Zitat von Schlurfi2020:Der emotionale Schaden durch eine Affäre ist nicht viel anders wie wenn man einen Korb bekommen hat, sich ein Objekt der Begierde für einen anderen Menschen entschieden hat usw.
Zitat von NurBen:Wenn meine Frau ein halbes Jahr ein Doppelleben führt, ist es ein ganz anderes Kaliber, als wenn mir irgendeine Durchschnitts-Gabi einen Korb verpasst.
Zitat von Schlurfi2020:Ich betrachte es rein ergebnisorientiert, nicht bewertend hinsichtlich der Aktion, sondern des Ergebnisses. Bekommst Du einen Korb, ist die Frau Geschichte. Geht ein Partner eine Affäre ein, ist die Liebe und Treue in der Partnerschaft Geschichte. Bei beiden Fällen läuft es, wenn ich Dich wörtlich nehme, auf das gleiche hinaus: Die betreffende Frau wäre raus beziehungsweise Du wärest raus.
Der emotionale Schaden infolge einer Affaire ist IMO ein anderer, als der eines bloßen Korbs; das sehe ich genau wie Ben.
Ich kann nachvollziehen, daß in Deinem ganz speziellen Fall die Affaire nur noch der Tropfen war, der ein längst volles Fass endgültig zum Überlaufen brachte damals. Aber für andere Menschen geht der emotionale Schaden erheblich weiter, als sich "nur" von ihrem Partner zu trennen, die sind in ihrer Weltanschauung und dem Menschenbild, was sie mal hatten zutiefst erschüttert und bleiben den Rest ihres Lebens mißtrauisch gegenüber allem und jedem, lassen es womöglich auch am nächsten Partner (falls es überhaupt nochmal einen gibt - aber wem schreibe ich das?) dann aus oder werden auch anderen Menschen gegenüber schwierig.
So ein Ergebnis mußt Du mit einem bloßen Korb erst mal hinkriegen...
Zitat von Schlurfi2020:Eine Frau, mit der ich mal einen ONS hatte, redete sich nach dem erfolgten 6 ein, sie wäre ja nicht fremdgegangen, einmal zähle nicht.
Was solche Leute halt reden; gibt genug Männer, für die zählt ihr Puffbesuch nicht.
Bei Pippi Langstrumpf fand ich das ja noch süß:
"2 x 3 macht 4 Widdewiddewitt und Drei macht Neune!
Ich mach' mir die Welt Widdewidde wie sie mir gefällt ...."Bei einem erwachsenen Menschen mit Ehe- und / oder Familienverantwortung hingegen läßt so ein Spruch auf einen Mangel an Reife und Selbstbetrug schließen, der mich dann doch die Stirn krausziehen läßt.
Zitat von Schlurfi2020:ch glaube auch, ich kann gar nicht mehr "normale Beziehung". Die ist im Vergleich zu den Abenteuern wie eine Geschichte aus einer ganz anderen Welt. Wenn man mir das vor dreißig oder vierzig Jahren gesagt hätte, ich hätte die alle für verrückt gehalten. Jetzt ist es genau umgekehrt: Das Verrückte ist normal, das Normale verrückt geworden.
Ich will die Situation nicht schöner schildern, als sie ist. Aber wenn ich mir die Scheidungsstatistik betrachte, so ist das Glas wahlweise halb leer bzw. halb voll, aber sicher nicht ausgetrunken, weil: Fakt ist, daß nach wie vor jede zweite Ehe bestehen
bleibt. Hinzu kommen noch etliche Lebensgemeinschaften, die dasselbe auch ohne Trauschein
schaffen. Meines Erachtens leben wir in einer Zeit, wo es diverse Normalitäten gibt, was Lebensführung betrifft. Einen gesellschaftlichen Konsens dazu gibt es nicht (mehr), was "richtig" ("normal") und was "falsch" ("verrückt") ist, bzw. gefälligst zu sein hat. Willkommen in einer "bunten" Gesellschaft - auch, was Kontakte auf dem Fleischmarkt betrifft.
In Deinem Fall ist es so, daß Du in prekären materiellen Verhältnissen lebst, was schon mal den Rahmen für eine Lebenspartnerschaft erheblich beeinträchtigt - auch ohne daß potentielle Kandidatinnen sich einen Versorger erwarten. Das Thema wurde unter
hartz-iv-keine-chance-fuer-die-liebe-t61314.html bereits angeschnitten, daher steige ich hier jetzt nicht mehr tiefer darauf ein.
