Zitat von blackeyed:Im Leben wäre ich nicht auf die Idee gekommen, so wie er sprach und sich verhielt, dass eine Rückkehr zur EF jemals in diesem Leben ein Thema für ihn wäre.
Eine Woche vor dem Abschuss waren wir noch im Honeymoon-Urlaub. Händchenhaltend, küssend, dauer-umärmelt verschlungen romantisch spazieren gehend, Leidenschaft pur, Anziehung, Begehren, Spass, Lachen, Unbeschwertheit, Fröhlichkeit, gute und schöne Gespräche.
Der Kellner in unserem italienischen Stamm-Cafe hat uns gefragt, ob das unsere Hochzeitsreise ist.
Die Aussage seinerseits zu mir mit verschmitzem Lächeln im Gesicht, dass in einem Monat endlich die Scheidung durch ist und das sein bestes Geburtstagsgeschenk an ihn selbst sein wird.
Wir haben uns bis zuletzt toll verstanden, @mangomontag.
Ich danke Dir für Deine Beschreibung,
@blackeyed. Ich glaube, dass das was Du beschreibst, sowas wie ein Blick in die Glaskugel für mich ist und mir zeigt, wie meine Zukunft hätte aussehen könnte. Ich bin überzeugt davon, dass es genauso gekommen wäre. Bei uns war es ja im Grunde ganz ähnlich wie bei Dir - nur eben noch nicht so weit. zB als wir einmal für ein Konzert vor der Tür im Gedränge standen, rief der Türsteher zu uns: "Hey, ihr beiden verliebten Turteltäubchen, dann kommt mal her, ihr könnt als erstes rein." So war es eigentlich überall. Wo wir auch waren, standen wir eng beieinander, küssten und herzten uns und flüsterten uns, wie sehr wir uns lieben und wie glücklich wir sind, uns gefunden zu haben.
Zitat von 6rama9:Inzwischen bin ich überzeugt, dass sie ihn tatsächlich immer noch unbedingt als ihren Partner will. Sie sieht nicht den wirklichen Mensch und Charakter sondern ein Traumbild.
Nein, das Gegenteil ist der Fall. Ich will ihn nicht mehr als Partner. Ich versuche, "abzuklingen".
Menschen verarbeiten unterschiedlich. Es gibt nicht nur einen einzigen Königsweg. Für die einen ist eine Kontaktsperre das absolut Richtige. Andere - vielleicht sind das weniger, doch ich gehöre offenbar dazu - brauchen eben die ständige Konfrontation, bis sie endlich fühlen, was für ein Vollpfosten ihnen da gegenüber sitzt.
Zum Entlieben muss man in ein Abklingbecken - doch wie schnell sich die toxische Strahlungsaktivität vermindert, hängt eben immer auch von den jeweiligen Brennelementen ab.
Mein Abklingbecken ist der Kontakt mit dem AM. Ich lese hier. Und lese. Und lese. Und lerne. Und ich erkenne ihn zum ersten Mal ohne rosa Brille. Nach jedem Kontakt mit ihm fühl ich mich ein bisschen weniger "verstrahlt".
Vielleicht liest ja irgendwann auch irgendein stiller Leser/Leserin dort draußen vor dem PC in diesem Paralleluniversum hier mit - und zieht ebenfalls einen kleinen Nutzen für sich daraus.
Zwei Situation gab es seit meinem letzten Beitrag: erstens war ich gestern auf einer Feier mit alten Bekannten vom AM und seine EF. Die Gruppe hat aber den Kontakt zum AM + EF eingestellt. Zum einen weil der AM als im Zusammenhang mit seiner Pleite als Lügner und Betrüger gilt. Und zum anderen, weil die EF als "strunzdumm, proletenhaft und ordinär" gilt. Mir hat es gut getan, das alles zu hören und nach diesem Abend ging es mir besser.
Zweitens: Heute habe ich den AM getroffen. Wir arbeiten in der Nähe. Und da der AM ja meistens im HomeOffice sitzt und dort mit seinen virtuellen Teams Telkos abhält und nur freitags im Büro ist, fragte er mich, ob wir nicht während seiner zweistündigen (!) Mittagspause an der Spree entlang spazieren wollen. Ich sagte zu. Ich habe zwar keine zweistündige Mittagspause, aber ich habe diese Woche ja noch frei, und habe deshalb so getan, als hätte ich eine zweistündige Mittagspause und mich mit mit ihm getroffen.
Und dann: Wir saßen in der Sonne und sahen den Ausflugsschiffen nach, als der AM auf einmal zu weinen anfing! Zum Glück habe ich hier schon bei einer anderen Userin von einem "tränenüberströmten Selfie" gelesen, so dass ich erstmal ganz ruhig blieb. Er erzählt mir dann noch einmal seine ganze Geschichte, warum das Ghosting angeblich nicht seine Schuld war, sondern die Schuld seiner Psyche. dass er solche Ängste vor Instabilität in seinem Leben habe, er habe Angst, dass das mit uns nicht halten würde und er nach einem Jahr dann vor dem Nichts stände usw usf. Ich müsste mich wiederholen, und das wäre langweilig.
