Zitat von Sonnenblume53: Klaudin, wie soll dieser Mann denn wissen, was Dich umtreibt, wenn Dich etwas umtreibt? Sprich mit ihm über Deine Ängste! Das ist die beste Art, ihnen die Macht zu nehmen!
Ich fürchte, ein anderer Mensch kann ihr ihre Ängste und ihr geringes Selbstwertgefühl nicht nehmen. Sie muss das selbst auf die Reihe bringen. Da Selbstwertgefühl und Verlustangst eng verwoben sind, wäre es sehr wichtig, beim Selbstwert anzusetzen.
Das ist ein langer Weg, den man da geht, denn schließlich schleppt man das schon das ganze Leben mit sich rum. Das geht nur durch Übung, indem man seine positiven Aspekte sieht und sich lobt, wenn etwas gut gelungen ist und die fiesen Gedanken "ich bin nichts wert, ich bin dumm, ich bin nicht gut genug, alle anderen sind besser als ich" usw. abstellt.
Die kommen immer wieder hoch und martern einen.
Dann muss man ihnen halt beikommen.
Ich litt auch unter dem geringen Selbstwertgefühl und sagte mir, auf meiner Schulter sitzen schwarze, boshafte Kobolde, die mir mantraartig einflüstern: Du bist nicht gut genug, kannst Dich nicht mit anderen messen, die selbstverständlich viel besser sind als Du. Und wenn dann wieder etwas schief ging, sagten sie: Ha, siehst Du wohl, wir haben es Dir doch gleich gesagt. Du bringst es einfach nicht, du bist unfähig und du bist nicht liebenswert.
Und dann sagte ich mir: Hey, ihr bösartigen Kobolde, ich sperr Euch jetzt in einen Schrank, weil ich mir das nicht mehr anhören will und da könnt Ihr gerne ablästern, wie es euch Spaß macht. Ich jedenfalls höre mir das einfach nicht mehr an.
Denn ich bin ein Mensch mit Ecken und Kanten wie jeder, aber keinesfalls schlechter als andere.
Ich denke, da muss jeder selbst seine Mechanismen finden, um die schlechten Gedanken über sich selbst abzustellen.
Mir half das Bild mit den Kobolden, Jemand anderes braucht vielleicht einen anderen Weg.
Seelenhygiene ist sehr wichtig. Das heißt nicht, dass man sich nicht schimpfen darf, wenn man etwas falsch gemacht hat, aber man muss sich von diesen eingelernten Gedankenmustern nicht ewig drangsalieren lassen.
Wer nicht von Selbstzweifeln zerfressen ist, kommt besser mit sich klar und das teilt sich unbewusst und ohne Worte auch dem Partner mit. Der spürt instinktiv nämlich sehr wohl, ob wir uns selbst mögen oder uns in Frage stellen.
Wenn der Partner selbst defizitär ist und unbewusst einen Blitzableiter sucht, dann ist er bei einer Partnerin mit geringem Selbstwert genau richtig, denn da kann er dann seine inneren Aggressionen abarbeiten und sie nach Kräften demontieren.
Diese uralten Mechanismen geringer Selbstwert und Verlustangst wurden meist in der Kindheit angelegt. Ein Elternhaus oder Elternteile, die das Kind oft genug schimpfen oder im Regen stehen lassen, suchen die Schuld immer bei sich. Ich bin nicht richtig wie ich bin, ich müsste irgendwie anders sein, besser sein, dann würden sie mich lieben. Aber so, wie ich bin, bin ich einfach nicht in Ordnung.
Das setzt sich dann fest und in Beziehungen, in denen die emotionale Ebene angesprochen wird, kommen sie wieder zum Vorschein und quälen einen.
Wer sich selbst nicht liebt, muss es lernen. Das kann man auch, weil es ja nur Gedanken sind, die andere, mächtigere Bezugspersonen, in uns angelegt haben. Sie sind erworben und was man erworben hat, kann man auch wieder weg geben.
Wenn der Selbstwert einigermaßen normal ausgeprägt ist, können auch die Verlustängste allmählich gehen. Denn die uralten Gedanken gehen dann weg. Ich bin doch eh nichts Besonderes, ich bin nicht liebenswert, das habe ich doch oft genug erfahren, alle lassen mich allein und das liegt an mir, weil mich eh keiner mag.
