Zitat von Seteca: Aber ich wähle doch nicht bewusst einen dissozialen Partner? Ich hoffe doch auf eine wertschätzende und glückliche Zukunft. Wie kann man einen anderen Weg wählen, wenn ich doch gar nicht weiß wie sich dieser neue Partner in 1-2-3 Jahren verhalten wird?
Natürlich erfolgt die Partnerwahl unbewusst, aber das Unterbewusstsein führt uns schon zu den Männern hin und dockt da an, wo es etwas Verwandtes wittert. Da ist einer, der hat Ähnlichkeiten mit dem Vater und so suggeriert Dir da Unterbewusstsein Interesse. Es sucht etwas Verwandtes. Und wenn der Vater schon destruktiv war, dann sucht man sich oft etwas Ähnliches. Dass es dann nicht funktioniert, ist dem Unterbewusstsein wiederum egal, es folgt inneren Mustern.
Daher landen manche Frauen ja immer wieder bei defizitären Männern, auch wenn zunächst alles glänzte und schillerte.
Mein Psychotherapeut sagte mir damals, die Seele leidet unter Dingen, die nie aufgelöst wurden und die werden dann im Unterbewusstsein begraben. Aber jeder weiß, dass das eine mächtige Instanz im Menschen ist. Und dann schickt und die Seele in eine ähnliche Beziehung, weil sie uns damit sagen will. Bitte schau da mal hin, da ist was, was schmerzt. Bitte kümmere Dich mal darum, ich kann mich nicht aus eigener Kraft heilen, ich brauche Dich dazu, Dein Bewusstsein.
Und wenn die Seele merkt, dass wir ihr mehr Raum geben und dass wir uns erinnern, schlechte Erfahrungen aber auch relativieren können, dann gibt sie Ruhe und der Preis dafür ist meistens auch innere Ruhe. Nur weil Mama mich damals oft geschimpft hat, weil sie mich in die Ecke schickte, bloß weil ich die doofe Vase runtergeschmissen habe, muss ich meine Traurigkeit und innere Einsamkeit nicht ewig mit mir rumschleppen. Ich kann sie bemerken, aber mir dann auch sagen, ich bin nicht mehr das kleine Mädchen von damals, das sich ratlos und traurig und übergangen fühlte. Ich bin jetzt erwachsen und kann diese Gefühle identifizieren und mir sagen, ich fühle mich jetzt so, weil ich das übernommen habe, aber ich muss mich nicht davon überrollen lassen.
Nur weil sie mich damals oft geschimpft haben und mir das Gefühl gaben, dass ich nicht gut genug war, so stimmt das einfach nicht. Es war damals nicht richtig und es ist heute nicht richtig, ich war immer gut genug. Und heute habe ich die Freiheit daran auch glauben zu dürfen. Als Kind fühlst Du nur und Du kannst mit den Gefühlen oft nicht umgehen, aber als Erwachsener kann ich feststellen, was ich empfinde, es aber auch regulieren.
Bloß weil Sven am Donnerstag ins Sportstudio gehen will und dann oft genug mit irgendwelchen Jungs noch ein Bierchen trinkt, muss ich doch keine Angst haben um ihn. Im Gegenteil, er freut sich und das wirkt sich dann auch positiv auf mich aus, wenn er fröhlich wieder heimkommt.
Diese Defizite, die wir uns tragen, gehen deswegen meist nicht weg, aber wer sie erkennt und richtig einordnet, der kann anders damit umgehen. Ein Abend allein ist kein Weltuntergang, sondern kann auch ein Gewinn sein. Und ein andermal treffe ich mich mit Sandra und Luisa zum Pizzaessen und habe viel Spaß und da sind die Männer eben daheim oder machen mal was anderes.
Das Risiko, dass der Partner sich im Lauf der Zeit ändert, vielleicht auch andere Verhaltensweisen zeigt, liegt in der Natur der Sache. Er wird das vielleicht auch bei der Partnerin merken und sich sagen, sie war auch schon mal fröhlicher und lockerer drauf. Außerdem ist ein neuer Partner immer ein Risikofaktor. Man weiß ja vorher nie, worauf man sich einlässt. Wenn man aber merkt, dass er mich fatal an eine vergangene und gescheiterete Beziehung erinnert, sollte man genau hinsehen. Es könnte sein, dass man in die Wiederholung geschickt wurde, weil man sich nie um sich selbst gekümmert hat, nur immer um andere, bevorzugt um Partner.
Ich habe gestern im Radio ein interessantes Gespräch gehört, in dem es genau um diese Thematik ging. Die Frau erzählte, dass sie Tochter einer depressiven Mutter war und wuchs obendrein ohne Vater auf. Und wenn die Mutter wieder in einer despressiven Phase steckte, konnte sie oft nicht aufstehen und die Rollen vertauschten sich auf ungesunde Art und Weise. Das kleine Mädchen versuchte, der Mama einen Haferbrei ans Bett zu bringen, damit es Mama wieder besser ging, weil Helfen in der Natur des Menschen liegt - normalerweise. Das kleine Kind wurde also in eine Rolle gedrängt, der es nicht gewachsen war, denn es sollte umgekehrt sein, dass die Mutter für das Kind da ist und ihm Geborgenheit und Verlässlichkeit vermittelt. Das nennt man Parentifizierung, wenn ein Kind eine Rolle ausführen muss, die es überfordert und der es nicht gewachsen ist. So was wirkt nach..
Ihre Mutter war eine schöne Frau mit Charisma, aber leider schlug die Depression immer wieder zu. Das Kind kam dann auch mal in Obhut der Oma oder einer Tante und wuchs zeitweise auch in Pflegefamilien auf. Da fehlt es dann an der inneren Heimat, wenn ein Kind aufgrund der Umstände rumgeschoben wird und sich oft genug überflüssig fühlt.
Die Frau wurde in jungen Jahren obendreni Alk., denn sie hatte gemerkt, dass sie damit ihre Stimmungen positiv beeeinflussen konnte. Sie fühlte sich lockerer und beschwingter und so wurde der Akohol zur Sucht, ehe man es merkt. Alk. als Gefühlsregulator ist eine gefährliche Sache. Sie hatte im Lauf ihres Lebens 5 Entzüge und scheint jetzt clean zu sein. Aber einmal Alk., bleibt man auch Alk., denn die Rückfallgefahr ist extrem hoch.
Heute geht es ihr viel besser, sie hat viel über sich nachgedacht, vieles erkannt und ist auch beruflich erfolgreich. Aber sie sagte auch, altbekannte Gefühle erkennt sie, wenn sie aufkommen. Aber sie hat einen Weg gefunden, sich zu regulieren und sagt sich heute: Damals konntest Du das nicht, aber als erwachsene Frau kannst Du damit umgehen, anstatt Dich davon überrollen zu lassen.
Die Frau heißt Franziska Hohmann und hat auch ein Buch über ihre Erfahrungen veröffentlicht, das vielleicht lesenswert wäre.