Zitat:Hallo erstmal.
Also zunächst mein tiefstes Mitgefühle für deine Situation, die ist einfach sehr hart und da du ja meine Geschichte mitbekommen hast wissen wir beide das sie sich sehr ähneln. Also zu deiner Missere aus meiner Erfahrung heraus...
Vielen Dank. Wie gesagt - dein Thread hat mich dazu gebracht, mich hier nochmals anzumelden (habe mittlerweile meinen alten Account wieder gefunden, hatte die Zugangsdaten noch im Handy... im Gegensatz zu dem hier echt lächerlich, schon verrückt, wie man an sich selbst wächst). Im Voraus schonmal danke für deine Worte, die ich heute nacht mit Sicherheit öfter lesen werde.
Zitat von EngelohneFlügel:Das klingt im Prinzip wie nach meiner "negativen" Depri-Phase. Ich war unzufrieden, in einem tiefen Loch, habe mich in meinen selbst auferlegten "Master-Plan - die perfekte Familie" verrant und war überfordert. Habe nichts mehr für mich getan und wurde schlichtweg Unglücklich. Problem daran, man bekommt das selber meißt tatsächlich nicht mit wenn man drin steckt.
Ja genau so wie du es beschreibst war es tatsächlich. Ich habe selbst wirklich nicht wahrgenommen, wie ich mich verhalte und auch ich hatte dieses Idealbild der perfekten Famile vor Augen, das wir auch super nach außen tragen konnten. Mein Verhalten gleicht deinem 1:1.
Zitat von EngelohneFlügel:Das wiederum war bei uns auch am Ende der Alltag, sie sagte mir bei der Trennung das sie mich nur noch verbittert sah, Pessimistisch aber gemerkt oder mir helfen lassen ging nicht. Ich habe es einfach nicht wahr genommen. Damit will ich ausdrücken, meiner Meinung nach gib dir dafür keine Schuld. Das das so war ist menschlich, du kannst das auch nicht rückgängig machen. Im Nachhinein nagen solche Selbsterkenntnisse enorm aber wichtiger ist ja das du so wie ich dies erkannt hast und abgestellt hast. Du bist aufgewacht.
Prima, das war der erste Schritt aus dem Loch.
Der Running-Gag war, dass ich zum Willi werde - so heißt mein Dad und er ist bekannt dafür, etwas grummelig zu sein. Nahm sie es damals noch mit Humor und hat mich vor Freunden damit aufgezogen (was dazu geführt hat, dass ich sogar Gläser mit "The real Willi" etc graviert bekommen habe...), ist es wohl tatsächlich so, dass ich etwas miesepetrig, pessimistisch und negativ wurde. War mir aber zu dem Zeitpunkt - trotz der Aufziehereien - nicht als negative Eigenschaft bewusst. Da haben wir es wieder, das Thema Sender und Empfänger bei Frauen und Männern....
Zitat von EngelohneFlügel:Das ist schon mal egal wie es weiter geht eine gute Basis. Wenn sie dich ehrlich als guten, zuverlässigen Vater sieht ist es an dieser Front schon mal einfacher.
Also natürlich schlummert das als eine große Angst in mir, dass ich meine Kinder teilweise oder ganz verlieren kann. Aber bisher konnte ich mich auf Ehrenworte meiner Frau immer verlassen, deshalb geh ich ehrlich gesagt davon aus, wenn sie mich als so tollen Vater wahrnimmt (ich selbst sehe das übrigens auch als eine der positiven Eigenschaften an mir! Sie meint immer, ich kann mich so herrlich mit in das Spiel der Kinder integrieren. Sie lachen eigentlich durchgehend mit mir, ich mache jeden Schmarrn mit so lang es im Rahmen bleibt und bin in den notwendigen Punkten so konsequent, dass es dennoch einer vernünftigen Erziehung dient. Also ich denke, das kann ich wirklich gut. Auch durch das viele Allein die Kids betreuen, Wochenendarbeit und Nachtschichten meiner Frau... bis auf wenige Ausnahmen denke ich, war ich bisher ein toller Vater. Und ich find das schön, dass sie das an mir schätzt, das ist mir schon wichtig). Deshalb denke ich, werde ich im Gegenteil zu vielen anderen Vätern zumindest beim Thema Umgang keine Probleme bekommen. Da müsste jetzt denk ich schon noch einiges schief gehen... und ja, du hast Recht, das ist ansich ein wahnsinnig toller Pluspunkt! Meine Kinder und ich werden zwar nicht täglich füreinander da sein, aber zumindest öfter, als bei vielen Betroffenen Vätern.
Zitat von EngelohneFlügel:Sah ich bei mir auch so aber gebe dir daran nicht allein die Schuld. Deine NF, egal wie es ihr ging, hätte auch reagieren können. Hat meine auch nicht und das "warum nicht" konnte sie nicht beantworten.
