Zitat von Klaudin: Weil das ist anstrengend und auf einmal sieht man nur noch seine eigenen schlechten Seiten. Verstehst du wie ich das meine ?
Ja, verstehe ich. Es ist sehr schwierig, da eine Balance zu finden. Also zwischen "Patzigsein" und zu schweigen.
Das Patzige ist ein Akt der Aggression, weil Du Dich nicht richtig wahrgenommen fühlst. Es ist aber auch eine kindliche Reaktion wie bei einer Fünfjährigen, die aufbegehrt.
Manchmal ist es besser, das Patzige zu unterdrücken, denn es nützt sich auch ab und es ist nicht konstruktiv.
Besser wäre es zu sagen: Du, können wir mal kurz über das sprechen was mich stört.
Das ist erwachsener als eine Trotzreaktion. Das Patzige kommt dann, wenn man seine Emotionen nicht steuer kann.
Aber manchmal ist es einfach auch nicht angebracht, z.B. wenn der Partner eigentlich nichts falsch gemacht hat und er Dich doch stört.
Mit dauerndem Patzigsein stresst Du den Partner auch. Man kann auch ruhig über Dinge sprechen die einen bewegen.
Zitat von Klaudin: Aber als ich dann zu Hause war bin ich mal wieder alle Situationen durchgegangen und hab meine Fehler gesucht. Nach dem Motto ich hätte dies machen sollen, ich hätte jenes nicht sagen sollen. Und das macht einen unglaublich kaputt. Weil das ist anstrengend und auf einmal sieht man nur noch seine eigenen schlechten Seiten. Verstehst du wie ich das meine ?
Ich fnde es gut, wenn Du die Situationen später nochmals wie durch eine Brille anschaust. Aber Du solltest den Fokus nicht nur auf das legen, was Dir negativ erscheint. Du hast doch auch gute Seiten und Eigenschaften und die schaust Du viel zu wenig an.
Stattdessen stellst Du Dich in Frage und geißelst Dich später damit. Das ist sehr anstrengend und stressig für Dich und das Patzige ist auch für den Partner sehr anstrengend, weil der sich dann auch nicht angenommen fühlt.
Vor einer Reaktion kann man auch mal tief Luft holen und vorher nachdenken bevor man wie eine Fünfjährige mit dem Fuß aufstampft. Da wird man nämlich auch oft ungerecht.
Zitat von Klaudin: Er ist ja auch etwas älter als ich. Damit steigt ja auch Lebenserfahrung und eigene Entwicklung. Ich entwickel mich ja auch weiter.. Ich bin zumindest so bemüht. Aber manchmal fühle ich mich dann auch wie ein Roboter der bloß keine Fehler machen will.
Dass er älter ist, sehe ich in Deinem Fall eher als Vorteil. Er ist vielleicht abgeklärter und lebt seine Impulse weniger stark aus als Du.
Du bemühst Dich wirklich, das kann man ja klar sehen, aber manchmal kommen Deine Mühen später, wenn Du das rausgelassen hast was Dich störte und beeintächtigt hat. Du überlegst hinterher, wie hätte ich besser reagieren können und kritisierst Dich für das, was Deiner Ansicht nach nicht gut gelaufen ist.
Das Gefühl, ein Roboter zu sein, resultiert aus Deiner Unsicherheit. Du willst die eine, perfekte Frau für ihn sein, die sich genauso verhält, wie er es haben will bzw. von dem Du glaubst, wie Du sein solltest.
Damit übergehst Du wiederum Deine Gefühle und Du fühslt Dich wie ein Roboter, der das perfekte Bild von Dir vermitteln soll.
Du willst eine gute Partnerin sein, bist Dir aber unsicher, wie er Dich haben will.
Was ich Dir damit sagen will, Du musst - so glaube ich - unterscheiden lernen. Wo ist meine Grenze und wo ist es auch angebracht, wenn ich mich zur Wehr setze. Also wenn er Dich z.B. völlig übergeht und Dich nicht einbindet, wenn er etwas plant z.B. und Dich bewusst ins Abseits stellt.
Aber es muss auch klar sein, dass er auch ein eigenes Leben haben darf, also seinen Vorlieben nachgehen darf, wo Du halt mal nicht dabei bist. Aber wenn er nur noch das tut und Du zu einer Randfigur wirst, dann wäre es schon wichtig ihm das zu sagen, aber vielleicht auf eine versöhnlichere Art.
Das Patzige führt nämlich auch oft nur zu Trotzreaktionen beim Partner.
