Zitat von unbel Leberwurst:Wieso ist sie dann schwanger geworden, wenn sie schon so viele Jahre an der Beziehung zweifelt?
Vielleicht muss ich an der Stelle noch ein wenig weiter ausholen. Ich habe ihr im November 2018 einen Antrag gemacht. Da waren wir - neben kleineren Differenzen - ziemlich glücklich. Im vergangenen Jahr hat keiner von uns so wirklich Anstrengungen unternommen, die Hochzeit zu planen. Ich wollte immer eine kleine Feier, ggf mit großem Polterabend vorneweg. Sie konnte sich grds auch vorstellen, groß zu heiraten. Wir hatten an sich eine Location, die ein wenig alternativ war, uns aber sehr zusagte. Hier hätten wir allerdings viel selbst erledigen müssen, was uns beide sicherlich ein wenig abhielt. Jedenfalls war es für sie ein erstes Zeichen. Eine Hochzeit, die wir beide angeblich so wollen und keiner kümmerte sich so recht darum.
Hinzu kamen noch weitere Dinge. Sie war viele Jahre fahrtechnisch abhängig von mir. In der Stadt war das kein Problem. Sie hatte einen Führerschein, traute sich allerdings nicht zu fahren. Anfang letzten Jahres kaufte sie sich dann doch ein Auto. Sie war unzufrieden im Job und suchte sich eine neue Tätigkeit, in der sie auf einen Pkw angewiesen war. Sie kündigte also ihr unbefristetes Arbeitsverhältnis und suchte das Abenteuer in einer befristeten Beschäftigung. Allesamt Dinge, die sie vor wenigen Jahren nie gemacht hätte. Sie war vom Typ her eher sehr auf Sicherheit aus. Ich unterstützte sie natürlich nach Kräften. Anfangs gab es aber auch mal eine Formulierung von mir, die sie mir neulich vorwarf. Sinngemäß: es ist komisch, dass du jetzt Auto fährst und freier bist. Ja, ich habe es sicherlich ein Stück weit genossen, dass sie in gewisser Weise abhängig von mir war. Ich hab mich aber sehr für sie gefreut und bin letztlich gut damit klar gekommen.
Sicher auch ein Punkt von vielen. Ihre neue Arbeit war leider gar nicht zufriedenstellend, weswegen sie nach 6 Monaten zurück zu ihrem alten Arbeitgeber wechselte. Dort ist sie jetzt wiederum sehr glücklich.
Was will ich damit sagen? Sie hat ihr Wesen innerhalb kurzer Zeit ein wenig gewandelt. Von der auf Sicherheit bedachten, kleinen grauen Maus, die viel Wert auf die Meinung anderer legte hin zur mutigen, offensiven Macherin. Gut, vielleicht ein wenig zu übertrieben beschrieben, aber so in etwa war ihre Entwicklung vergangenes Jahr. Versteht mich nicht falsch, ich habe mich sehr für sie gefreut. Ich denke aber, dass diese Dinge mit dazu beigetragen haben. Dass sie dadurch den Mut aufbringen konnte, die Beziehung zu beenden.
Hinzu kommt, dass wir Anfang des Jahres erneut, aber dieses Mal ungewollt, schwanger wurden. Leider ist das kleine Wesen schon nach kurzer Zeit in ihrem Bauch verstorben. Als Mann leidet man da natürlich auch. Ich kann aber niemals eine so tiefe und enge Bindung empfinden wie sie. Sie litt sehr lange darunter und ich glaube, dass sie es mir auch zum Vorwurf macht, dass ich bereits nach einigen Tagen gut damit umgehen konnte.
Unsere Kinder sind natürlich aus Liebe entstanden und wir hatten viele tolle Momente. Und selbstredend trage ich nicht die Alleinschuld am Ende der Beziehung. Ich habe mich allerdings mit ihren - sagen wir mal - Macken arrangiert und wäre nie auf die Idee gekommen zu gehen. Dass es für sie so krass ist, habe ich nicht erkannt. Und dafür schäme ich mich auch. Jeder hat seinen Anteil am Ende einer Beziehung. Und mit meinem muss ich klar kommen. Werde ich auch, ganz sicher. Die Gedanken kreisen dennoch.