Jan_
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Ich lese einige Zeit still mit, jetzt wollte ich einmal selbst in meiner Situation um Rat fragen, vielen lieben Dank.
Ich bin 25 und meine Freundin 23 Jahre alt, sind seit 7 Jahren zusammen. Davon seit 1,5 Jahren verlobt. Es ist und war immer alles perfekt, abgesehen von den üblichen Alltagsquerelen die ab und an auftreten, wir wohnen seit 3 Jahren zusammen. Jetzt sagte sie mir aus dem nichts, dass sie für 2,3 Wochen Abstand braucht.
Zur Situation:
An Weihnachten hat sie mir wieder einmal eine lange Karte geschrieben, dass sie mich über alles liebt, ich die Liebe ihres Lebens sei und sie einfach überglücklich mit mir ist. Außerdem (und das ist für sie wirklich ein großer Liebesbeweis) hat sie mir erstmals etwas vorgesungen. Sie kann wirklich sehr gut singen, ist aber ein schüchterner Mensch und hat sich das noch nie vor Leuten getraut. Sie sagte, sie könne das nur vor mir, weil sie diese Verbindung zu mir hat und sich nur mir so öffnen könne.
Auch in den Tagen danach alles unverändert. Sie ist ein sehr anhänglicher Mensch, kuschelt gerne und möchte nachts gar nicht aus meinem Arm raus.
Sie hat unverändert die Nähe gesucht, wir sagen uns täglich wie sehr wir uns lieben und wie glücklich wir sind.
Nur 3 Tage vor Tag X habe ich ihr erneut bei Mathe geholfen, sie hat ein Studium angefangen bei dem ich sie tatkräftig unterstütze. Sie zweifelt häufig an sich selbst und ich ermutige sie immer wieder dran zu bleiben und an sich zu glauben. Sie sagte mir wie wahnsinnig anziehend sie das findet dass ich da so fit bin und ihr diese Unterstützung geben kann.
Generell bin ich ihr Anker, ich habe sie schon aus vielen dunkeln Zeiten geholt, sie sagt mir bis heute, dass sie nicht wüsste, ob sie heute noch leben würde, wenn sie mich nicht hätte. In den übrigen Tagen vor Tag X alles genau so unverändert. Morgens weckte sie mich mit Sex, wir kuschelten lange im Bett.
Am Tag vor Tag X hatte ich Geburtstag, auch dieser war wunderschön, sie machte mir ein tolles Geschenk, hat mir muffins gebacken. Abends und nachts im Bett wie immer gekuschelt.
Dann der nächste morgen:
Aus dem nichts meinte sie wir müssen reden. Ihr würde die Decke auf den Kopf fallen, es wird ihr alles zu viel im Moment da wir durch den Lockdown 24/7 in unserer Wohnung sitzen und kaum Ventile haben, wie weggehen, essen gehen etc. Wir haben durch Corona beide online Vorlesungen und sind daher dauerhaft in der Wohnung. Ich bekam in dem Gespräch Panik, habe direkt gefragt ob sie sich trennen will (vielleicht ein Fehler). Das Gespräch schaukelte sich hoch und sie sagte irgendwann, dass sie Zeit braucht um einmal zu sich zu finden, sich mit sich selbst auseinander zu setzen da sie seitdem sie 16 ist nie wirklich einmal alleine für sich war. Sie möchte nun 3 Wochen Abstand und eine Kontaktsperre. Sie sagte wiederholt, dass sich an ihren Gefühlen nichts verändert hat, sie mich genau so liebt und weiß dass sie so etwas und so jemanden niemehr finden würde, aber sie kann mir nicht versprechen wie es nach den 3 Wochen aussieht. Sie sagt, durch den Lockdown fehle ihr das Gefühl, mich zu vermissen, das möchte sie nun wieder für sich herausfinden.
Es ist alles so paradox, vor 2 Wochen sagte sie noch, dass eine Welt für sie zusammenbrechen würde und sie monatelang Amok laufen würde, wenn ich mich eines Tages von ihr trennen würde. Wir kamen auf das Thema, weil eine gute Freundin von ihr derzeit eine Trennung durchmacht, und meine Freundin sich täglich damit auseinander setzt. Nun sagte meine Freundin sogar, dass sie ihre Freundin nun teilweise um ihre Freiheit beneide.
Es ist alles so unfassbar surreal, aus heiterem Himmel. Bei anderen Trennungen aus dem Umfeld zeichnete sich sowas über einen längeren Zeitraum ab, der Partner distanziert sich, wird kühler. Aber bei ihr war davon absolut nichts zu vernehmen, ich lese mir wiederholt unsere WhatsApp Konversationen der letzten Tage durch, auch hier schrieb sie so süß wie immer. Erst kürzlich hat sie einmal wieder nach Hochzeitslocations geschaut und mir gezeigt wie sie gerne heiraten würde. Den Antrag habe ich ihr letztes Jahr im Urlaub gemacht, sie war überglücklich.
Ich kann nicht glauben, dass es das gewesen sein soll. 7 Jahre wir haben so viel zusammen durchgemacht, ich stand ihr bei Todesfällen in ihrer Familie zur Seite, sie sagt immer wieder dass ich ihr Halt bin. Nicht nur die große Liebe sondern auch ihr bester Freund und Seelenverwandter. Wir passen zusammen wie die Faust aufs Auge, sind auf einer Wellenlänge, haben gemeinsame Hobbys und Interessen. Wir haben sogar unsere eigene "Sprache" bei der wir alle möglichen Begriffe verniedlichen, das klingt kitschig, ist es wohl auch, aber es war so unser Ding.
Ich hoffe dass sie einfach nur etwas Torschlusspanik hat, dass es eine Phase ist in der sie sich einfach mal mit sich selbst beschäftigt. Ich hoffe dass sie mich nicht aus ihrem Leben streicht. Sie sagt selbst, dass sie diese Entscheidung eines Tages bitter bereuen würde, aber sie Angst hat, dass mit 23 Jahren ihre Zukunft vorherbestimmt sei. Es ist so paradox, da sie bis zu diesem Tag immer wieder sagte, dass sie so froh um die Sicherheit ist, die ihr unsere Beziehung gibt. Ich stehe kurz vor dem Studienabschluss (Ingenieur) und habe vorher eine Ausbildung gemacht. Immer wieder sagte sie, was für eine riesen Achtung sie davor habe, wie ich das alles durchziehe und einer sorgenfreien Zukunft damit nichts im Wege stehe.
Ihre beste Freundin meint nun zu mir sie braucht einfach Zeit, es wurde ihr alles ein bisschen viel. Corona hat vieles auf den Kopf gestellt. Ich gebe ihr nun die 3 Wochen und werde keinerlei Kontakt suchen. Ich hoffe sie merkt, dass ihr etwas fehlt und sie mich vermisst. Von 100 auf 0 wurde mir das vors Gesicht getreten. Es ist so hart.
Wie sehr ihr das ganze, hat jemand so etwas ähnliches erlebt?
Vielen lieben Dank, an jeden der bisher gelesen hat und vielleicht ein paar Worte schreibt