Du lebst in diesem Zwiespalt zwischen Kritik und Anpassung und weißt nicht, wo was angebracht oder überzogen ist.
Diese Balance musst Du finden und auch das ist sehr schwierig, diesen Weg zwischen Anpassung und Kritik und Nörgelei am anderen zu finden.
Aber fange bitte auch an, Dich mal für etwas zu loben. Du machst doch auch viele Dinge gut. Dann lobe Dich doch mal dafür. Nur weil Du damals daheim zu wenig gelobt wurdest, muss das nicht so bleiben. Lerne gut mit Dir zu sein. Ich glaube, das ist das Wichtigste für Dich. Einfach akzeptieren, dass JEDER (auch Dein Partner) gute und weniger gute Eigenschaften hat. Und für die guten Eigenschaften oder wenn man mal angemessen und richtig reagiert hat, darf man sich loben und sich sagen, das habe ich jetzt gut gemacht. Und das Schlechte versuche ich das nächste Mal besser zu machen.
Wenn Du Dich aber ständig selbst in Frage stellst und nur siehst, oh mein Gott, was habe ich da wieder falsch gemacht,
verstärkst Du Deine Angst und Unsicherheit noch.
Versuche mal ein kleines Bißchen pfleglicher mit Dir umzugehen und nicht ständig zu grübeln. Wie war das und was hat er gesagt und was habe ich dann gemacht?
Es ist schwierig, eingepflanzte Verhaltensmuster abzulegen und ganz schafft man das eh nicht. Das muss auch nicht sein, denn Du hast sicher auch gute Dinge daheim erfahren und wurdest nicht nur geschimpft oder vernachlässigt? Eltern sind nie perfekt, denn auch sie schleppen ihre Defizite durchs Leben. Sie denken aber oft auch zu wenig nach und bleiben in ihren Mustern hängen. Ich habe das bei meiner Mutter oft gesehen, wie sie sich selbst im Weg stand und immer perfekt sein wollte, was natürlich nicht möglich war.
Und das war auch bei total belanglosen Dingen der Fall. Sie hatte mal einen Kuchen gebacken wie jedes Wochenende und hat einmal das Backpulver vergessen. Der Kuchen ging also beim Backen nicht auf und musste weggeworfen werden. Kann ja leicht passieren, dann schmeisst man den Teigklumpen halt in den Abfall und bäckt einen neuen, wenn man mag.
Sie aber wollte, dass es niemand merkt, denn der Vorfall kratzte an ihrem Selbstbild der perfekten Hausfrau. Sie warf den Kuchen ins Clo und wollte ihn unbemerkt entsorgen und was passierte? Das Clo war verstopft und mein Vater musste es richten. Mit dieser dummen Reaktion hat sie dafür gesorgt, dass es erst Recht aufkam. Warum kann man nicht einfach zugeben, dass man dummerweise das Backpulver vergessen hat? Es wäre doch viel einfacher und man könnte sogar über das Missgeschick lachen. Aber dazu fehlte ihr die innere Stärke.
Sie hatte auch eine sehr gute Singstimme und sang gerne und gut, wenn sie dafür in Stimmung war. Leider habe ich die schöne Singstimme nicht von ihr geerbt. Ich schlug vor, dass sie doch dem Kirchenchor beitreten könnte. Sie wäre doch ein Gewinn für den Chor.
Ach nein, sagte sie, da sind lauter Frauen, die nur ihre neueste Garderobe ausfühen wollen. Sie hatte also Angst, dass sie da nicht mithalten könnte und so wurde es nichts mit dem Chor. Sie stand sich wieder mal selbst im Weg wie so oft. Ich erwiderte, Du würdest doch zum Singen hingehen und nicht wegen der Kleidung, aber das half nichts. Sie war in manchem einfach dumm weil sie auch ihr stärkster Kritiker war. Sie wollte perfekt sein und stieß damit an ihre Grenzen, weil einfach niemand perfekt ist.
Du nicht, ich nicht und Dein Partner auch nicht. Und damit muss man leben lernen.
Tu Dir mal was Gutes und beschäftige Dich nicht nur mit der Beziehung und dem Partner. Hast Du Freundinnen, Bekannte, mit denen Du mal was unternehmen kannst, ohne ihn? Oder vielleicht hast Du Lust auf Sport und gehst einmal die Woche zum Volleyball oder so. Lege den Fokus auch mal auf Dich und mache Dinge die DIR Spaß machen. Dann kannst Du es auch viel besser aushalten, wenn er mal weg ist.
Du darfst nicht nur für diese Beziehung leben.