Nachdem Du Dich zudem über Jahre hinweg ausschließlich auf reine Bettgeschichten verlegt hast, bist Du natürlich mit soviel Leuten dieses Schlages in Berührung gekommen, daß die anderen Menschen da draußen, für die Partnerschaft eine Beziehungsform ist, die auf gegenseitiger Liebe, Achtung und Vertrauen gründet, aus Deinem Blickfeld schlicht geschwunden sind. Zumal diese anderen Menschen sich auch nicht auf 6-Börsen tummeln, sondern einfach irgendwo da draußen ihr Leben leben. Du kommst also weniger mit ihnen in Berührung wie vor 30 Jahren noch, was (D)eine Wahrnehmung entsprechend (um-)geprägt hat, die aber nicht unbedingt der Lebensrealität in unserer gesamten Republik entspricht.
Und dann kommt noch hinzu, daß seit Mitte der 1980er medial gezielt versucht wird, alle möglichen Aspekte des Intimlebens salonfähig zu machen - ich denke hier beispielsweise an SM-Praktiken: kaum eine Talkshow, in der damals nicht auch jemand auftrat, der sich darüber ausließ, als sei dies ebenso breit vertreten wie die Blümchen, der Missionar oder so (weißt schon). Oder an das Thema "Polyamorie": Silvio Wirth und Gattin Mara beispielsweise waren eine Zeitlang auffallend medienpräsent damit. Diese mediale Meinungsbildung wird mindestens so penetrant betrieben wie die in Sachen "Singles = defizitäre Wesen", über die ich mich bereits hier geäußert hatte:
singles-vom-leitbild-zum-sozialschmarotzer-t29591.html . Wer sich dem nicht ganz bewußt entzieht, der wird davon erfaßt - das ist menschlich und genau darauf zielt diese Meinungsmache auch ab. Inwieweit sie auch Deine ganz persönliche Wahrnehmung über die Zeit mitbeeinflußt hat, mußt Du für Dich selbst wissen. Es gehört inzwischen IMO eine Menge autarkes Denken und viel Selbstbewußtsein dazu, sich dem gezielt zu entziehen oder gar offen zu widersetzen.
Als ich Deine Zeilen las, fiel mir ein früherer Bekannter ein, der schon in den 1990ern beruflich viel in den GUS-Staaten und auch in Asien (Thailand, Philippinen) unterwegs war. Irgendwann kristallisierte sich heraus, daß er dort auch immer mehr Frauengeschichten am Laufen hatte, in welcher Form auch immer. Ich war selten bei ihm daheim zu Besuch, wir trafen uns meist nur 1-2x jährlich und gingen dann aus miteinander (alles rein platonisch). Aber als ich nach Jahren mal wieder zu ihm in die Wohnung kam, gingen wir auf dem Weg ins Wohnzimmer auch an seinem Schlafraum vorbei und da die Tür weit offen stand, bemerkte ich über seinem Bett ein riesiges Poster, auf dem eine völlig unbekleidete, blutjunge Asiatin abgebildet war (er war Single zu der Zeit). Ab da schwante mir, daß er über die Zeit sowas wie einen F..isch entwickelt hatte. Jahre zuvor hatte er mir noch ab und an (natürlich anonymisiert) von Liebeleien mit heimischen Frauen erzählt. Inzwischen ging es nur noch um Damen aus Fernost und das wunderte mich auch insofern nicht, als auch sein Geschäftspartner so drauf war; mein Bekannter berichtete, der Compagnon zeige sich inzwischen auch bei Geschäftsessen immer öfter mit "Thaibräuten".
Es war u.a. diese Art von Ausdrucksweise, die meinen inneren Rückzug von ihm beschleunigte. Letztlich ließ ich den Kontakt allerdings aus anderen Gründen einschlafen, die nicht hier ins Forum gehören und auch für Deinen Thread jetzt nichts zur Sache tun. Worauf ich mit diesem Exkurs hinaus will ist, daß dieser Bekannte - genau wie Du auch - sich über lange Zeit in eine bestimmte Richtung fortentwickelt hat: So wie er sich jetzt nicht mehr in deutschen, sondern durch asiatische Betten tummelt, so hast Du Dich weg von Partnerschaften hinein in ein Milieu manövriert, wo Menschen sich und andere bewußt auf Körperlichkeit reduzieren und die Liebe buchstäblich draußen vor der Tür stehen lassen - sie vielleicht sogar völlig negieren.
