Zitat von Urmel_:Und es geht um Emotionen. Auf die haben wir Menschen nur sehr bedingt Einfluss. Änderst Du also Dein Verhalten, steigerst Du die Chance, dass sie neugierig wird. Das ist keine Garantie, aber weiter zu graben ist sicherlich nicht die Lösung.
Mein Verhalten wäre diesbezüglich ja verändert. Meine "Moralpredigt" per Whatsapp schrieb ich ihr am 10. Oktober und ihre beiden Antworten, welche ich in meinem Ausgangsthread gepostet habe kamen am 11. Oktober. Dann wurde ich ja von ihr auf Whatsapp blockiert und es gibt seitdem keinen Austausch mehr, so wie es ja von ihr auch gewünscht war. Sie wollte mit dem Kapitel abschließen und mir war ja auch bewusst, dass die Sache vorbei ist.
Letztenendes geht es mir hier primär um Aufarbeitung dieser Geschichte und nicht um Reanimation.
Ich habe mir auch erlaubt hier auf diesem Forum in andere Threads hineinzulesen und objektiv betrachtet ist meine Geschichte dagegen ja Pille Palle. Dahrer gebe ich ganz offen zu, dass ich mich schon ein wenig schäme, hier so einen "Aufriss" zu machen. Ich kenne Liebeskummer noch sehr gut von früher und da war er trotz noch einem wesentlich aktiveren Leben wie Arbeit, jedes Wochenende in den Club, Freunde, ziemlich präsent und schmerzhaft. Die 2019 und 2020 waren absolute Ausnahme Jahre mit großen Veränderungen und schweren Einschnitten. Meine Mutter hatte Zeit ihres Lebens eine bipolar affektive Störung (manische Depression), aufgrund dessen sie alle paar Jahre psychiatrisch für wenige Monate aufgenommen werden musste. Ende Januar 2019 kam sie nach einer mansichen Phase, auf die immer eine depressive Phase folgt in unser Klinikum auf die psychiatrische Station. Diesmal war es besonders schwierig, da meine Mutter in kurzer Zeit fast 20 kg an Körpergewicht verloren hatte und aufgrund auffälliger Schluckbeschwerden kaum Nahrung hinunterbrachte bzw. wieder erbrach. Ihre Hausärztin hatte aufgrund bestimmter Blutwerte für März 2019 bereits eine stationäre Magen- und Darmspiegelung in einem anderen Krankenhaus verordnet, welche dann wegen dem psychiatrischen Aufenthalt nicht stattfand. An den Wochenenden war meine Mutter bei uns Zuhause zu Besuch und ich konnte mir regelmäßig mit ansehen, wie sie beim Essen, wenn man dies so nennen kann, erbrach. Ich habe mehrfach bei Pflegern, an die Ärzte kommt man ja nicht heran, angesprochen, dass eine Magenspiegelung gemacht werden sollte, es wurde nur notiert. Im Juni 2019 hatte ich ein Aufklärungsgespräch mit dem Oberarzt der Psychiatrie bezüglich einer anderen Therapieform, da die Medikamente die Depression meiner Mutter nicht beseitigen konnten. Ich sprach ihn nochmal auf ihren körperlichen Zustand an, wie ihre Seele gesund werden solle, wenn sie nicht richtig essen kann und somit doch total unterversorgt ist. Er solle doch bitte eine Magenspiegelung veranlassen, sie hat extreme Schluckbeschwerden und behält keine Nahrung drin. Ich habe da mit ein paar Fachbegriffen um mich geworfen, da ich mich für Medizin selbst interessiere, Verständnis dafür habe und mich belese. Da wollte er direkt wissen, woher ich die ganzen Informationen hätte. Mir war also gleich bewusst, welcher Sorte