Kuraina
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Habe hier viel gelesen. Mir das Mantra "Taten sagen mehr als Worte" vorgebetet.
Das war unser ewiges Thema. Die Taten, die nicht kamen, nicht von ihm. Das war von Anfang an unser Thema.
Ich glaube schon, dass er mich geliebt hat.
Und ich glaube auch, dass die Trennung ihn getroffen hat.
Aber ich glaube eben auch, dass sich an unserer Situation, an unseren Problemen, nichts geändert hätte, weil er dafür etwas hätte tun müssen.
Ich verstehe also, warum es ist, wie es ist.
Was mich umtreibt ist die Frage, warum ER so ist, wie er ist. Er ist nicht glücklich damit. War es wohl nie.
Ich war perfekt für ihn, sagt er, und dennoch, keine seiner Taten, nicht vor und nicht nach der Trennung, passt zu dieser Aussage. Ich bin niemand, der unrealistische Heldentaten erwartet. Aber Engagement. Von ihm kam nichts. Rein gar nichts.
Ich finde es immer noch schwer, mich von der Vorstellung zu lösen, wenn er irgendwas getan hätte, wären wir noch zusammen.
Es war seine Entscheidung, nichts zu tun. Es war seine Entscheidung, zuzulassen, dass mir die Puste ausging.
Erklären kann er es mir nicht. Verstehen würde ich es wohl ohnehin nicht.
Ich glaube, mein großes Problem ist das erschütterte Vertrauen. Ich hatte ihn und ich dachte, er sei der Eine.
Und dann lese ich hier still in Themen mit, von Frauen, die viel älter und klüger sind als ich und deren Männer viel mutiger und sicherer sind, als er. Und dann denke ich "Ja... genau das hätte ich mir für uns gewünscht." - Wir waren immer das Paar, das mit Probleme umgehen konnte. Dachte ich.
Es war wohl ein Trugschluss. Und es bringt überhaupt nichts, Entschuldigungen für sein Verhalten in seinen psychischen Problemen zu suchen - denn auch, dass er diese Probleme nicht angeht, ist eine Entscheidung. Taten sagen mehr als Worte.
Und dann ist da mein Neuer. Ich schätze so viel an ihm. Vor allem das, was mein Ex nicht konnte. Taten. Mein Neuer ist ein Macher. Es klingt so stereotyp, wenn ich von einem 'richtigen Mann' spreche, aber vergleiche ich meinen psychisch labilen, androgynen, extrem schüchternen und unsicheren Ex, der im Bad doppelt so lang braucht wie ich, noch mehr Angst vor Spinnen hat als ich, nicht mal eine Bohrmaschine bedienen kann, Einkaufswagen oder Haltestangen im Bus aus Ekel nicht anfassen will, seit 7 Jahren keinen Fuß im Berufsleben fassen kann und mehr Ahnung von Make-Up hat, als ich, mit meinem neuen, der kräftig gebaut ist, aber auch Sport macht, einen soliden Lebenslauf hat, handwerkliches Geschick, keine Angst, sich auch mal schmutzig zu machen, der mich mühelos hochheben und tragen kann, der sich jederzeit vor mich stellen würde, dann gibt es da schon gewisse Unterschiede.
Das klingt jetzt sehr negativ. Aber realistisch gesehen hatte ich in meiner letzten Beziehung eben die Hosen an. Ich war der Macher, ich war die Selbstbewusste, ich habe die Pläne in die Hand genommen.
Natürlich hat mein Ex auch gute Seiten. Intellektuell waren die Gespräche mit ihm immer auf einem angenehmen Niveau, Politik konnten wir leidenschaftlich diskutieren und auch sonst waren wir einfach sehr harmonisch. Durch seine lösungsorientierte, ruhige Art gab es nur selten Streit und wenn, konnten wir - fast - immer Kompromisse finden.
Das fehlt mir bei meinem neuen dann schon ein bisschen.
Es gibt da so ein Lied von Alligathoa. (Oder wie immer er sich schreibt) Der Text ist ziemlich ironisch, der erste Teil vom Refrain fängt meine Gedanken aber ganz gut ein.
Schatz, es tut mir so leid
Du bist nur der Trostpreis
Und immer, wenn der Mond scheint
Denk' ich, da is' noch Luft nach oben
Ich kann mir mit meinem Neuen einfach keine wirklich ernste Zukunft vorstellen. Mit meinem Ex ging das, wohl auch, weil ich einen Großteil der Kontrolle hatte. Finanziell, aber auch in Fragen der Kindererziehung. Ich habe mir immer vorgestellt, dass wir viele Reisen unternehmen, uns irgendwann ein kleines Haus mit Garten zurechtmachen und dann alles läuft. Kuschelige Abende vorm Kamin. Gesellige Abende mit wenigen guten Freunden.
Natürlich könnte man hier ins Feld führen, dass das auch auf Desinteresse seinerseits begründet ist - mag sogar stimmen - ändert nichts daran, dass diese Aussicht sich sicher und beständig angefühlt hat.
Mit meinem Neuen hingegen könnte ich mir ein Zusammenleben zwar wirklich gut vorstellen, er hilft im Haushalt selbstverständlich mit, obwohl es meine Wohnung ist, wenn er bei mir ist, er gestaltet mit (Kredo meines Ex war: "Ist doch deine Wohnung.")...
Aber sobald ich an Kinder denke, blockiert alles in mir. Sobald ich dran denke, wie unsere Wochenenden werden, wenn wir mal 30, 40, 50 sind.... Das kann ich mir mit ihm überhaupt nicht vorstellen.
In der Realität ist es so, dass ich mit meinem Neuen in kürzester Zeit weit mehr Roadtrips gemacht habe, als mit meinem Ex. Er ist aufgeschlossener, macht selbst Vorschläge, plant aktiv mit.
Ich habe mich in einer Illusion verrannt von einer Zukunft, die mir gut schien. Geordnet. Ruhig. Sicher.
Ich mag Sicherheit, Beständigkeit.
Ich sehe ja selbst, dass das mit meinem Ex niemals funktioniert hätte.
Bin ich da zu verkopft? Natürlich bin ich das. Mit meinem Neuen passt es in vielen Belangen. Aber nicht in allen. Es hakt hier und dort.
Ich vermisse ihn, wenn er nicht da ist. Ich genieße die Zeit, wenn er da ist. Ich genieße den Freiraum und die Ausgewogenheit zwischen Zweisamkeit und Geselligkeit. Ich mag seine Freunde und seine Familie.
Ich fühle mich geborgen bei ihm und habe das Gefühl, mich nicht mehr ständig um alles kümmern zu müssen. Gleichzeitig engt er mich aber auch nicht ein und reißt die Kontrolle komplett an sich.
Und trotzdem. Da ist noch Luft nach oben. So fühlt es sich an. Immer noch.
Und wieder schleicht sich das Gefühl ein, dass ich ihn freigeben muss, damit wir beide die Chance haben, einen Partner zu finden, bei dem es passt.
Dann wieder denke ich, dass ich zu ungeduldig bin. Dem ganzen Zeit geben sollte.
Ich glaube, ich sehne mich auch danach, richtig verliebt zu sein. Das konnte ich mit meinem Neuen wegen all der Altlasten mit meinem Ex überhaupt nicht genießen. Habe alles hinterfragt. Hatte Angst. War hin und her gerissen. Und eigentlich wollte ich doch eine Weile frei sein, für mich bleiben.
Frei sein. Als wäre ich jetzt gefangen. Daher auch diese Regelung, dass ich die Beziehung verschweigen kann.
Und vielleicht ist es einfach so, dass ich zu weit im Voraus planen will. Mein Neuer wird sich noch verändern. Ich auch. Wenn es heute mit Kindern nicht passt, wer sagt, dass das in 5 Jahren noch so ist?
Ich führe einen Kampf in Gedanken, ob das, was ich tu wirklich richtig ist.
Ich sehe die glücklichen Beziehungen meiner Freundinnen und ich merke, dass das, was die beiden haben, etwas ist, was mit meinem Ex nie, niemals funktioniert hätte. Und ich sehe, dass das, was die beiden derzeit haben, etwas ist, was auch mit meinem Neuen funktionieren kann.
Und dann denke ich mir, dass ich eben zu weit im Voraus plane. Im Grunde ist das, was ich jetzt, in der Gegenwart habe, genau das, was ich jetzt, im Hier und Jetzt, auch haben möchte.
Aber wie löse ich mich von den ständigen Gedanken an die Zukunft?

