Guten Morgen,
es ist ein sehr vielseitiges Thema, was hier angesprochen wurde.
Und ich denke, dass man hier kaum auf einen gemeinsamen Nenner kommen kann.
Die Beziehungen davor und die Art, wie man verlassen wurde, sind sehr individuell und somit auch kaum vergleichbar.
Im Ganzen und Großen würde ich mich zu der Fraktion anschließen wollen, die meinen, dass es kein großes Abschlußgespräch nötig ist. Ich nehme aber hier die Fälle raus, wo die Art und Weise eines Abschieds aus einer Beziehung auf eine höchst verletztende und kindische Weise per SMS oder ähnliches folgt.
Da bedarf nicht mehr viel zu sagen, denn wer so handelt, von dem sollte man nichts mehr erwarten, egal wie es weh tut. Mit etwas Selbstliebe und Selbstachtung kriegt man die Verletzungen eines Tages geheilt.
Die Einfachso schreibt etwas durch die Blume, jedoch verstehe ich sie voll und ganz! Man kann nur erraten, dass da gravierende Probleme die Beziehung beherrschten und diese Probleme waren beiden bekannt und wahrscheinlich auch bis geht nicht mehr ausdiskutiert und zerredet. Ich finde, sie hat jede Menge Mut und Stärke bewiesen, in dem sie sich, trotz Liebe zu diesem Mann, aus dieser Beziehung verabschiedet, die ihr nicht mehr gut tut! Ich würde sogar sagen, dass dies ein sehr seltener Fall ist. Wie oft lesen wir hier unmögliche Geschichten, wo man aus Liebe alles mit sich machen lässt.
Das sie jetzt mit ihm nicht reden will und kann, verstehe ich noch besser. Die Gründe sind bekannt und sie muss nun sich selbst schützen.
Aber vor allem, was würde jetzt so ein Gespräch bringen? Wievieltes wäre es, liebe Einfachso?
In Beziehungen mit großen und offensichtlichen Problemen, sei es Gewalt, verschiedene Süchte und Abhängigkeiten, psychischer Druck eines Narzisten oder ähnlich darf, kann und muss man davon rennen, so schnell man nur kann! Da ist schon alles zerredet und alles ausprobiert. Der Verlassende muss nur sich selbst schützen und das 1000te Gespräch besser meiden!
Ebenso wurde hier viel von "Liebe und Gefühle weg" geschrieben. Meine sehr subjektive Meinung, ich wüßte auch nicht worüber da noch viel reden muss. Ich denke auch, dass in diesen Fällen, der Verlassende zuerst selbst sehr hilflos ist. Schuld, Scham, Verantwortung und auch Mitleid werden in einen Kessel geworfen, mit dem er nicht recht umzugehen weiß. Dazu kommt noch, er/sie kennt ja den Partner, weiß auch was auf ihn bei so einem Gespräch zukommt. Meist sind Tränen, Betteln, Beteuerungen und jede Menge Vorwürfe zu erwarten. Und das will der Verlassende vermeiden, denn er ist ja "schuld", er ist der jenige, der keine Gefühle mehr hat. Was soll er denn noch sagen, wie soll er erklären, warum und wieso. Das können, so denke ich, die Wenigsten! Sie sind selbst einem enormen Druck ausgesetzt und meiden das, womit man nicht zu recht kommen weiß.
Ich denke diese erzwungene Frischgespräche bringen letztendlich keinem was, weil dabei die Emotionen hochgeschaukelt werden und jeder meint, er wäre im Recht. Dabei gibt es keinen, der recht hat, es ist wie es ist und die Liebe ist weg.
Da müssen Monate und vielleicht Jahre vergehen, viel Arbeit mit sich selbst, bis so ein Gespräch von Nutzen ist.
Lieber Manfred, ich oute mich jetzt als ein Fan von Dir
Ich lese Dich immer gerne hier, noch mehr - manchmal würde ich da oder hier was schreiben und dann kommt ein Beitrag von Dir und ich denke dann, ok, Manfred hat schon alles gesagt!
Aber mit den folgenden Zeilen von Dir bin ich nicht ganz einverstanden. Oder sagen wir, ich sehe es etwas anders.
Zitat von manfredus:
Meine Ex besteht auch darauf, daß wir "mehrere Gespräche" hatten. Gewünschte Wahrnehmungsverschiebung zur Eindämmung der eigenen Selbstunsicherheit und Schuldgefühle. Macht nichts für den Verlassenen besser, jedoch sehr wohl für den feigen Verlasser.
Ich denke, Deine Ex, aus ihrer Sicht, ich betone - aus IHRER! hat recht!