Arzt ich gegenüber saß, nämlich dem, der es absolut nicht haben kann, wenn man versucht, ihm auf Augenhöhe zu begegnen. Schließlich ist er ja der "Gott in Weiß". Ich wurde schon fast belächelnd darauf hingewiesen, dass es für eine solche Magenspiegelung derzeit keine Indikation gäbe und dass das alles psychisch sei. Meine Mutter war aufgrund ihrer psychischen Sitution auch nicht in der Lage, mal für sich selbst zu sprechen. Dies änderte sich jedoch, als sie ein paar Wochen später in eine leichte Manie rutschte und dann selbst auf die Magenspiegelung bestand. Schwups wurde diese dann Ende Juli 2019 veranlasst. Diagnostiziert wurde ein fortgeschrittenes Adenokarzinom (Speiseröhrenkrebs direkt am Mageneingang). Ein halbes Jahr war sie bereits im Klinikum und es wurde trotz der offensichtlichsten und markantesten Symptome nicht entdeckt, da nicht untersucht wurde. Eine Magenspiegelung ist ein absoluter Routineeingriff, der in Deutschland tausendfach täglich in Krankenhäusern durchgeführt wird. Sie wurde Ende August noch operiert, wir, also meine Geschwister, mein Vater und ich waren naiver Weise der Annahme, dass sie dann auch wieder gesund wird. Ausnahmsweise habe ich nämlich mal nicht bei Dr. Google herumgesucht. Von den Ärzten gab es keine wirkliche Aufklärung, was diese Diagnose genau zu bedeuten hat und wie hoch die Sterblichkeitsrate ist. Erst zwei Wochen vor ihrem Tod erfuhren wir von dem leitenden Onkologenproffessor, dass meine Mutter versterben wird. Bis dorthin war das eigentlich gar keine Option für uns. Ich nahm diese Nachricht eigentlich sehr gefasst und sehr rational denkend auf. Sie hat eine sehr schwere Erkrankung, sie wird daran sterben. Erwischt hat es mich dann erst, als ich bei ihrem Tod am Sterbebett dabei war. Obwohl ich ein sehr sensibler Mann bin, weine ich normalerweise nicht. Zwischen einem Tränenvergießen liegen bei mir teilweise viele Jahre. Seit dem Tod meiner Mutter habe ich eine andere Seite an mir kennengelernt, ich habe sehr viele Tränen für sie vergossen und sehr getrauert. Es wurde dann schleichend besser und ich würde sagen, dass es gefühlt ab Juni/Juli diesen Jahres insoweit verarbeitet wurde, dass ich damit leben kann. Ich bin sehr froh, dass die Trauerverarbeitung einen gesunden Weg genommen hat. Nur jetzt beim Aufschreiben der Geschichte kamen wir wieder die Tränen.
Jedenfalls stand ich jetzt alleine mit meinem Vater da. Die Option, dass er direkt in ein Pflegeheim kommt gab es für mich nicht. Eigentlich sollte er ab März diesen Jahres vorerst für einmal die Woche in die Tagspflege, so kommt er unter Menschen und ich habe einen Tag in der Woche ganz für mich. Das hätte dann aufgestockt werden können. Corona hat dem ganzen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich habe mich dann nebenher der Musikproduktion wieder voll gewidmet und das hat mir auch richtig Spaß gemacht.
Ab August kam dann halt doch mal wieder der Gedanke und Wunsch auf, wieder die Nähe zu einer Frau zu suchen, da ich mich einsam fühlte. Aber eben nicht mit der Motiviation eine Beziehung gründen zu wollen, da dies wie schonmal gesagt aufgrund der Bedingungen ungünstig wäre.
