Zitat von Felica2024:Das ist so lieb, danke! Aber Deine persönliche Meinung würde mich schon interessieren.
Ich glaube, ich würde einen letzten, ehrlichen Versuch starten – gerade weil da ja eine gemeinsame Geschichte steht. In so einem Gespräch würde ich sehr offen aussprechen, was mich bewegt: Dass mich die Situation belastet. Dass es etwas mit mir macht, wenn ich der anderen Freundin gegenüberstehe – dieser Unbeteiligten – und weiß, was im Schatten lauert.
Ich würde ihr auch ganz direkt sagen, dass da in mir ein nagender Gedanke sitzt: Wenn sie einer anderen gegenüber so unehrlich, so doppeldeutig sein kann – wie kann ich dann sicher sein, dass sie nicht auch bei mir irgendwann ähnlich handelt? Nicht, weil ich ihr Misstrauen entgegenbringen möchte, sondern weil solche Brüche in der Loyalität einfach etwas hinterlassen – auch im eigenen Vertrauen.
Und wenn daraufhin dann nur so etwas käme wie: „Das ist dein Problem, nicht meins“, dann – ganz ehrlich – wäre für mich der Punkt erreicht, an dem ich Abstand bräuchte. Nicht aus Trotz. Sondern weil ich mich nicht gesehen und nicht ernst genommen fühlen würde. Und weil Freundschaft für mich mehr bedeutet als bloß Nähe – sie bedeutet Verlässlichkeit.
Das hieße nicht, dass ich das Buch der Freundschaft zuklappe und auf dem Dachboden verstaue. Aber es würde bedeuten, dass ich bewusster damit umgehe, wie viel Nähe für mich noch stimmig ist. Vielleicht gäbe es dann nur noch punktuelle Begegnungen, in einem für mich passenden Rahmen.
Was die ahnungslose Freundin angeht – puh, echt schwierig. Das käme für mich sehr darauf an, wie nah sie mir steht. Wenn das auch eine enge Freundin wäre, mit der mich viel Vertrauen verbindet… ich glaube, ich würde das kaum aushalten. Ich muss auch gestehen: Ich bin eine miserable Lügnerin – kann weder lügen noch Lügen aushalten, und über schauspielerisches Talent verfüge ich leider auch nicht.
Ergo: Ich müsste mich irgendwann entscheiden, ob ich ehrlich bin – oder mich auch da zurückziehe. Beides schwer.
Ich beneide dich wirklich nicht um diese Lage. Du hockst da ja quasi als Mitwisserin mit in einem Schlamassel, den andere verursacht haben – einfach, weil sie beschlossen haben, den Mantel des Schweigens darüber zu legen… und dich damit in eine Zwickmühle manövriert haben, ohne dich wirklich zu fragen.
Weißt du – ich lese aus deinen Zeilen ganz viel innere Klarheit und Haltung heraus – und auch den Schmerz, der entsteht, wenn man jemanden eigentlich sehr mag, aber plötzlich das Gefühl hat, dass man nicht mehr dieselbe Sprache spricht, wenn es um grundlegende Werte geht.
Ich glaube, du hast viel gegeben – in der Freundschaft und in deinem Bemühen, ehrlich und klar zu bleiben. Und manchmal ist das vielleicht das Einzige, was man tun kann: bei sich selbst bleiben. Und dem anderen zutrauen, seinen eigenen Weg zu finden – selbst wenn das bedeutet, dass man sich nicht mehr wirklich nahe ist.
Fühl dich von mir liebevoll
🤗 .