Wer das immer wieder von sich denkt, stellt sich selbst in Frage, idealisiert aber oft genug den Partner. Ja, der ist ja ganz besonders, er ist so toll, er ist einfach großartig. Aber was will der dann mit mir, mit Lieschen Müller, die doch gar nichts zu bieten hat. Das Aussehen ist nicht gut genug, besondere Talente sind auch nicht vorhanden oder nicht auffindbar, die Karriere ist auch nichts Besonderes, ich bin halt nur allenfalls eine Durchschnittsfrau oder noch weniger.
Das schreit dann natürlich nach Kompensation und die will man sich dann von der Außenwelt, in erster Linie beim Partner abholen. Und wenn der nicht da ist, dann kommt die Weltuntergangsstimmung.
Dann kann man sich so richtig mit weiteren abwertenden Gedanken quälen. Der ist wahrscheinlich froh, dass er heute keine Zeit für mich hat und lieber mit seinen Jungs abhängt. Ja, klar, da pass ich nicht hin, aber er ist womöglich erleichtert, dass er mich nicht sehen muss. Mich, Lieschen Müller mit ihrer Anhänglichkeit, ihrem mangelden Mut, ihrem mangelnden Selbstvertrauen. Ach, was für ein Fiasko!
Dann ist der Weg zu Eifersucht und Neid nicht mehr weit.
Und all diese selbst gemachten negativen Gedanken stressen einen und boykottieren auf lange Sicht oft genug auch Beziehungen. Denn es wird ihm vielleicht zu viel. Oh Mann, dauernd braucht sie Bestätigung und Lob, immer wieder muss ich ihr sagen, dass ich sie liebe und keine andere will und wenn ich mal was Anderes machen will ohne sie, zieht sie ein langes Gesicht. Uff, die Frau ist echt anstrengend. Wenn das so weiter geht, stresst mich das und meine Zuneigung zu ihr geht allmählich dahin.
Tja, dann wirkt man mit der Zeit unattraktiv, die Liebe geht und der Mann verschwindet. Und dann hat man es wieder mal geschafft und sich selbst bestätigt. ich wusste es ja, er wird gehen wie alle anderen. Und wer weiß, ob er wirklich mit seinen Jungs weggeht? Vielleicht hat er schon seine Miss Perfect im Auge und dann bin ich abgemeldet. Wie immer halt.
Es ist vieles hausgemacht, aber weil man das so gewöhnt ist, glaubt man es halt, dass man nicht halb so toll wie andere ist.
Und der Partner ist auch nicht der Ritter ohne Fehl und Tadel auf dem weißen Ross. Der ist auch nur ein Mensch und auch er hat seine Baustellen und seine schlechten Eigenschaften.
Mit der Glorifizierung eines anderen Menschen begibt man sich ungewollt und unbewusst in eine schlechte Position. Denn wenn er so toll ist, was bleibt dann für mich? Die Position auf dem Schemel zu seinen Füßen. Ich kann ja froh sein, wenn er noch bleibt aber wie lange noch? Wenn der erst merkt, wie defizitär ich bin und wie wertlos, dann stösst er mich auch von meinem Schemel noch runter.
Es gibt dann keine Beziehung auf Augenhöhe, weil der eine oben ist und der andere unten. Und das ist keine gute Beziehung.
Also aufstehen, sich selbst helfen und lernen, dass man nicht schlechter ist als andere und genauso liebenwert auch.
Ansonsten geht man den Weg:
Bitte liebe mich, damit ich glauben kann, dass ich liebenswert bin.
Bitte zeige mir, dass ich wertvoll bin, weil ich selbst nicht an meinen Wert glaube.
Und das was vom Partner kommt, ist dann nie genug. Stattdessen kommen wieder miese Selbstzweifel auf. Ja, was will dieser tolle Mann denn mit mir? Verirrung oder hat er Tomaten auf den Augen? Wenn der erst merkt, wie ich wirklich bin, geht er sowieso.
Wenn man selbst nicht damit zu Rande kommt, kann ein Therapeut eine gute Hilfe sein, um die alten Muster aufzulösen und sich nicht länger damit selbst zu schikanieren.