Hallo LeidensgefährtInnen

ich habe den thread mit einiger Neugier verfolgt, weil ich mich in einer sehr ähnlichen Situation befinde. Ich durchlebe die zweite Trennung innerhalb von 3 Jahren und bin völlig am Boden. Aber meine Erfahrung hat mich gelehrt:
Es gibt ein Leben nach dem "Trennungstod"! Allerdings nur um den Preis der völligen Desillusionierung. Die Talsohle liegt immer noch ein wenig tiefer, als du denkst. Und es gibt keine Abkürzung. Aber es gibt einen Boden! Und wenn du auf den hart aufgeschlagen bist, beginnt die Entzauberung deiner Traumprinzessin, denn sie ist es gar nicht, die du "liebst", sondern es ist deine *Sehnsucht* nach Liebe, die dich das glauben läßt. Und die bleibt immer bei dir, als schmerzhafte Sehnsucht nach Vergangenem aber auch als die Kraftquelle deines Neuanfangs. Der Versuch ein Liebesobjekt zurückzugewinnen, dass dich möglicherweise verletzt, gedemütigt, ausgenutzt und/oder fallengelassen hat, ist ein ungeheurer Entfremdungsprozeß vom eigenen "wahren" Selbst. Du erwartest von einem anderen Menschen, was nur du alleine tun kannst. Dich dir selbst wieder so weit anzunähern, dass du deine Schwächen und Gefühle als deine Stärke spüren kannst. Wirst du selbst wieder der Focus deiner Empfindungen, kehrt deine Identität und "Integrität" zu dir zurück. Auf dem Boden des Tales wendet sich der Blick unweigerlich nach oben und jede Bewegung wird zu einem kleinen Entwicklungsschritt.
Loslassen oder Erklärungen suchen?
Auch ich suche wie ein wahnsinniger nach Erklärungen für ein Ende, das ich nicht verstehen kann. Aber eigentlich ist es doch egal, ob die Ursache ein anderer Mann, eingeschlafene (oder nie gefühlte) Liebe, "Andersartigkeit", unterschiedliche Lebenswünsche oder sontwas ist. Wenn die Verlasserin eine Entscheidung gefällt hat, kann eine Frage, die während der Beziehung hätte gestellt werden müssen, eigentlich keine Antwort mehr geben. Fragst du weiter, bindest du dich weiter an sie. Lernst du, die Frage "loszulassen", kommst du zu dir selbst und kannst dich neu orientieren.
Was hilft?
Durchgehen! Ich würde mich gerade an die erinnerungsbehafteten Orte begeben, alle Tränen, die ich zu weinen habe, rauslassen und, wenn tatsächlich der Wunsch nach einem klärenden Gespräch besteht, dieses auch suchen. Allerdings nicht als Hintertür, um in die verheerende Beziehung zurückzufinden.
Klingt alles sehr abgeklärt, aber die Rückeroberung einer gewissen Klarheit gibt dem aus den Fugen geratenen Leben wenigstens wieder eine Richtung. Um die Schmerzen und die Verzweiflung komme ich allerdings damit auch nicht herum, aber die Veränderung des Denkens geht den Gefühlen voran.
Ich wünsche uns allen die Kraft zur Verändernung, die wir brauchen, um wieder vertrauen und lieben zu können ...