Liebe @Chaosqueen21
ich habe bisher nur mitgelesen, und das in ein paar Abschnitten etwas konzentrierter.
Du hast hier einige Foristen, die in dem Thema aus verschiedenen Seiten gut unterwegs sind. Zu den bisherigen Inhalten möchte ich mich deswegen auch gar nicht äußern.
Ich habe auch einen gewissen Erfahrungshintergrund. Und darauf baut mein Kommentar auf. Es soll Dir einerseits Verständnis für Deine Situation zeigen, aber auch wo Du meiner Meinung nach stehst.
Zitate werde ich jetzt nicht mehr zusammentragen können. Ich hoffe, das geht auch so. Und ich schreibe als normaler Mensch. Da kann der eine oder andere Begriff alles andere als fachlich korrekt sein. Es wäre schön, wenn der Kontext gesehen wird, wie es gemeint ist.
Du hast erwähnt, daß Du aus heftigen Erlebnissen entsprechende Traumatisierungen erfahren hast.
Soweit ich mal gelernt habe, neigen Opfer dazu, alles mögliche ins extreme zu kontrollieren, damit ihnen diese Dinge nie wieder passieren können.
Kontrolle kann in vielfältiger Form passieren. Dazu gehören das super wachsam sein. Alles auf mögliche Gefahren abklopfen. Im Vorfeld schon Anzeichen zu erkennen. Aber auch die Übernahme von Verantwortung. Sich (selber) um alles mögliche kümmern, damit es auch wirklich gemacht wird. Als notwendig eingestufte Dinge werden mit großem Kraftaufwand und Selbstverleugnung zustande gebracht.
Andererseits merkt man, daß man nicht alles kontrollieren kann, und zieht sich dann aus vielen Situationen zurück. Man meidet Menschen, wo es geht. Bleibt nach Möglichkeit Zuhause. Auf diese Weise kontrolliert man die möglichen Gefahren der Unberechenbarkeit, wenn man auf andere Menschen trifft.
Es gibt da bestimmt noch viele weitere Varianten, wie man sich gefühlt die Kontrolle zurück holt oder erhält, daß die schlimmen Dinge einem nicht nochmal passieren können.
Also, solange man in dem Opfermodus fest hängt, tut man alles, damit nichts mehr dergleichen passieren kann. Halt alles, was einem dazu einfällt.
Und nach allem, was ich von Dir gelesen habe, bist Du an dieser Stelle: alles irgendwie kontrollieren, selber in die Hand nehmen, nicht vor die Tür wollen, wenn es geht, etc.
Wozu Du nach eigener Beschreibung nicht kommst, ist das aufarbeiten Deiner Erlebnisse, weil immer wieder soviel um Dich herum passiert, wo Du gefordert bist.
Jetzt gerade aktuell das öffentliche Verhalten Deines Mannes mit Auswirkungen auf Euer Kind.
Ich verstehe dies alles als Deine Versuche, das Beste aus dem Schlimmen herauszuholen.
Bitte jetzt richtig verstehen: ein wenig habe ich den Eindruck, daß Du alles mögliche bei anderen 'heilen' bzw 'retten' willst, damit Du nicht an das Eingemachte bei Dir selber ran musst. Du hast geschrieben, daß in Deiner Therapie immer akute Sachen Vorrang haben vor Deinen eigentlichen Themen. Auch das ist auffällig. Warum musst D u Dich darum kümmern?
Hier im aktuellen Fall hätte ich gedacht, Du kümmerst Dich um Termine bei Deiner Therapeutin, dem Jugendamt oder sonstwo, damit Du erfährst, wie Du bei solch einer Familiensituation es Eurem Kind entsprechend kindgerecht erklärst, was los ist.
Wie Du euer Kind stark machen kannst, mit unliebsamen Erkenntnissen umzugehen.
Wie Du ihm helfen und beistehen kannst, wenn Euer Kind Probleme hat, das zu verstehen oder zu verarbeiten.
Wie Euer Kind sich nach außen abgrenzen lernt - innerlich und äußerlich - und sich verteidigen lernt, wenn blöde Sprüche oder Kommentare kommen. Dass ihm das nicht soo sehr zu Herzen geht und wie er reagieren könnte.
Das ganze Paket an Ausstattung, wie Mensch auf unliebsame Situationen reagieren und damit umgehen könnte, enthälst Du Eurem Kind vor.
Statt Euer Kind zu stärken, hälst Du es in der abhängigen Situation, indem Du alle Steine aus dem Weg räumen willst. Das ist in meinen Augen sehr, sehr fraglich, ob Du ihm damit w i r k l i c h einen Gefallen tust, zumal es kein Kleinkind mehr ist sondern etwas größer.
Damit machst Du Dein Kind zu einer Verlängerung Deiner Person, die noch an dem Punkt feststeckt, sich nicht schlimmen Situationen stellen zu können.
Ich mache Dir keinen Vorwurf, daß Du da bist, weil ich es nachvollziehbar finde.
Ich möchte Dir nur aus diesem Aspekt den Anreiz geben, daß Du bitte Hilfe für Euer Kind organisierst, daß er besser mit allem klar kommt, als Du ihm gerade zutraust.
Alle anderen Protagonisten sind erwachsen und können und sollten für sich selber einstehen, Hilfe holen, etc.
Nur eine Person kann das nicht. Und genau diese Person wird bisher ziemlich vernachlässigt, was konkrete, aktive Hilfe bei der (mit Sicherheit anstehenden) Verarbeitung der Dinge betrifft.