Zitat von Giosy1: Wenn er nicht diese harte Vergangenheit gehabt hätte, hätte ich ihm das wohl auch gar nicht abgekauft, aber ich dachte einfach, er hatte so etwas vielleicht wirklich noch nie und sucht einfach jemanden bei dem er ankommen und sich sicher fühlen kann. Er hat mich angeschaut, wie es noch nie jemand getan hat und bei der kleinsten Unstimmigkeit hat er sich sofort entschuldigt, obwohl es da nichts zu entschuldigen gab, einfach nur, weil er Angst hatte, mich verlieren zu können.
Militärdienst macht Menschen kaputt und Kriegserlebnisse traumatisieren Menschen. Diese Menschen sinf für "normale" Beziehungen oft nicht mehr zu gebrauchen, weil die inneren Dämonen toben. Daher seine übertriebenen Liebesbekundungen, sein Klammern, seine permanente Entschuldigungen. Der Mann sucht ein sicheres Leben, einen Hafen in dem er bleiben kann und dann dockt er wieder bei der Ex an. Ziemlich sicher wird die Beziehung mit ihr auch nicht funktionieren, aber das ist für dich ohne Belang.
Du warst skeptisch, wolltest ein wenig auf die Bremse treten, denn das alles was er auffuhr an Geständnissen von der großen Liebe, die ihm jetzt alles gibt, was er sich erträumte, war eigentlich zu viel. Dein Bauch hat dir das gesagt, aber auf den wolltest du nicht hören, dass so ein Lovebombing zwangsläufig ein Verfassdatum hat.
Ich glaube, es ist weniger dieser Mensch, der dir wirklich fehlt, es ist die Zufuhr, die er dir gab. Er vermittelte dir dass dein Leben einen Sinn hat, dass Du wichtig für jemanden bist und dass du gebraucht wirst. Und das alles fehlt und hinterlässt eine Leerstelle, mit der du haderst.
Und dann solltest du dich vielleicht mal fragen, ob ein kriegsgeschädigter US-Soldat tatsächlich die richtige Wahl für eine Beziehung ist. Wenn er durch den Krieg beschädigt ist, kannst du ihn auch nicht retten, denn das ist dir auf Dauer eine Schuhnummer zu groß.
Die US-Soldaten sind für die Truppe nur Verbrauchsmaterial. Wer nicht mehr funktioniert, kann gehen und wird mit seinen posttraumatischen Belastungsstörungen, Panikattacken, Depressionen u.ä. allein gelassen.
Zitat von Giosy1: Ich glaube auch einfach, dass er ein wirklich kaputter Mann ist.
Ja, das wird mit ziemlicher Sicherheit so sein. Wie willst Du mit einem Mann eine Beziehung aufbauen, der innerlich völlig instabil ist? Er versucht sich mit emotionalen Kicks zu helfen und wenn der Kick ihm nicht mehr das erhoffte Erlebnis gibt, zieht er weiter und sucht woanders.Es ging dabei nicht um Dich, Du warst nur das gutgläubige Werkzeug. Wahrscheinlich bräuchte er eine langwierige Psychotherapie um das Erlebte halbwegs verarbeiten zu können. Aber nicht selten sind die Männer (und wenigen Frauen) durch Kriegserlebnisse so verändert, dass sie zu einem normalen Alltagsleben nicht mehr fähig sind. Es gibt auch genügend Beispiele bei der deutschen Bundeswehr, dass ein Einsatz in Afghanistan einen Menschen seelisch verändert. Ein Leben in Gefahr ist der Seele nicht zuträglich und wenn dann noch schreckliche Kriegserlebnisse dazu kommen, erst Recht.
So schlimm es jetzt ist, es ist vielleicht besser so, denn es kann dich davor schützen, sich tatsächlich mit einem kaputten Menschen abgeben zu müssen. Wärst du mit ihm verheiratet, wäre es auch für dich eine massive Beeeinträchtigung, die dir jetzt erspart bleibt. Es ist wahrscheinlich im Endeffekt besser für dich.
Ich glaube wenn du die Minderwertigkeitsgefühle, die enttäuschten Hoffnungen verarbeitet hast, wirst du merken, dass es das Leben gut mit dir meinte.
Zitat von Giosy1: Vielleicht ist er auch einfach nur ein mieser Typ, der Frauen benutz um sein Ego aufzupolieren und Anerkennung und Körperlichkeiten zu bekommen. Es war auch einfach im Nachhinein alles viel zu perfekt.
Das glaube ich in seinem Fall eigentlich nicht. Aber Auslandseinsätze bedeuten immer auch Gefahr und das beschädigt die Seele und macht sie kaputt. Er konsumiert, ja, aber ich glaube, er sucht nach Bewältigung, nach Davonlaufen. Denn Stress verträgt er nicht. Negativer Stress ist nie gut, aber es kann auch sein, dass er krampfhaft versuchte seinen Stresslevel niedrig zu halten. Indem er sich in die perfekte Liebe flüchtete, versuchte er sich selbst zu helfen.