Also im Nachhinein sehe ich ihre Schreie nach Hilfe schon, ich kann ihr nicht vorwerfen, sich nicht gerührt zu haben. Ich habe auch ab und an mal eine Ansage bekommen, wenn ich über die Stränge geschlagen habe. Ich muss hier ehrlich zugeben, dass ich - aufgrund der Selbstverständlichkeit der Ehe meinerseits - manche Worte einfach nicht für voll oder für unwichtig erachtet habe, und manche Hinweise zu dem Zeitpunkt auch einach nicht wahrgenommen habe.
Zitat von EngelohneFlügel:
Diesen Teil hätte ich mir gewünscht, wollte sie nicht, darum toll das ihr das gemeinsam angegangen seit.
Ja, diesen Teil habe ich mir auch sehr gewünscht. aber wir haben noch immer Februar. Das bedeutet, der Termin wäre in 2 Wochen... Sie hat jetzt "aus Versehen" Eine Arbeitsschicht auf diesen Termin gelegt. Entweder, sie hat es absichtlich gemacht, was echt sch. wäre. Oder es war wirklich aus Versehen, was auch nicht dafür spricht, dass sie noch an irgendeine Chance glaubt - sonst hätte sie den Termin nicht übersehen. Ich für meinen Teil weiß ganz genau, wann das ist.
Ich habe sie heut drauf hingewiesen, dass es da Überschneidungen im Kalender gibt. Antwort war, ihre Chefin kriegt das schon hin, die Schicht zu verschieben, war aus Versehen.
Ne halbe Stunde später kam dann ne Whatsapp, was ich mir überhaupt von dem Termin erhoffe. Ich antwortete relativ knapp "nicht viel. hauptsächlich einen normalen Umgang zwischen uns allen".
Mal sehen was da noch rauskommt, werde euch berichten.
Ich habe heute versucht für mich selbst einen Psychologentermin auszumachen, bin allerdings nur auf Mailboxen gestoßen. Als Konsequenz habe ich meiner dienstlichen Berufskrankenkasse geschrieben mit der Bitte um Hilfe. Habe nun eine Liste an Profis, die mich mental wieder etwas einnorden können. Ich hoffe, das klappt und ich hoffe, beruflich ergeben sich dadruch nicht noch irgendwelche Nachteile.
Zitat von EngelohneFlügel:Das ist mies aber ich glaube das wird nix ernstes/längeres. Hier hängt sie sich einfach an einen "Grashalm" um nicht allein das Ganze durchzustehen. Meine tat das mit vielen, vielen Freunden die sie bequatscht hat und mit diesen auf die Piste ging zum Feiern.
Das ist auch meine Meinung und ich vermute sogar ihre eigene. Sie redet relativ nüchtern über alles und bei allen "ernsten" Nachfragen wird sie recht unsicher und gesteht ein, dass ihr das eigentlich selbst alles nicht so geheuer is. Ich denke dieser Komfort-Faktor und das gemeinsam erlebte sind hier ausschlaggebend. Keiner kann sich vorstellen, dass das wirklich von Dauer ist. Die Zeit wird es zeigen. Und ich bin gespannt, was seine Frau mir die Tage erzählt - evtl treffen wir uns Samstag tagsüber mal.
Zitat von EngelohneFlügel:Stop! Nicht du allein. Sie hat auch ihren Teil daran. Wichtig ist jetzt, das du dir selber erst einmal Zeit gibst um in dich zu gehen, zur Ruhe kommst und diesen Schock erstmal verarbeitest. Was mir hier sehr geholfen hat, ich bin allein spazieren gegangen. Am besten in der Natur. Hier konnte ich allem freien Lauf lassen. Weinen, Trauern, Schreien, egal, lass das zu und vorallem raus. Das bringt dich und deine Seele runter und du kannst wieder klsrer denken. Aber diese Schockphase kenne ich gut, tut sehr weh, man wird fast unzurechnungsfähig. Wichtig ist aber, du schaffst das da durch zu kommen. Auch sprechen mit Freunden oder hier im Dorum hilft dir da raus.
Ich war heute mit 6 Kumpels unterwegs, Schnitzel essen und zwei B. dazu trinken. Viel reden. Beim Rauchen hat ein Kollege angefangen, nachzufragen, ob bei meiner Frau wieder Vernunft eingekehrt ist. Ich hab es verneint, dann aber das Thema gewechselt. Ich glaube, auch wenn es mir schwer fällt - ab und zu mal ablenken und über "dämliche" Themen zu reden (Autos, Politik, Arbeit, Gartengeräte etc.) muss einfach auch jetzt drin sein.
Die erste Stunde war perfekt, ich war mega abgelenkt, aber je länger ich da saß, umso mehr Themen kamen auf, die mich verletzt haben. Das Großwerden der Kinder. Die Eigenheiten der Frauen.... usw.