Ich sagte dann zu ihm, was ich über seine EF von seinen ehemaligen Freunden gehört hätte und ob er wirklich mit dieser Frau, mit der er vielleicht vor 27 Jahren einmal Gemeinsamkeiten gehabt hätte, aber jetzt ganz sicher nicht mehr, bis zu seinem Lebensende zusammen sein wolle. Und dass er sich meiner Ansicht nach ganz unabhängig von ihr trennen müsse und vielleicht mal eine zeitlang alleine leben müsse (habe ich auch hier gelernt!

). Wieder die Leier, er könne das nicht usw usf. Kann ich ja alles verstehen, geht mir ja genauso.
Dann aber der Schlag: ob ich wirklich mit ihm zusammenziehen würde und wie ich mir das vorstelle. Er denke die ganze Zeit darüber nach, ob wir es nicht versuchen sollten.
Ich war sprachlos. Die Mittagspause war vorbei und wir verabredeten uns für "nach der Arbeit" um 15.30 Uhr.
Um 15.10 h kam eine Nachricht vom ihm, er könne das alles nicht. Er könne nun keine Rolle rückwärts machen, dann würde er sein Gesicht verlieren, er könne nicht über seinen Schatten springen. Ich würde nach der Arbeit nach Hause fahren.
Da ich ja nicht auf der Arbeit war, sondern sowieso mit Laptop in einem Café um die Ecke, schrieb ich zurück, ich hätte schon früher Schluss gehabt und wäre eh schon da, wir könnten noch einmal runter zur Spree gehen.
So machten wir es.
Und saßen dort unten rum bis kurz nach 19 Uhr. Dann klingete penetrant das Handy: 3x, 4x - die EF!
Serviert wurde mir wieder mal nur Hickhack. Ich solle warten - so ca. 8 Wochen. Er müsse diesen Fehler jetzt machen. Er wolle jetzt ehrlich werden und nie mehr lügen, keine doppelten Geschichten mehr. Wenn er dann frei sei, sei er frei. Er erwarte aber nicht von mir, dass ich auf ihn warte. Wenn ich dann weg sei, sei ich eben weg. Sowieso denke er, dass ich früher oder später eh weg sei. Und dann sei er ja allein. Er wolle mich nicht hinhalten, er wolle nicht mit meinen Gefühlen spielen. Aber bei seiner EF wisse er zumindest, dass diese nicht weglaufe und er ihre Ansprüche erfüllen könne. Er wisse gar nicht, ob er meine Ansprüche überhaupt erfüllen könne. . usw usf.
Vielleicht war mein Grundfehler, dass ich dachte, ich eröffne ihm eine neue Welt. Gehe mit ihm in die Oper, ins Theater, ins Museum. Diskutiere mit ihm über Politik. Plane mit ihm Abenteuerreisen quer durch die Welt - und keine Aida-Pauschaltouren. Verstehe sogar seine rechtlich sehr abenteuerlichen Konstrukte bei der Firmenpleite. Kann ihm bei seiner Entschuldung helfen. Bin ihm eine Partnerin auf Augenhöhe. Ja, er hat immer gesagt, wie toll er das findet. Alles das erste Mal in seinem Leben! Ach, wie toll war das alles für ihn! Ach, endlich jemand, mit dem er RICHTIG REDEN kann. All das Zeug.
Aber vielleicht war es ja auch eine komplette Überforderung. Wie er da so neben mir saß: er wurde in meinen Augen kleiner und kleiner. Und als ich nach Hause kam, ging es mir zum ersten Mal wieder besser. Noch nicht gut. Aber besser. Ich werde jetzt ein Bad nehmen und schlafen gehen. Und ich werde heute gut schlafen können. Wenn er mit der EF bis zum Ende seines Lebens zusammen sein will, dann soll er das tun. Dann ist es das, was er verdient.
Nächste Woche haben wir beide an denselben zwei Tagen einen Geschäftstermin in Ffm. Abends wollen wir uns treffen. Ich weiß nicht, was passieren wird. Ich schaue ihn mir immer wieder ganz genau an. Und ich bin im Abklingbecken. Heute fiel mir auf, wie alt er schon aussieht. Dass seine Hände ungepflegt sind. Dass er gar nicht so attraktiv ist, wie ich ihn in Erinnerung hatte.
Bei einer Kontaktsperre hätte ich ihn immer noch im Verliebtheitsmodus in Erinnerung.
Der Nachteil an der derzeitigen Situation ist natürlich, dass er denkt, ich sei wahnsinnig verliebt in ihn und er könne mit mir machen, was er wolle. Vielleicht fragt er mich eines Tages sogar nach Geld. Er braucht welches - ich habe welches.
Wenn das passiert - ich hoffe darauf - dann bin ich frei. Innerlich wünsche ich ihm die Insolvenz. Ich wünsche ihm harte Gläubiger. Ich wünsche mir, dass er kein Geld auftreiben kann, um die mit 5 Prozent abzuspeisen. Wenn er mich dann um Geld für die Entschuldung bittet - ach, dann könnte ich es endlich fühlen: dieser Mann ist ein berechenbares A.