E-Claire
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Zitat von Babeth:Letztes Wochenende haben wir wieder telefoniert und sie erzählt von ihren Problemen (Krankheiten) und das das alles mit ihrer neuen Diagnose ADHS zusammenhängt.
Ehrlich gesagt, reagiere ich auf dieses, von ihr massive, ständige Hinweisgebende reden (ADHS) schon ziemlich genervt. Am Telefon kann ich mich da aber noch gut zurückhalten.
Wir hatten also telefoniert, legen auf, und wenige Minuten später schickt sie mir (wieder) einen ganzen Stapel an Informationen per WA, natürlich mit dem Hintergrund, dass ich mich mit ihrer Krankheit ADHS auseinandersetze.
Ich schreib ihr dann (war wie gesagt ziemlich genervt davon, auch weil sie wusste, dass es mir derzeit sehr schlecht geht) per WA: "Sorry Große, aber glaubst du ich habe jetzt keine anderen Probleme?."
Diese Mitteilung hat bei ihr vollkommenes Unverständnis hervorgerufen (hat sie mir auch per WA mitgeteilt).Danach war erstmal Funkstille. Am Mittwoch ging es mir dann etwas besser und ich schrieb ihr, fragend wie es ihr geht. Keine Antwort.
Nun ja, lange Rede kurzer Sinn.
Diese Nachricht hat sie offensichtlich vollkommen aus der Bahn geworfen. Jetzt kommen Dinge hoch, die schon Jahrzehnte zurück liegen.
Sie hat mir gesagt, dass sie den Kontakt zu mir abbrechen will. Ich habe in ihren Worten schon auch Verzweiflung heraus gehört, da sie das eigentlich/ vermutlich nicht wirklich will.
Ich werde ein, zwei Wochen warten, wenn es auch mir hoffentlich noch besser geht, und ihr mitteilen, dass meine Tür für sie offen steht. Aber soweit sind wir jetzt beide noch nicht.
Alle sozialen Beziehungen beruhen auf einem Austauschverhältnis, du gibst etwas, der andere gibt etwas. Davon gibt es nur zwei Ausnahmen, Lehrer und Schüler und Eltern und Kinder. Diese Beziehungen sind wie ein Fluß, sie fließen nur in eine Richtung. Aus Schülern werden Lehrer, aus Kindern werden Eltern aber nicht in dem ursprünglichen Verhältnis.
So weit ich das in meinem Umfeld beobachten konnte, ist das Erhalten einer ADHS-Diagnose etwas sehr Einschneidendes. Plötzlich machen ganz viele Dinge Sinn. Das Gefühl, manchmal ein sehr altes, immer irgendwie nicht richtig dazu zu gehören, wird auf einmal durch ein gesehen werden ersetzt. Das ist unglaublich validierend, aber damit beginnt auch für viele eine Reise, die manchmal im Außen für die Angehörigen auch nicht ganz einfach zu navigieren ist.
Du hast Deine Tochter ins Vertrauen gezogen und mit ihr über die Trennung gesprochen. Das ist gut und begründet ein momentanes noch mal besonderes Näheverhältnis und Deine Tochter entspricht dem, in dem sie dir von Dingen berichtet, die für sie gerade massiv wichtig sind. Ihr Hyperfokus ist auf Deine Überforderung getroffen und ich kann dich total verstehen, wenn ich überfordert bin, sind mir viele Ratschläge oder zu viel Information etc einfach viel zu viel. Dennoch mit dem Satz "glaubst Du ich habe jetzt keine Probleme" machst Du unbewusst einen Wettbewerb auf. Wessen Schicksal ist wichtiger, wer spürt mehr Schmerz. Und das ist halt nie sinnvoll. Natürlich nimmt sie das dann als eine Abwertung in einer ganzen Reihe von Jahrzehntelanger Verletzungen wahr, denn für die meisten neurodiversen Menschen dauert es sehr lange bis zur Diagnose und das Aufwachsen ist begleitet von Unverständnis der anderen und trotz dauernden Anpassungsversuchen großem immer wiederkehrendem Scheitern.
So gut wie kein Kind möchte den Kontakt zu den Eltern abbrechen, in den meisten Fällen ist das eine sehr schwere Entscheidung und wird dann getroffen, wenn man sich nicht weiter verletzenden Situationen aussetzen will.
Es ist ok, dass die Ratschläge Deiner Tochter oder ihre Art auf Deinen Schmerz zu reagieren, Dich überfordern, es ist auch absolut ok, dass als nicht hilfreich zu empfinden. Wichtig wäre dann aber, den Fokus nicht auf ihre Art zu legen sondern auf Deine Überforderung. Nicht mit ihrem Hyperfokus stimmt etwas nicht, sondern Du bist gerade nicht bei Kräften und brauchst etwas anderes. Meine Erfahrung mit ADHS Betroffenen ist, dass diese mit klarer Kommunikation sehr gut umgehen können, so lange man bei sich selbst bleibt. Ich zB hasse es, wenn man mir Bücher empfiehlt, also kommuniziere ich, dass ich das nicht mag und die Wahrscheinlichkeit, dass ich es dann lese, massiv sinkt. entweder frage ich konkret nach einer Empfehlung oder mag selbst entdecken. Mein Fokus bleibt bei mir, es ist nichts falsch daran, dass der andere super begeistert über ein Buch ist, das mag ich auch gerne hören, nur eben keine Empfehlungen.
Dein Satz hat große Ablehnung ausgedrückt und das ist schon auch zentrales Thema der Betroffenen. Mich wundert ihre Reaktion kein bisschen.
Wenn Du demnächst auf sie zugehen möchtest, wie wäre es damit ein Gespräch darüber zu beginnen, was ihr beide von jeweils anderen braucht? Ohne Bewertung. Du brauchst mehr Zuhören und weniger Ratschläge, was braucht sie von Dir? was ist ihr wichtig und was davon kannst Du realistisch leisten, im Moment, mittelfristig und vielleicht auch langfristig, wenn Du selbst aus Deiner Krise gefunden hast.
Alles Liebe Euch beiden.