Und dann hatte ich halt bei Tinder mit gerade ihr das Match. Wahrscheinlich war das von meiner Seite auch irgendwie dumm, dieses Risiko einzugehen, da sie halt schon nicht irgendwer war. Wie gesagt steckte da ja schon eine kleine Geschichte aus 2012 dahinter, wo ich sie kennengelernt hatte. Da lag schon ein knistern in der Luft. Ich bin halt mit einem extrem guten, nahezu fotographischen Gedächtnis ausgestattet (was ich manchmal schon als Fluch ansehe) und kann mich gerade in sämtliche Situationen nach 2012 zurückerinnern, welche mit ihr stattgefunden haben. Hauptsächlich an die bildlichen Eindrücke. Deshalb war da meinerseits schon ein Grundstein für Gefühle gelegt. Und wie gesagt, als sie dann zu meiner Verwunderung auch noch anfing, Andeutungen zu machen, die mir signalisierten, dass sie an etwas Festem interessiert sein könnte, war ich quasi schon verloren.
Aufgrund von Äußerungen, die sie gegenüber meiner Person gemacht hat und anhand von weiteren Äußerungen, die ich im Laufe der Zeit von anderen fremden Personen in Bezug auf mich bekommen habe, kann ich versuchen, einen kleinen Perspektivwechsel vorzunehmen, wie sie mich zu Beginn als Person wahrgenommen haben kann: In ihren Augen war ich ein Mann, der im Laufe des letzten Jahres einige Schicksalsschläge erleiden musste und nun seinen Vater betreut, da er diesen nicht direkt ins Pflegeheim geben wollte. Das konnte sie nachvollziehen, denn sie würde ihre Eltern auch nicht direkt in ein Heim abschieben wollen sagte sie. Aufgrund seiner positiven Ausstrahlung scheint er sehr stark zu sein, man merkt ihm keine Belastung an. Das könnte ihr Eindruck gewesen sein. Denn sie sagte beim 4. Treffen zu mir, wie ich das denn überhaupt alles so machen würde. Wenn ihre Mutter gestorben wäre, würde sie schlechter aussehen und auch das mit meinem Vater, das würde alles so positiv auf sie wirken. Eine Dame von der Pflegeberatung meinte mal, als sie mich kurz erlebte, "Sie machen so den Eindruck, als würden sie das alles mit Links machen". Selbst mein Cousin und ein guter Freund von mir meinte nach dem Tod meiner Mutter so "Du nimmst das aber mit Fassung, man merkt dir garnichts an". Und ich habe ja eben beschrieben, wie es tatsächlich in Bezug auf meine Mutter war. Ich habe jetzt einfach schon sehr sehr oft mitbekommen, dass ich eine ziemlich starke Fasade nach außen hin haben muss, die ich ja auch nicht bewusst anwende (teils vielleicht) aber überwiegend bin ich halt einfach so. Daher schreckte meine Situation meine Dame anfangs ja anscheinend auch garnicht ab.
Das Schlimme ist halt, dass ich mich vor dem Treffen mit ihr Einsam fühlte, was ja dazu führte, sie zu treffen und jetzt durch den Liebeskummer fühle ich mich noch einsamer als es vorher der Fall war. Was ja auch zu verstehen ist. Emotionalbedingt fällt mir das loslassen einfach sehr schwer. So blöd sich das jetzt vielleicht anhören mag, ich "rede" ab und zu noch mit ihr. Natürlich nur in meiner Vorstellung. Es kommen einfach Momente hoch, in denen ich mir wünsche, dass ich mich ihr gerne mitteilen würde, das ich gerne dies und jenes mit ihr machen würde. Dann versuche ich natürlich auch die Sache zu verarbeiten, durchforste das Internet, habe mich auch schon sehr gut belesen zum Thema Bedürftigkeit usw. Sachlich hilft mir das auch, zu verstehen, warum und weshalb. Hier wurden dazu ja jetzt auch schon einige Punkte genannt.
Nur was mir leider noch sehr sehr oft passiert. Ich bin Abends vielleicht so weit, mir zu sagen, dass sie es nicht Wert ist usw, ich bin guter Dinge. Und dann wache ich morgens auf und es fühlt sich an, als hätte man eine "Reset-Taste" gedrückt und die Gefühle sind wieder da.