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Nur eine Affäre?

Abendstern2018

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Guten Abend zusammen,

Bin neu hier, im Moment sehr verzweifelt und hoffe auf verschiedene Meinungen, um irgendwann mal klar zu sehen.
Dazu muss ich jetzt wohl auspacken (hoffe es wird nicht zu lang):

Ich (weiblich) bin (noch) verheiratet (inkl Kinder und Haus). Nun hab ich mich vor ein paar Wochen getrennt, näheres dazu später.
Die letzten Jahre hab ich einfach funktioniert, war doch eine heile Familie immer das, was ich mir so sehr gewünscht habe. Ich will hier nicht weiter drauf eingehen, wir hatten oft Gespräche und ich hab alles mögliche versucht, etwas zu ändern, aber irgendwann hab ich resigniert und dachte, so ist es eben.
Hoffe man versteht was ich meine.
Mein EM ist ein ganz lieber Kerl und guter Papa, aber leider eben nicht der richtige Partner für mich. Das wollte ich selbst lang nicht wahrhaben.
Nun kam, was kommen musste:
Ich hab mich verliebt. In eine (ebenfalls verheiratete) Frau. