Zitat von scallisia:
Ich bin da ganz bei dir. So war es auch bei uns. Aber warum hat man diese Dissonanzen nicht wahrgenommen bzw. auch als Warnung gesehen, dass es nicht passt? Letztendlich wird es wohl die Gewohnheit gewesen sein und die Angst einen wichtigen Menschen zu verlieren.
Bei uns war es wohl hauptsächlich die Angst. Grade bei meinem Ex, der ja (krankheitsbedingt oder nicht, vollkommen egal) Routine über alles liebt und mir, die ich starke Verlustängste habe. Deshalb haben wir es auf die Freundschaftsschiene versucht, konnten beide nicht sagen, dass es das jetzt eben war... den Menschen, der fast die Hälfte unseres Lebens immer irgendwie präsent war, zu verlieren, das kam uns beiden wohl unglaublich erschreckend vor.
Manchmal frage ich mich, ob etwas mehr Abstand das Ganze vielleicht doch noch hätte retten können.
Aber dann denk ich, dass Madame Pute ja da schon ihre Finger im Spiel hatte - Abstand hätte den Prozess, dass er ihr Hampelmann und sie sein Fangirl wird, wohl bloß beschleunigt.
Ach, naja... hätte, hätte. Willkommen im Konjunktiv, hier könnte alles so schön sein.
Ich habe mir ein Bild erschaffen und er war mein Mr. Right darin. Ich hab all die Fehler und Macken und Probleme gekonnt ignoriert und klein geredet. Und ich war so gut darin, dass ich jetzt Probleme habe, zu akzeptieren, dass ich mich selbst belogen hab. Er war niemals Mr. Right - ich hab ihn bloß dazu gemacht. In meinem Kopf.
Zitat von scallisia:
Hast du dich selbst so empfunden? Schüchtern und introvertiert? Wie ist es jetzt? Ist Kuraina back? Zumindest in Teilen?
Interessanterweise ja. Ich hab das geglaubt, ich hab mich in Menschenmassen unwohl gefühlt. Mittlerweile glaube ich, dass seine Art wie ein Spiegel funktioniert hat. Er hat sich unwohl gefühlt und ich habe das auf mich selbst projiziert. Habe sein Unwohlsein gespürt und uns beide dann von solchen Situationen ferngehalten. Mir gings gut, wenn es ihm gut ging. Es hat lange Zeit gereicht.
Ich bin noch am austarieren, wie ich ohne diesen Spiegel bin. Ich finde grade erst raus, was ich mag und was nicht, in welchem Rahmen und all das... Aber ich glaube, dieser Teil von mir war niemals weg. Derzeit teste ich viele Grenzen aus. Ist auch ein spannender Prozess.
Zitat von scallisia: "Madame Pute" finde ich toll!

Auch da bin ich voll bei dir. Aber du musst es auch mal so sehen: dass sie nichts ändern und "einfach" weiter machen, bedeutet aber auch, dass sie immer und immer wieder an den selben Punkt gelangen werden. Sie werden sich nicht hinterfragen, weil sie einfach nicht reflektieren (können). Und wenn dann so eine verkorkste Madame Pute um die Ecke huscht. Na toll! Ist doch schön! Dann können sie sich gegenseitig abends auf der Couch auf die nerven gehen und sich vollseiern. Die neue meines Ex ist ähnlich wie er, sie jault viel rum. Alles ist ungerecht und sie wäre immer die leidtragende. Ja! Schön! Dann passen sie doch perfekt zusammen! Sollen sie sich gegenseitig runterziehen, weil keiner von ihnen in der Lage ist den anderen aufzufangen. Super!
Oh ja... die Anderen, immer die Anderen!
Ich seh das richtig schön vor mir. Madame Pute mit ihrem Freund, ihrer 'besten Freundin' und mein Ex, alle sitzen sie auf dem Sofa und die Welt ist so ungerecht, aber sie sind die gut, mittellos und Dro.abhängig, ohne Job und ohne Freunde, sie, die 'edgys'. Der Bodensatz der Gesellschaft, über alles erhaben.
