Deshalb wirkt das mit dem Supermarkt so banal, denn was ist an einem Supermarkteinkauf so besonders. Aber wenn die gewohnte Vertrautheit dabei ist, dann wird quasi aus allen alltäglichen Unbesonnenheiten etwas Besonderes draus.
Damit könntest Du durchaus Recht haben. Aber man wird eben getriggert, weil automatisch wieder die Gedanken zurück gehen, als man mit ihm zusammen Lebensmittel für ein Essen zu zweit, eine Flasche Wein usw. gekauft hat. Die Erinnerung an das gemeinsame Essen und Kochen taucht wieder auf und beschert einem für einen kurzen Moment ein wohliges Gefühl. Das Gefühl von emotionaler Zufuhr, die in der Ablösungsphase ja so wenig ist. Und im nächsten Moment überkommt einen wieder der Stress, weil das Bewusstsein nach dem Ausflug in die Erinnerungen einen sofort wieder in die Realität setzt. Und damit kommen Ernüchterung, Traurigkeit, Sehnsucht und der Wunsch, ach, wäre es doch noch so wie damals!
Orte die man gemeinsam besucht hat, erinnern einen sofort wieder an das Vergangene. Und umgehend kommen dann wieder die traurigen Gefühle. Damals fühlte man sich dem Ex. verbunden, damals war es schön, man fühlte sich geborgen, man glaubte an die gemeinsame Zukunft, man hatte sich das Leben zu zweit so schön ausgemalt und schon das nächste Weihnachtsgeschenk überlegt. Und nun?
Dieser emotionale Gegensatz ist dann einfach Stress pur. Von der positiven Erinnerung wird man schoungslos in die reale Welt katapultiert.
Wer sollte darüber nicht traurig werden?
Das kann so weit gehen, dass man sich zwischen zwei wenig besuchte Regale verdrückt, weil einem die Tränen runterlaufen oder dass man bedröppelt vor dem Joghurt steht und sich fragt, was wollte ich hier eigentlich?
Das sind wirklich schlimme Phasen im Leben, die aber jeder und ich glaube wirklich fast ausnahmslos jeder erlebt und durchlebt. Sei es, dass die große Zuneigung zu einem Menschen nicht erwidert wird, sei es dass die Beziehung zerbrochen ist oder - noch schlimmer - der langjährige Partner verstorben ist.
Auch das Gefühl und das Wissen oder auch nur der Verdacht, dass ein/e Andere/r diesen Platz eingenommen hat, kann einen wunderbar quälen.
Sich dann an das Negative zu erinnern, sich die schlechten Seiten des Ex. ins Bewusstsein zu rufen, kann dann momentan tatsächlich hilfreich sein. Obwohl man weiß, dass das jetzt hervorgeholt wird, um den momentanen Schmerz zu überdecken.
Ich kam in solchen Phase immer auch in eine Trotzhaltung. Ich gebe nicht auf, ich mache was aus meinem Leben. Heute mache ich dies und morgen gehe ich ins Kino und am WE treffe ich Sandra und wir machen uns einen schönen Tag. Ich lasse mir mein Leben von dem doch nicht kaputt machen.
Das ist auch Hilfe zur Selbsthilfe. Bitte, wenn er meint, dass er es mit Next jetzt besser, hat, dann kann ich nichts machen. Aber warte nur, Freundchen, auch Du kriegst nichts geschenkt. Auch da wird der schnöde Alltag einkehren, die ersten Differenzen tauchen auf und das neue Glück bekommt die ersten Risse. Ah, welch schöne Vorstellung, dass es Dir dann schlecht geht und mir gut! Ha, dann siehst Du mal.
Und in der nächsten Minute überkommt einen doch wieder das heulende Elend bei Vorstellung, dass er sich am Freitag nachmittag ins Auto fährt und drei Stunden zur Neuen fährt ...während man sich eine Art Ersatzleben zulegt, das einem nicht gefällt.
Das ist tatsächlich Stress für den Körper, weil ja die Hormone ständig auf Trab gehalten werden. Dann wieder der Gedanke, niemals mehr werde ich richtig glücklich werden. Ich werde stumpfsinnig vor mich hin leben müssen.
Und da das kein Körper und keine Seele auf Dauer aushält, ist der Faktor Zeit hilfreich. Denn man muss ja wieder runterkommen, sein Leben neu aufstellen und so unersetzlich war Exi ja auch nicht, wie man jetzt merkt. Und dann findet man allmählich wieder in ruhigere Fahrwasser zurück.
Ich glaube, diese Phasen muss man einfach durchleben, weil der Mensch nicht von heute auf morgen in ein anderes Leben schalten kann.
Also, nicht wundern, wenn man beim bewussten Supermarkt nur mit Herzschmerz vorbei fahren kann und die Gefühle durchleben, die man aber manchmal auch mit Hilfe des Verstandes wieder zurück pfeift.