Und ich denke auch, dass allgemein gesehen meist so ist. Der Verlassende entscheidet selten von heute auf morgen zu gehen. Meist ist es ein Prozess, über Monate und sogar Jahre. Und in diesen Monaten gabs sicher diese Gespräche von denen Deine Ex nun berichtet. Vielleicht waren diese für Dich nicht so deutlich, für sie aber schon! Wir können das mit der Wahrnehmungsverschiebung locker umdrehen. Vielleicht war der Verlassene damals derjenige, der nichts wahrgenommen hat. Und selbst wenn es in Deinem Fall nicht ganz so ist, so ist es aus Deiner Sicht anders, aber aus ihrer ganz genau so!
Irgendwo habe ich gelesen, dass Du seit 6 Wochen auf dieses Gespräch wartest. Viel zu kurz, würde ich sagen! Und Du bist, so meine subjektive Meinung, von weitem noch nicht da, wo man aus so einem Gespräch nutzen ziehen kann. Ich denke, ihr seid noch in der Phase, wo auch nach so einem Gespräch, jeder eine andere Wahrheit hat. Nichts aber auch nichts könnte sie Dir jetzt sagen, was Dich zufrieden stellen könnte. Dein Schmerz ist noch sehr akut und Dein Ego wird diesen Schmerz unterstützen, ganz automatisch.
Ich erzähle Dir ein wenig von mir. Ich wurde nach 21 Jahren ausgetauscht, in dem mein Ex eine andere Frau geschwängert hat. Für mich war binnen paar Minuten klar, dass ich diese Ehe nicht mehr weiter führen will und kann. Er hat noch was von "wir schaffen das" gebabbelt, aber ich hab da egoistisch nur an das gedacht, was ich mir selbst zumuten kann oder auch nicht. Unsere Ehe war zu Ende und keiner von uns hatte das Bedürfnis zu reden. Aber eigentlich schon, wie es später rausgestellt hat. Es folgten Monate tiefsten Schmerzes und Verzweiflung, für mich so auch für ihn.
Wenn ich heute, mit meinem heutigen Wissen und Erkenntnis zurückblicke, so weiß ich genau, mein Ex hatte schwerer als ich. Man sieht ihm heute diese Zeit an, äußerlich wie innerlich.
Es vergingen noch 2 weitere Jahre, mit sehr unterschiedlich Phasen. Praktisch und organiosatorisch zum Teil sehr bittere für mich, das erste halbe Jahr war Horror pur. Er verschwand, ich mit meinen 3 Kinder und HausHypothek wußte nicht wie es mir geschieht. Es war eine sehr bittere Zeit, lieber Manfred. Aber genau diese Zeit will ich nicht missen. Denn sie hat mich geprägt, hat mich gelernt zu kämpfen und mich selbst kennenlernen. Jede Träne war wertvoll, nie eine umsonst. Ich sehe diese Zeit heute als ein Gottesgeschenk für mich. Ich weiß, klingt vielleicht etwas makaber, aber so war es.
Dann kamen AnhäherungsJahre, nicht in dem Sinne, dass wir wieder als Paar zusammen sein wollten, sondern wieder menschlich und als Eltern für einander und miteinander da zu sein.
So ein Gespräch, wie Du jetzt Dir wünscht, hatten wir erst nach 2 Jahren. Es war Abiball unserer Mittleren.
Und nach dem die Eltern dann irgendwann abgeschrieben sind und die Jugend alleine in die Nacht feiern will, saßen wir nun zu zweit, damals noch in unserem zusammen gebauten Häuschen auf der Terasse bis 5h morgens. War zum Teil nicht leicht, aber wiederum auch schön und befreiend.
Und es ist gut, sehr gut, dass wir uns Zeit gelassen haben. So ein Gespräch hätte niemals damals frisch nach der Trennung stattfinden können. Wir waren beide noch nicht soweit. Ich vermute, es wäre ein Desaster geworden und wir wären heute nicht da, wo wir heute sind.
Und wir sind gute Freunde und Eltern unserer 3 Kinder. Mein Ex mit seiner jetztigen Familie (die damalige Geliebte+das Kind) wohnen nicht um die Ecke, kommen vielleicht 3-4 im Jahr hier hoch. Aber sind immer herzlich willkomen bei uns. So wie meine Kinder bei denen, wo sie warm aufgenommen und verwöhnt werden. Wir freuen auf uns, sei es ein Treffen oder die vielen Telefonate, wie mit ihm so auch mit seiner Lebensgefährtin.
Es bedarf eine Zeit, lieber Manfred, das wollte ich Dir damit sagen.
Es ist natürlich nur meine Erfahrung, aber vielleicht gar nicht so verkehrt auch für Dich?
Viele Grüße an Alle - azurblau