Und wärs nicht so traurig, könnte ich drüber lachen.
Die verdienen einander, sicher.
Aber ich hab ihm immer gewünscht, dass er glücklich wird. Und so, kann man so glücklich sein? Ich bilde mir ein, die Menschen gut genug zu kennen, um zu wissen, dass diese ganze Show eben nichts weiter ist als Show, um sich vor sich selbst zu schützen und sich seinen Kummer schön zu reden.
Zitat von scallisia:
Du brauchst in erster Linie einen Partner, der dir gut tut. Bei dem du dich fallen lassen kannst. Der für die da ist, dich aber nicht einengt. Es muss sich einfach gut anfühlen bei ihm zu sein.
Zitat von scallisia:
Wenn du es nur versuchst, es aber eigentlich anzweifelst, ist es nicht fair. Steht aber dein Herz dahinter und fühlst du dich wohl, dann mach. Lass es einfach auf die zukommen. Aber eines musst du mir versprechen und das ist auch ein Versprechen an mich selbst: Gehe nie wieder aus falschen Gefühlen und mit Zweifeln eine so lange Beziehung ein. Damit meine ich nicht die ersten Zweifel am Anfang. Aber solltest du fühlen, dass das eigentlich nicht das Richtige ist und das ist was du willst, ziehe die Reißleine. Ansonsten werden wir wieder so enden wie jetzt.
Schön gesagt
Da ist für mich wohl die Frage, wann sind die Gefühle die falschen?
Ich bin da irgendwie so reingerutscht, ohne es wirklich zu wollen, hab von Anfang an gezweifelt und hinterfrage es regelmäßig. Derzeit verfolge ich eben die Taktik "Mal schauen was wird, wenn ich wieder richtig lebe."
Die Reißleine in meiner letzten Beziehung hab ich vielleicht zu spät gezogen. Aber das war der jugendliche Leichtsinn. Ich wollte weg von zuhause, ohne ihn, ohne einen Grund, hätte ich den Schritt vielleicht nicht gewagt. Ich habe viele Erfahrungen gemacht, vollkommen unabhängig von ihm, denn er hat ja nur existiert, ich hingegen lebe.
Diese Erfahrungen gemacht zu haben, empfinde ich als wertvoll und bereichernd. All die Schritte, die ich gewagt habe, haben mich weiter gebracht.
Wie es mir derzeit geht, ist nicht schön. Und ich hätte es mir anders gewünscht. Aber rückblickend frage ich mich, welche Optionen ich gehabt hätte und wenn ich ehrlich bin... es gab keine.
Ich hatte Zweifel, zu ihm zu ziehen. Gleichzeitig stand außer Frage, dass ich diese Stadt hinter mir lassen wollte. Wäre ich mit 18 alleine in eine fremde Stadt gezogen, ohne irgendjemanden zu kennen? Ich bezweifle es.
Als sich der Job als Horror rausgestellt hat und klar war, dass ich hinwerfe, wäre ich wieder nach Hause gezogen? - Auf keinen Fall.
Realistisch betrachtet, war der Zeitpunkt der einzig logische. Das ganze Nachspiel war unnötig, sicher.
Das ist die Lehre, die ich daraus ziehe. Eine von vielen, ich nehme so vieles mit.
Und ich sollte mir selbst dankbar sein dafür, nicht ihm.
Unterm Strich bleibt Melancholie, die ich einfach nicht abschütteln kann.
Melancholie und verletzter Stolz und Illusionen, die ich selbst geschaffen habe. Ich möchte gerne glauben, dass diese Melancholie geht, wenn die Uni beginnt und ich hier Freunde gefunden habe, wenn ich in diese Hülle, die mir zu groß ist, richtig reingewachsen bin. Wenn ich wirklich sagen kann, dass die Entscheidung die richtige war, wenn meine Ängste und Zweifel sich auflösen.
Ich glaube, auch das gehört dazu. Die Angst, vor dem Unbekannten. Vielleicht ist das damit gemeint, dass die Zeit alle Wunden heilt. Meh, ich bin grad in einer ganz ekligen Stimmung :s