Es gibt Menschen, die lassen sich mal auf einen ONS oder eine Kurzaffaire ein und stellen dann für sich fest, daß das
nichts für sie ist. Umso mehr focussieren sie sich bei künftigen Begegnungen wieder darauf, daß eine Festbeziehung zumindest angestrebt wird (ob's dann klappt, ist ein anderer Kaffee und zeigt sich natürlich erst mit der Zeit - gemeint ist hier nur die innere Motivation). Dazwischen bleiben sie ganz
bei sich (= Single).
Und dann gibt es Menschen wie meinen Bekannten und Dich, die ganz andere Pfade
für sich entdecken und sie dann auch
gehen. Das macht etwas
mit ihnen, doch offenbar sehen sie darin kein Problem
für sich. Also gehen sie weiter auf diesem ihrem Weg, der sie immer weiter von ihrer früheren Welt fort- und tief hinein in eine eigene Welt hineinführt. Je länger sie das tun, desto mehr verändern
sie sich dabei; also nicht über Nacht, aber allmählich, Mal für Mal, Begegnung für Begegnung. Zugleich entfernen
sie sich immer weiter von ihrer alten Welt und den Menschen darin.
Irgenwann blicken sie dann zurück und stellen fest, daß sie tatsächlich ganz woanders angekommen sind. Ich schreibe das ganz bewußt so neutral, denn ich will es nicht werten: Wenn mein Ex-Bekannter sich mit seinen exotischen Erlebnissen wohlfühlt(e) oder Du Dich mit Deinen Bettgeschichten, dann ist das eben so; Ihr tut ja nichts Verbotenes. Stattdessen hättest Du Dich auch entschließen können, dem irdischen Leben zu entsagen und Mönch in einem wie auch immer gearteten Kloster zu werden. Was zählt ist, wie
Du Dich mit Deiner Entwicklung fühlst:
Bist Du mit Dir selbst im Reinen?
Geht es Dir auch wirklich gut damit?
Diese Entscheidung kannst nur Du selbst treffen. Du liest Dich, als hättest Du Dich in Deinem Post-Scheidungsleben auf eine Weise eingerichtet, die Dir eigentlich ganz gut gefällt - also davon abgesehen, daß Du Dich beruflich gern repositionieren möchtest, was auch mehr als verständlich ist. Als Du hier im Forum auftauchtest und anfingst, Deine Entwicklung zu schildern, war mein erster Gedanke: "O.k. - da hat jemand die Änderung akzeptiert, ist seinen ganz eigenen Weg gegangen und hat sich neu erfunden dabei - Hut ab! Schade, daß man ihm beruflich keine Chance gab bisher, dies auch dort zu tun. Denn eigentlich ist es doch eben dieses Mindset, daß das New Age ständig so hochjodelt heutzutage. Aber vielleicht kommt das ja noch. Drücken wir ihm mal die Daumen dafür, Blanca."
Doch dann stolperte nicht nur ich darüber, daß Du in gefühlt jedem zweiten Beitrag immer wieder davon angefangen hast, wie kommod es doch sei, auf die Liebe zu sch.n und sich auf reine Bettgeschichten zu beschränken. Einige Forenteilnehmer haben ja mittlerweile auch recht allergisch darauf reagiert - ich bewußt nicht, weil ich Deine Schreibe als höflich und wertschätzend empfinde und in all meiner gelegentlich an den Tag gelegten Rigorosität dennoch keine Schwarz-Weiß-Denkerin bin - oder auch nur sein mag. Allerdings konnte ich mich mit zunehmender Zahl solcher Beiträge irgendwann des Gefühls nicht mehr erwehren, daß Du nicht nur uns Lesern, sondern letztlich auch Dir selbst etwas zu bestätigen suchst damit.
Daher nun meine Fragen:
Bist Du zufrieden mit Deiner Entwicklung, was Kontakte zum weiblichen Geschlecht betrifft?
Wie wichtig ist es Dir, daß auch andere diese Entwicklung gutheißen oder wertschätzen?
Siehst Du Deine Entwicklung in einem anderen Licht, wenn sie von außen kritisiert wird?
Oder bist Du innerlich zufrieden und glücklich damit?