Zitat von Ricky:Was ist das mit Dir und Else Kling?
Ein Bild, mit dem jeder deutsche Fernsehzuschauer etwas anzufangen weiß, ohne daß ich groß ausführen muß, was gemeint ist. Spart Zeit und Zeilen hier.
Zitat:Es wird dich nicht jeder automatisch "zu Recht" für die Tratschtante halten. Das ist genau so eine Kausalzusammenhang, wie das was Du ankreidest. Du kannst auch als Mensch mit Prinzipien gesehen werden.
Ich kann verstehen, wenn jemand seinen Nachbarn anzeigt, weil er mitbekommen hat, daß der seine Kinder prügelt oder in einer total verwahrlosten Wohnung mit ihnen haust oder beides. Das verstößt gegen das
Gesetz und hier ist Einmischung in der Tat
angebracht - auch wenn ich mit der betreffenden Familie im gleichen Haus lebe und ihren Mitgliedern persönlich
nicht nahestehe.
Was ich hingegen nicht verstehe ist, wie man eigene Moralvorstellungen zum Anlaß nehmen kann, sich ungebeten in das Privatleben von Menschen einzumischen, für die man keinerlei soziale Verantwortung trägt, da sie volljährig und Fremde sind. Für mich deutet derlei soziale Kontrolle auf einen intoleranten Charakter hin, der missionarischen Eifer entwickelt, wo dezente Diskretion angebrachter wäre, denn sie ist in ihrem Kern von einer Übergriffigkeit geprägt, die zumindest mich einfach nur anwidert.
Möglich, daß so ein Verhalten auf andere Menschen anders wirkt als auf mich und sie darin einen "Menschen mit Prinzipien" sehen, wie Du schreibst. In mir kommen dabei jedenfalls sofort ganz andere Bilder hoch - das von Else Kling ist noch vergleichsweise harmlos dabei.
Zitat:"Womöglich". Im Konjunktiv lebt sich's schwer.
Überhaupt nicht. Ich denke meine Entscheidungen eben erst zuende, bevor ich sie treffe. Hat mir über nun schon 32 Jahre Erwachsensein viel Ärger erspart, wie ich im Vergleich zu anderen regelmässig feststellen darf.
Zitat:Es verstößt auch nicht gegen das Gesetz seinen Partner schei. zu behandeln auf Dauer und trotzdem sorgen sich Leute dann um die andere Person und reden mal darüber. Das wäre dann genau so ein Eingriff in die Privatsphäre aufgrund von Mitleid.
Ja, unter Menschen, die einander nahestehen ist das so üblich. Aber was gehen mich wildfremde Leute an? Wir reden hier ja wohlgemerkt nicht von illegalen Handlungen wie Schwarzarbeit oder Kindesmißbrauch, sondern von dem, was zwei freie, mündige Bürger einander im Rahmen ihrer Ehe (vermeintlich) antun. Welchen konkreten Schaden gilt es denn da für die Allgemeinheit zu verhindern - in einem Land, wo Seitensprungagenturen offen für ihr Geschäft werben dürfen?
Zitat:Zitat von Blanca:Ich meine ja nur, so als hochbesorgte, proaktive Bürgerin...
Oder als solche, die sich einen Dreck um den Rest schert...?!
"Die Leute sind wirklich erstaunlich: Sie
erwarten einfach, daß
man sich für
sie interessiert."
(Jules Renard)
Zitat:Das Wort "Petze" hat einen klaren und eindeutigen Bereich. Es geht darum, dass irgendjemand aus moralischen oder gesetzlich festgelegten Regeln sich nicht an diese hält, wird dann verpfiffen und dann kommt das Wort von wem? Von denen, die die Regel auch als sinnvoll erachten? Von denen, die sich daran halten? Nein. Es kommt von solchen, die keinen Bock auf Bestrafung haben.
"Richtet nicht, auf das Ihr nicht gerichtet werdet"
"Mein ist die Rache, spricht der Herr"
Das kommt aus keinem geringeren Buch als der Bibel.
Zitat:Und das wurde seit Jahren damit gleichgesetzt zu sagen, man könne zusammen Pferde stehlen oder sonst was.
