Zitat von alleswirdbesser: Drehe mir doch nicht die Worte im Mund um, mein Beispiel bezog sich auf eine in Vollzeit arbeitende Frau und nicht auf einen Rentner oder einen kranken Menschen. Es reicht langsam.
Du bezogst Dich bei Deinem Beispiel auf eine arbeitende Frau, die überlegt, einen Minijob zur Vollzeitarbeit dazu zu nehmen, weil ihr Einkommen nach Miete etc. nicht zum Leben reicht.
Und das ist ein typischer Aufstockerfall.
Und die stellst Du als Beispiel vor Bürgergeldempfänger, die in Arbeit vermittelt würden, wenn sie arbeiten könnten.
Und auf die bezog auch ich mich.
Hier wurden keine Worte im Mund umgedreht. Ich denke, dass Du zu sehr aufgebracht bist, um die vielen Informationen, die hier in kurzer Folge kommen, verarbeiten zu können. Das verstehe ich sogar.
Was ich nicht verstehe, ist warum man sich eine Meinung bildet, bevor man diese Zahlen sich angeschaut hat.
Zitat von alleswirdbesser: Ein junges Pärchen , gesund, jedoch arbeitslos, zog zusammen, kündigte jedoch die zweite Wohnung nicht, denn dann gäbe es weniger vom Staat pro Nase, als Single erhält man mehr.
Das ist ein klassischer Fall von Sozialbetrug. Wenn Du davon im Fernsehen gehört hast, dann weil die beiden eine Anzeige kassiert haben und die unberechtigt erhaltene Miete zurückzahlen mussten. Wenn die zusammen ziehen, sind die eben keine Singles mehr, sondern eine Bedarfsgemeinschaft, der ganz sicher keine zwei Wohnungen bewilligt werden.
Eine Förderung der doppelten Haushaltsführung übers Amt bei einem Mindestlohnempfänger halte ich für nicht praktisch möglich. Die zweite Wohnung müsste berufsbedingt nötig sein und einen Mindestabstand zur Familienwohnung haben. Mit Mindestlohn wird da selbst das Pendeln am Wochenende nicht möglich sein, um beide Wohnungen zu erreichen. Und dafür gibt es meines Wissens nach keinen Zuschuss. Was möglich ist, ist dass er aus der Bedarfsgemeinschaft der Familie herausgenommen wird und das Amt dann beide Wohnungen (der Familie ohne eigenes Einkommen und des zum Mindestlohn weit weg arbeitenden) bezahlt bzw. fördert. Allerdings würde einem Umzug zur Arbeitsaufnahme an einem anderen Ort nicht zugestimmt, wenn dort nur der Mindestlohn gezahlt wird. Also wie ich es drehe und wende, bekomme ich diesen Fall nicht real konstruiert.
Zitat von alleswirdbesser: Sowas steht vermutlich in keiner Statistik und wird den Amtmitarbeitern nicht erzählt.
Oh doch, Sozialbetrug steht in Statistiken, da legt die CDU/CSU großen Wert drauf.
Für 2020 habe ich die Zahl gefunden: Es wurden etwa 139.370 Verfahren wegen Verstößen bei der Inanspruchnahme von Bürgergeldleistungen (die damals noch anders hießen) durch die Sozialbehörden erfasst. Da ist dann aber auch der pfandsammelnde Opi dabei, dem zunächst die Stütze gekürzt und ihm der Vorwurf gemacht wurde, er habe mit den Pfandeinnahmen relevante Einkünfte gehabt, die von Regelsatz abzuziehen seien. Hat sich dann später als Fehlannahme der Behörde herausgestellt. Da sind auch weniger Hundert "bandenmäßige" Betrugsfälle dabei, also organisiert angemeldete z.B. Rumänen. Die sogenannte "Einwanderung in die Sozialsysteme". Und auch der Schüler, dessen Eltern nicht arbeiten, und der sich mit einem Schülerjob zu viel Taschengeld verdient. Unter diesen 140.000 Verfahren sind auch viele, die nachträglich Krankengeld bekommen, das dann gestreckt auf das Bürgergeld angerechnet wird. Die hätten das gar nicht ordnungsgemäß deklarieren können, da sie im August noch nicht wissen konnten, dass sie im Oktober nochmal 40 Euro Krankengeld für den August nachberechnet nachbezahlt bekommen.
Einschlägige Medien lassen diese Zahlen immer so eindeutig aussehen. Aber das Leben ist bunt und nicht jeder, der Arbeitslosengeld bekommt, zu faul und jeder, der Bürgergeld bekommt, ein Schmarotzer.
Von wem wir jedoch ganz sicher wissen, dass er für sein Geld keinen Handschlag getan hat, ohne krank oder sonst was sein zu müssen, sind Menschen, die rein von Zinsen und Dividenden leben. Die also "ihr Geld für sich arbeiten" lassen. Also uns alle und auch die Leute in Bangladesch und sonstwo für sich arbeiten lassen.
Ich gönne ihnen ihr Glück, für ihr Geld nicht aufstehen zu müssen.
Aber warum mein Geld aus Arbeit höher besteuert wird als ihr Geld aus Nichtarbeit will mir nicht in den Kopf.