Zitat von Kaetzchen:
Ich lese so was hier immer wieder (auch von Urmel ja gern so propagiert, auch in diesem Fall wieder). Für mich besteht eine Beziehung aus Kompromissen. Wenn ich jedes "Machtspiel" meines Partners mit den Worten "Mach ruhig, aber dann bin ich halt weg" beantworte, dann habe ich zwar immer die "Macht" in der Beziehung, aber sicher irgendwann auch keine Beziehung mehr. Denn wer würde sich so was dauerhaft gefallen lassen? Umgekehrt könnte die Freundin ja auch sagen: "Wenn Du das nicht willst, such ich mir einen anderen, der Piercings im Gesicht auch toll findet." Dann hätte sie zwar das Machtspiel gewonnen, wäre aber auch die Beziehung los.
Wenn man so agiert, ist man meiner Meinung nach nicht wirklich beziehungsfähig. Es gibt für mich nur sehr wenige Dinge in einer Beziehung, für die es keinen Kompromiss gibt. Kinderwunsch z.B. - auf ein halbes Kind einigen kann man sich ja nicht - aber fast alles andere sollten erwachsene Menschen doch so klären können, dass beide irgendwie auf ihre Kosten kommen. Wenn nicht, dann passt da gewaltig was nicht:
Dann bist du eben ein Mensch, der mehr Kompromisse eingeht als beispielsweise ich. Das ist dein gutes Recht. In meinem Falle ist es eben so, dass ich nur wenige Kompromisse eingehe und eingehen werde, da ich VORHER schaue (bevor ich mit einer Partnerin was festes eingehe), dass wir in vielen Dingen gleich ticken. Meine Erfahrung zeigt mir, dass ich unzufrieden werde, wenn ich zu viele Kompromisse eingehe. Natürlich gibt es Dinge, die beiderseits D'accord sein sollten und über die man redet- Urlaubsplanung, das nächste Weihnachten, gemeinsames zusammenziehen (Stadtteil, Wohnungsgröße) usw.. Aber es gibt eben für mich auch Dinge, die nicht verhandelbar sind. Die klopfe ich mehr oder weniger bewusst VORHER ab: Lebensplanung, Kinderwunsch, Karriereplanung, Hausbau/-Kauf, Einstellungen zu Sex, Religion, politische Gesinnung, Nähebedürfnis usw.
Ich könnte z.B. keinen Kompromiss eingehen der besagt, dass ich immer zum Essen zu Hause sein müsste, weil sie es toll und harmonisch findet. Selbst wenn ich nur 3 Mal die Woche zum Essen zu Hause sein müsste (ca die Hälfte als Kompromiss), wäre das für mich nicht hinnehmbar, da ich vielleicht genau an den Tagen was andere machen möchte.
Thema Sex - ich könnte es nicht hinnehmen nur 1 Mal im Monat Sex zu haben. Wo wäre der Kompromiss? 2 Mal? Oder mehrmals die Woche, obwohl ich mir dann wie ein Triebtäter vorkommen, da ich merke, dass sie keine Lust hat? Lass mal.
Das fällt bei mir unter die Rubrik "Zusammenpassen". Ich weiß, es gibt genug Menschen, die das anders sehen und sich den Partner hinfrickeln wollen - oft mit dem Ergebnis, dass es dann eine Trennung gibt. Das liest man hier sehr oft. Es reicht eben nur nicht "Gefühle" für jemanden zu haben. Auch der Rest, wie oben angemerkt sollte passen.
Es ist eben sehr individuell. Was aber meinen Körper angeht: Sie darf gerne eine Meinung dazu haben, aber ausschlaggebend ist das nicht für mich - wohl aber die Konsequenzen, die daraus entstehen könnten. Da muss man dann eben abwägen, was für einen selbst wichtiger ist.
Was aber auch differenziert betrachtet werden muss bzgl. Körper. Eine Vasektomie beispielsweise betrifft beide zu gleichen Teilen. Körpermodding ohne Auswirkungen (außer den optischen oder vielleicht haptischen) ist in meiner Entscheidungshoheit.