Ich halte die Kombi für denkbar ungünstig, weil sich eure Syndrome gegenseitig triggern. Und du musst vorsichtig sein, dass du nicht am ausgestreckten Arm verhungerst. Falls du zudem unter der häufigen ADHS-Scham leidest, „zu viel, zu laut, zu chaotisch“ zu sein, sei vorsichtig, dass du in der Kombo nicht komplett untergehst. Denn ja, du wirst ihm oft zu viel sein, liegt in der Natur der Sache.
Zur angeblichen Ehrlichkeit: Sehr vieles ist Masking und einstudiert, und dann runtergespult, Floskeln. aber auch der S.. Also interpretiere nicht zu viel hinein, schon gar nicht in Gestik oder Mimik. Muss man wissen und mögen.
Dir muss bewusst sein, dass mangelnde intuitive Empathie viele Probleme mit sich bringt, für den Asperger selbst, aber oft mehr noch für den Partner. Und dass die nicht nur etwas unbeholfen sind, sondern er tatsächlich oft kein Interesse an deinen Emotionen und Befindlichkeiten haben wird. Und dich das auch spüren lassen bzw. dir mitteilen wird.
Mit Gestik und Mimik kommst du
nicht weit, also wenn du ihn dir aufreißen willst, dann wirst eher du das „Projekt“ managen müssen. Wundere dich nicht, wenn er kaum telefonieren will, das ist für die meisten Asperger Horror, weil sie Emotionen kaum an der Tonlage erkennen, und auch nicht, wenn er sich auch später tagelang nicht meldet und nicht auf dich reagiert. Dann wurde es ihm tatsächlich zu viel und er braucht Ruhe und Abstand. Oder hat keinen Bock und was anderes ist ihm eben wichtiger, meist irgendwelche Spezialinteressen.
Ironie und Sarkasmus solltest du komplett vermeiden, das versteht er nicht. Genauso akzeptieren, dass du weder einen empathischen Kuschelbären noch variationsreichen feurigen Liebhaber erwarten solltest. Und falls du sehr auf ADHS-typische Resonanz ausbist: Vergiss das lieber.
Also kurz und gut, wenn er dir gut gefällt: Go for it - aber mach dir bewusst, dass das nicht ohne Grund offiziell als Behinderung gilt, das wirst du also nicht ändern können. Lege lieber 80% typischer weiblicher Verhaltensweisen und Erwartungen ab, sonst rutscht du von einer Enttäuschung und „Lost in Translation“ in die nächste. Du kannst aber vielleicht von ihm lernen, vieles pragmatischer zu sehen, hat sicher auch seine Vorteile.
Also sei vorsichtig bzgl Hyperfokus und mach dich schlau - und zwar ohne Romantisierung - ob du wirklich mit einem autistischen Partner glücklich werden könntest. Und er mit dir. Oder obs nicht eher ein Risiko für deinen Selbstwert und Resonanzbedürfnis darstellt. Bzw. ihn komplett überfordert Asperger und ADHS ist schon eine echt herausfordernde Kombi.
Sei da ehrlich zu dir selbst. Wenn du dir das aber zutraust, dann nimm die Zügel in die Hand und gewöhne dir klare Ansagen an. Auf Rosenkavalier und subtile weibliche Verführungstaktiken würde ich bei ihm nicht hoffen

Wenn du eine bist die sich dauernd fragt: „Wieso hat er nicht angerufen?“, besser Finger weg. Da saugt ihr euch nur gegenseitig eure Energie aus.
Lernt euch erst mal kennen, aber geh es vorsichtig an. Und achte wie bei jedem anderen Mann in der Kennenlernphase auf red flags. Nur weil jemand eine Behinderung hat, heißt das noch lange nicht, dass das nicht auch ein Arsh sein kann.
Alles Gute!