hey ihr beiden!
es macht mir unglaublich mut zu wissen, daß es doch ein paar mehr menschen gibt, die in einer sehr ähnlichen situation sind, wie ich.
auch wenn die entscheidung in meinem fall gefallen ist und ich dagegen machtlos bin. ich kann es nur akzeptieren, auch wenn ich denke, daß ich so einen menschen wie ihn nicht wieder finden werde...
sollte ich kämpfen? er hat sich entschieden. er weiß, daß ich ihn liebe. wenn er damit leben kann, dann muß ich das auch. wenn er mit seiner entscheidung glücklich ist, dann werde ich das auch irgendwann sein, denn wenn ich nicht diejenige bin, wegen der er aus seinem leben ausbricht, dann müssen ihn seine frau und kinder glücklicher machen, als ich es je könnte. und im grunde meines herzens möchte ich ihn glücklich sehen, auch wenn mir das jetzt noch sehr schwer fällt..
bei mir kann es leider auch nichts anderes als liebe gewesen sein, weil ich eigentlich gerne alleine bin. ich genieße die abende mit mir und meinen tieren (habe ein paar meerschweine

). das war vor ihm so und momentan befinde ich mich auch wieder auf einem guten weg dahin.
ich habe leider ein wenig mit einer panikerkrankung zu tun. daher wollte ich auch alleine bleiben und mich um mich kümmern, weil ich sonst einfach keinen job der welt ausüben könnte und er hat mir gehörig dazwischen gefunkt. das schlimme war, daß ich ihn in solch schlimmen situationen neben mir akzeptiert habe. das habe ich noch nie. da möchte ich niemanden in meiner nähe wissen.
ich hab gerade in einem tollen thread gelesen. "ist es liebe oder angst vor dem alleinsein?" oder so heißt der. der regt einen sehr zum nachdenken an.
es ist mir eigentlich klar, daß mein ex wahnsinnige angst hat, sein gewohntes leben aufzugeben und mich deswegen hat gehen lassen. es ist ein großer schritt. und er würde seine kinder auch nicht mehr jeden tag sehen können. aber ich denke auf kurz oder lang hat er keine andere wahl.
ich habe immer viele varianten durchgespielt. und ich stimme dir zu navajo, daß es auch nach einer trennung und einem auszug für uns sehr schwer geworden wäre. immer die frage, ob man sich richtig entschieden hat, weil das leben vorher ja eigentlich ganz ok und bequem war. aber will man das wirklich bis zum ende seines lebens? nur ein leben, das ok ist?
ständig die frage: habe ich mich richtig entschieden? bin ich gerade dabei, den fehler meines lebens zu begehen?
aber ich denke, wenn man erstmal konkret über eine trennung nachdenkt, dann kann das nicht so falsch sein, sonst würde man diese möglichkeit nie in erwägung ziehen. er hat ja auch schon über scheidung nachgedacht. sich erkundigt. das macht man nicht, wenn das leben, das man führt sich richtig anfühlt.
die andere frage ist: wenn die kinder groß sind und aus dem haus - was macht man dann? man hat in der ehe gut funktioniert zusammen - wahrscheinlich auch hauptsächlich der kinder wegen. ich habe das bei ihm gesehen. am wochenende zum fußball, schulaufführungen besuchen etc. man streitet nicht vor den kindern und wenn man dann zeit hätte, dann hat man entweder nicht mehr die kraft oder hat sogar schon längst vergessen, was einem nicht gepaßt hat. und so hat er sich immer mehr abgekapselt von seiner frau. ist abends lange am computer und seine frau schläft schon. was ist das für ein leben?
und was wird daraus, wenn eben die lebensaufgabe, die kinder, die fürsorge nicht mehr benötigen? keinen fahrdienst mehr? keine mittagessen? ausziehen und studieren?
schaut man sich dann zum ersten mal seit jahrzehnten wieder an und bemerkt - wer ist das eigentlich neben mir? ist man dann erst ehrlich zu sich selbst? gezwungenermaßen, weil eben der alltag ruhiger geworden ist? macht man sich selbst vorwürfe? weil das leben schon weit voran geschritten ist und man sich selbst vergessen hat? oder macht man dem anderen vorwürfe?
ich denke jeder hat ein bauchgefühl. und dieses meldet sich stetig. und wenn man in seinem zuhause, bei seiner familie immer dieses ungute gefühl hat, dann sollte man genau nachdenken, ob man wirklich dieses leben führen will. erst recht, wenn man eine gewaltige liebe gefunden hat.
natürlich bleiben die meisten menschen in ihren gewohnheiten und werden erst wachgerüttelt, wenn sie einen konkreten anlaß zum ausbrechen bekommen - wie einen partner, der in einem gefühle weckt, die man vorher nicht mal kannte. aber das ist ja eigentlich nur ein auslöser für etwas, das schon lange gefehlt hat und nun in jemandem gefunden wurde.
wer glücklich und zufrieden ist, der kann nichts so sehr vermissen, daß er dafür sein gewohntes leben aufgeben würde. dafür ist der mensch an sich wahrscheinlich zu bequem. wer einen solchen schritt in erwägung zieht und dann auch tatsächlich geht, der hat sich unbewußt schon viel länger damit befaßt. und hat sich unbewußt auch schon auf die suche begeben. sonst hätten die heimlichen partner niemals eine chance gehabt, in solchen maßen in die ehen einzubrechen.
ich denke beide wege sind schwer. zu bleiben und sich ständig zu fragen, ob man die chance seines lebens vertut oder zu gehen in eine ungewisse zukunft und die sicherheit und die gewohnheit hinter sich zu lassen.
ich wünsche euch beiden viel kraft auf euren wegen!
@kamo
du mußt dich auch nicht zu einer entscheidung drängen! nimm dir alle zeit der welt und warte auch ruhig ab, bis es dir ein wenig besser geht. niemand stellt dir eine uhr, die abläuft. dein freund hat sich zwar entschieden, aber vielleicht sieht sein leben in naher oder ferner zukunft anders aus. bis dahin mußt du aber wieder mit dir selbst im reinen sein und wieder kraft gefunden haben. und dein leben so gestaltet haben, als hättet ihr nie mehr eine chance.
warte dieses tiefe tal ab. komm zur ruhe. nur dann kannst du klare gedanken fassen und dich mit deiner ehe auseinander setzen und deiner zukunft.
gib deinem schmerz und deiner trauer raum, wenn du zB alleine bist. dann weißt du - zu dieser tageszeit kannst du dich deiner verzweifelung hingeben und stehst dadurch vielleicht die zeit mit deinen kindern besser durch und mußt keine angst haben, jeden moment in tränen auszubrechen.
die zeit heilt, aber sie rennt nicht. leider.