Rheinländer
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ich kann deine Reaktion total nachvollziehen, weil ich in einer sehr ähnlichen Situation war und damals ganz genauso empfunden habe wie du jetzt. Dieses Gefühl von Ungerechtigkeit, dass man selbst den ganzen Alltag wuppt, sich um alles kümmert und der andere scheinbar ein entspanntes Leben führt und dann noch mit Geschenken punktet, hat mich früher richtig wütend gemacht. Ich hatte genau diese Gedanken im Kopf und habe mich oft gefragt, warum ich die ganze Last trage, wahrend die Ex-Partnerin plötzlich in den schönen Momenten auftaucht und dafür Anerkennung bekommt.
Mit Abstand hat sich meine Sicht darauf allerdings verändert. Heute denke ich, dass dieses Verhalten oft auch die einzige Möglichkeit für den anderen ist, überhaupt wieder einen Zugang zu den Kindern zu finden. Gerade wenn der Kontakt weniger geworden ist, passiert Annäherung häufig über solche Dinge wie Geschenke oder gemeinsame Aktionen. Damals habe ich das als oberflächlich und unfair gesehen, heute sehe ich darin eher einen Versuch, überhaupt wieder eine Verbindung aufzubauen.
Wenn ich ehrlich bin, war es bei mir früher auch so, dass ich mich um viele Dinge gar nicht gekümmert habe, zum Beispiel um Geschenke. Das war einfach aufgeteilt und wurde von meiner Ex-Partnerin übernommen. Nach der Trennung musste ich das dann selbst lernen und heute mache ich das ganz selbstverständlich. Deshalb sehe ich es inzwischen auch anders, wenn der andere Part plötzlich Dinge übernimmt, die früher nicht in seinem Bereich lagen. Das gehört einfach zu dieser neuen Situation dazu.
Ich verstehe aber total, dass dich gerade auch dieser Gedanke triggert, dass vielleicht eine neue Frau dahintersteckt, die die Geschenke ausgesucht oder eingepackt hat. Das kann sich schnell so anfühlen, als würde jemand den eigenen Platz einnehmen, und das tut weh. Gleichzeitig glaube ich, dass es für die Kinder am Ende keine große Rolle spielt, wer das Geschenk eingepackt hat. Für sie zählt, dass da wieder ein Kontakt ist.
Was mir persönlich irgendwann wichtiger geworden ist, war der Blick auf die Kinder. Auch wenn es sich für einen selbst oft richtig schlecht anfühlt, ist es für sie langfristig gut, wenn der Kontakt zu beiden Elternteilen bestehen bleibt. Ich bin heute froh, dass meine Kinder wieder einen stabileren Kontakt zu ihrer Mutter haben, auch wenn der Weg dahin für mich nicht leicht war. Diese ganze Trennungsgeschichte ist bei uns dadurch viel weniger belastend geworden.
Ich könnte mir auch vorstellen, dass dein Sohn im Moment in einem Loyalitätskonflikt steckt und sich eher zurückzieht, weil er spürt, wie schwierig die Situation ist. Das kann sich aber mit der Zeit verändern. Wichtig ist einfach, dass die Möglichkeit bestehen bleibt.
Wegen der konkreten Situation mit den Schuhen würde ich es eher pragmatisch sehen. Ich würde schon sagen, dass du die gleichen Schuhe auch schon besorgt hast, einfach damit sowas in Zukunft vielleicht besser abgestimmt wird. Aber ich würde da nicht zu viel Energie reinstecken, weil es am Ende nichts Grundsätzliches ändert.
Für mich liest sich deine Reaktion sehr vertraut und sehr menschlich. Du bist verletzt, du bist wütend und du trägst gerade eine Menge allein, und genau so fühlt sich das auch an. Diese Gefühle gehören leider dazu und helfen einem auch, das Ganze Stück für Stück zu verarbeiten. Wichtig ist nur, dass du sie irgendwo rauslassen kannst, so wie hier. Genau dafür ist so ein Forum da. Ich wünsche dir wirklich, dass du gut durch diese Phase kommst. Du bist nicht alleine.