Irgendwie mache ich gerade eine sehr merkwürdige Phase durch, die ich irgendwie nicht eingeschätzt kriege. Ich hatte vor etlichen Tagen einen Traum. Er fühlte sich merkwürdig real an und wollte auch irgendwie nicht enden. In diesem Traum versuchte mich mein Ex immer wieder zu schlagen, doch ich konnte jeden einzelnen Schlag ausweichen. Doch irgendwie hörte das nicht auf. Bin dann doch irgendwann aufgewacht und fühlte mich regelrecht "erschlagen".
Seitdem spukt das in meinem Kopf herum und mir fallen immer mehr Situationen ein, die ich schon voll vergessen hatte(oder verdrängt?), die ich aber gar nicht als gewalttätige Situation auf dem Schirm hatte. Doch jetzt mit dem Abstand kann, muss man das als Gewalt sehen und wahrnehmen. So oft, wie ich irgendwo gegengeknallt bin, weil er mich geschubst hat. Das eine Mal stieß er mich im Treppenhaus eine Treppe runter, nachdem ich während eines Streites seine Wohnung verlassen habe.
Nachbarn haben mir angeboten, als Zeuge zur Verfügung zu stehen, falls ich ihn anzeigen will und ich hatte nichts besseres zu tun als zu beschwichtigen. Was musste ich ihn auch immer während dieser Streitereien so dämlich provozieren?
Und mir fallen immer mehr Situationen dieser Art ein. Klar, da gab es den Moment, den ich schon beschrieben habe. Der Tag, an dem ich seine Herdplatte kaputt gemacht habe und dafür regelrecht verprügelt wurde. Klar, da konnte ich mir auch nichts mehr schön reden. Er hörte erst auf, nachdem ich mich aus seiner Wohnung retten konnte und die Tür nebenan aufging und Nachbarin mit erwachsenden Sohn plötzlich auftauchte.
Er hatte dann versprochen, eine Therapie zu machen. Hat er natürlich nicht. Hat rumgelogen, er war bei unserer Hausärztin, doch die wollte ihm keine Überweisung geben.
Ich bin als Kind bei sich jedem bietenden Anlass verprügelt worden. Von meinem Vater, meiner Mutter und in besonders heftiger Form dann später von meinem Stiefvater. Als ich dann knapp 16 war, ging die Mauer auf und ich bin drei Tage später allein nach Westberlin geflohen. Auf dieser Flucht habe ich mir hoch und heilig geschworen, dass es nie wieder ein Mensch geben soll, der konsequenzlos die Hand gegen mich erheben darf. Das ist jetzt 30 Jahre her und in diesen ganzen vielen Jahren ist das auch nie vorgenommen.
Ich habe soviel durchgemacht, soviel erlebt und ertragen und dann kommt so ein zurückgebliebenes Muttisöhnchen und kann sowas mit mir abziehen? Und ich? Wo war mein Stolz? Wo war meine Würde? Wo war der Respekt vor mir selbst? Wieso habe das alles mit mir machen lassen?
Es fühlt sich an, als hätte ich mich selbst verraten.
Echt fieses Gefühl.
Tut mir leid, Leute. Ich weiß, dass hier ist ziemlich harter Tobak. Und mittlerweile habe ich hier Leute, mit denen ich darüber reden könnte, aber ich kann nicht. Mir ist das alles so verdammt peinlich.