Hab mich dann etwas aus der Situation genommen, tief durchgeatmet und mich dann wieder hingesetzt und versucht, das Beste draus zu machen. Ist wirklich anstrengend, wennn man an Kumpelabenden den Spaß erzwingen muss und in jeder Situation aufpassen muss, nicht aus Versehen den falschen Punkt für sich selbst zu erwischen. Aber ich wollte einmal nicht mich und meine Frau zum Thema machen (Bescheid wissen eh fast alle...) und mal wieder ungezwungen quatschen. Hat so semi geklappt, je später der Abend, desto stiller ich selbst. Am Anfang war es irgendwie leichter, WItze zu reißen...
Trotzdem denke ich, dass es über kurz oder lang wichtig für mich ist, mich dazu zu "zwingen", rauszugehen. Auch wenn es ansich recht wenig Spaß macht und ich wenn ich auf unsere Haustür zulaufe lieber noch ne Runde um den Block ziehe und eine Zig. mehr rauche.... Ich glaube, es tut mir irgendwie gut, auch wenn ich nix davon spüre aktuell - im Gegenteil, meist tut es sogar eher weh.
Zitat von EngelohneFlügel:Sehr gut, eine gute Methode um zu sich selbst zu finden. Habe ich viel zu wenig getan und das Leiden verlängert.
Das zusammenleben als WG für die Kinder ist, wenn ihr das hinbekommt, eine gute Möglichkeit für die Kinder die Situation zu entschärfen. Aber sei dir bewußt, sie merken trotzdem das was nicht stimmt.
Haben wir auch gemacht, war nicht immer leicht aber ich denke es war das Beste für die Kinder was wir tun konnten. Zumindest solange keine Streits aufkommen.
Ich merke auch, dass meine Kinder die Veränderung spüren. Selbst das getrennte Schlafen allein reicht aus.
Auch so, entweder bin ich zuhause oder sie, gemeinsame Ausflüge gibt es seit diesem Jahr nicht mehr. Klar merken sie es.
Der kleine mit zwei ist da noch um einiges unbedarfter, da helfen meinst ein, zwei Notlügen und der nächtliche Schlaf ist gesichert.
die "Große" mit 4 ist allerdings emotional mit großen Antennen ausgestattet. Ich glaube, sie versteht besser, was abgeht, als wir selbst. Oft hatte ich bisher Situationen, in denen ich mich am liebsten beschämt in die Ecke gestellt hätte.... Hier wird es definitiv bald Zeit für eine vernünftige Erklärung der Umstände, was mit Sicherheit für alle nochmal hart wird und noch eine Nuance mehr Endgültigkeit in das ganze Thema bringt. Da wären wir wieder beim Thema: Dinge, die ich mir in meinem Leben gern erspart hätte. Meinem eigenen Kind erklären zu müssen, dass seine Eltern unfähig sind, Eltern zu sein....
Streits in der Form gab es bei uns eigentlich nie - was auch ein Problem unserer Ehe war. Haben zuviel runtergeschluckt oder mit uns selbst ausgemacht und als "perfekte Ehe" vermarktet.
Zitat von EngelohneFlügel:Das wird nicht gehen, leider. Meine Erfahrung mittlerweile, eine Reunion hat nur dann eine event. Zukunft wenn ihr euer bisheriges Zusammenleben beendet, es verarbeitet und dann, wenn alles passen würde, euch wieder neu ineinander verliebt. Dann kann das gehen. Aber eine Beziehung, eine Ehe kitten ist meist nicht möglich. Gibt es, ist aber selten.
Deine nächsten Schritte, das du zu einem Anwalt gehst um dich beraten zu lassen ist wichtig und gut. Erstens weißt du dann was auf dich zukommen kann und auf was du achten mußt. Gerade weil du ja auch schreibst das ihr/du auf das Geld schauen müßt. So eine Beratung kostet zwar auch was, ist aber eine sinnvolle Investition.
Nachdem ich mal ausgerechnet habe, was mich die Scheidung samt Unterhalt für Kids und Frau kostet, sind die 200 Euro für die Rechtsberatung leider wirklich Peanuts. Is echt traurig. Letztes Jahr waren wir von dem Geld eine Woche in Kroatien... Und jetzt? Geb ichs für so eine unnötige sch. aus.