Ich sehe kein Problem darin, Nachbarn zu haben, die fremdgehen.
Ich sehe kein Problem darin, beruflich mit jemand zu kooperieren, der privat fremdgeht.
Ich sehe auch kein Problem darin, mit jemand befreundet zu sein, der fremdgeht - solange er nicht von mir erwartet, mit ihm, seiner Affaire und der Ehefrau gemeinsam am gleichen Tisch zu sitzen und mir nichts anmerken zu lassen. Allein an dieser Einschränkung sind im Lauf der Jahre bereits zwei gute Freundschaften zerbrochen.
Für mich ist das eine reine Kommunikationsfrage. Ich teile Freunden meist schon im Anfangsstadium mit, daß für mich Intimes intim und daher kein Gesprächsthema ist. Wenn ich Ratschläge in Sachen Sexualität brauche, so finde ich sie in Foren oder suche mir professionelle Literatur und Hilfe, aber Freunde belaste ich damit nicht und umgekehrt erwarte ich das genauso. Wenn einer meiner Freunde fremdgehen sollte, so weiß ich es also nicht und kann insofern auch seiner Partnerin offen gegenübertreten. Alles andere brächte mich in Gewissensnöte und würde mich dazu bringen, den Kontakt aufzugeben.
Mag sein, daß das für manche "zuwenig Nähe" ist, aber ich bin damit über die Jahre wirklich gut gefahren und außerdem zwinge ich ja niemand, mit mir befreundet zu sein. Ich bin relativ sicher, daß unter meinen Freunden oder Verwandten auch Fremdgänger sein werden, aber nichts Konkretes weiß ich nicht und verlieren möchte ich sie wegen sowas nicht, also bleibt das Thema außen vor. Witzigerweise empfinden das viele Menschen im realen Leben als stockkonservativ, während jemand wie Du mich hier im Forum nun umgekehrt in die geistige Nähe notorischer Fremdänger rückt deswegen.
Aber so ist das Leben nun mal: Was dem reinen recht ist, erscheint dem anderen billig, oder so ähnlich.
Zitat:Und Leuten, die einen "verpetzen" könnte man nicht vertrauen.
Die Frage ist doch, ob man wirklich jedem, der's nicht hören will, unbedingt alles von sich preisgeben muß oder manche Dinge nicht einfach lieber für sich behält, wenn man doch von vornherein weiß, daß derjenige damit nicht umgehen kann und es deshalb die komplette Freundschaft in Frage stellt.
Für mich ist das eine Frage der Dezenz, mehr nicht.
Zitat:Tatsächlich sind die Sinnvollen aber die, die für ihren schei. gerade stehen können. Sind die, die sich an die Regeln eben halten.
Was für Regeln und wer hat die gemacht?
Zeig mir doch mal das Gesetz, in dem geschrieben steht, daß man in diesem Land nicht fremdgehen darf.
Zitat:Das ist doch purer Selbstschutz - aus welchen Gründen auch immer.
Das ist zielorientiert, mehr nicht.
Zitat:Zitat von Blanca:Ich finde es weitaus angemessener, wenn man dem Fremdgänger irgendwann (innerlich) vergibt und ihn von da an nur noch bemitleiden kann, für seine Schwäche - sofern man überhaupt noch Gedanken an ihn verschwendet.
Ah, also geht es um eine Machtposition. "Du bist so erbärmlich. Wie gut, dass ich besser bin als Du." Ok...
Nein, es geht um das Wiedergewinnen innerer Gelassenheit dabei und darum, sich auf das zu konzentrieren, was wichtig ist und das sind Gegenwart und Zukunft, wohingegen die Vergangenheit nur noch eine Erinnerung ist und bleibt.
Zitat:So, wie Du auf das Thema eingehst, gibt es für Dich eindeutig ein "richtig" und ein "falsch".
Ich bin nicht die einzige, die hier sehr intensiv auf das Thema eingeht und ja:
Natürlich habe ich meine eigene Meinung dazu, die ich hier auch vertrete, solange mir die Reaktionen darauf interessant genug erscheinen, sich damit auseinanderzusetzen.