Jeder, der meinen Gehaltszettel sieht, kann sich nicht vorstellen, wie man damit noch finanzielle Probleme haben kann. Aber ich war schon immer bei Null, zur Ausbildung nach München gezogen und schon immer eng kalkulieren müssen, viele Verluste durch falsche Entscheidungen, zu hohe Erwartungen und zuletzt zu großen Konsum aller, weil es kurzzeitig glücklich machte. Wir hatten trotz gutem Einkommen nie Rücklagen, weil wir stetig weiter aufgebaut haben (von 2Zimmer zu 3Zimmer-Wohnung, von 3Zimmer zu Doppelhaushälfte, von einem zu zwei Autos, von einem Kind zu zwei Kindern, Miete, Kiga, Krippe, Elternzeit, und und und.... jetzt wäre mit dem steigendem Arbeitspensum meiner Frau und meiner Entgelterhöhung der Zeitpunkt gekommen, wo wir langsam an Altersvorsorge, Schuldenabbau und Vermögensaufbau gedacht hätten...) Leider haben wir aktuell noch ca. 7000 Euro Schulden für den spontanen Wohnwagenkauf und diverse andere Dinge (Felgen und Anhängerkupplung fürs neue Auto und so dämlichen schei., an den man jetzt gar nicht mehr denken würde...)
Zitat von EngelohneFlügel:Wenn du das finanziell schaffst kann ich dir nur dazu raten. Wir leben nun so, ich in meiner Wohnung, meine NF im Haus. Jeder hat seinen Haushalt und Ruhe vor dem anderen. Die Kinder wechseln zwischen uns und kommen damit sehr gut klar. Sie finden es cool zwei Zuhause zu haben.
Ehrlich gesagt bin ich aktuell finanziell forh, wenn ich nicht unter der Hackerbrücke schlafen muss. Traurig, echt traurig.
Das wird noch ein langer, langer Kampf der mich lange an den aktuellen Lebensstil erinnern wird. Solang alles gut geht klappt es - im aktuellen Fall wird es wohl ein Disaster. Ich befürchte, es wird sich rächen und ich werde max. 2, eher 1 Zimmer bekommen. Wird kuschelig und wird irgendwo weh tun, von 170qm auf 17qm umzuziehen.... Aber ich kann mich wohl einfach von allem materiellem verabschieden. Vielleicht hab ich Glück und kann mein Motorrad behalten. Seit ich Kids habe sogut wie nicht gefahren, aber ich glaube, es wird im März zeit dafür, große Touren zu planen....
Die Info mit deinen Kids gibt mir allerdings Mut. Auch wenn ich sie nicht mehr so oft sehen werde, wie ich möchte - das ist ein positiver Eindruck, den ich mir hoffentlich bewahren kann.
Zitat von EngelohneFlügel:Der Plan normale Familie ist gescheitert. Ich machte mir die gleichen Gedanken wie du. Aber, es wird nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird. Dann arbeitest du halt wie ich jetzt auf die Familie 2.0 hin. Normale Familie kann doch jeder....
Das wird schon. Deine Gedanken sind zu diesem Zeitpunkt völlig normal. Komme erstmal richtig etwas zu Ruhe. Dann siehst du viele Dinge nicht mehr so schwarz.
Was du bisher geschafft hast und wie du die Situation angegangen bist finde ich sehr gut. Auch wenn du es nicht so darstellst, deine kleinen Schritte die du machst sind richtig und zielstrebig. Du brauchst jetzt einfach mal Zeit für dich um dich zu sammeln und zur Ruhe zu kommen. Vielleicht versuchst du mal ein WE weg zu fahren und was für dich zu machen. Ist schwer, weiß ich, aber tut echt gut. Du mußt erstmal so wie ich deinen inneren Akku wieder aufladen und deinem Inneren die Möglichkeit geben das Ganze mal setzen zu lassen. Und dann kommt der nächste Schritt. Und der nächste usw.
Das wird schon. Komme erstmal zur Ruhe.
Danke für deinen letzten Absatz. Das gibt mir wirklich ein bisschen Kraft. Gerade dieses "OK, Plan hat nicht funktioniert, aber deswegen hört die Erde sich nicht auf zu drehen"-Feeling ist glaube ich die richtige Einstellung. Hey ok, dann wird es halt Familie 2.0.
Ich hoffe, ich kann diese Energie jetzt mit ins Bett nehmen. Als ich von meinem Jungsabend nachhause kam, schlief sie seelenruhig und mit 40 Fieber auf der Coch. Hab den TV ausgemacht, ihr 5min zugesehen, wie sie schläft und sie dann geweckt, ob sie nicht in ihrem Bett schlafen will.
wisst ihr was das kranke ist? DU leidest den ganzen Tag unter diesem Mist. Aber dann siehst du sie da liegen und - obwohl du weißt, dass es vorbei ist und dass jetzt alles *beep* wird - du genießt es für ein paar sekunden.
Ich habe beim Aufwecken ihre Wange gestreichelt. Das habe ich bestimmt ein Jahr nicht mehr gemacht. Warum hab ich nicht eher diese Probleme in mir behoben? Hätte ich doch mal eher gewusst, was so eine Kleinigkeit ausmachen kann.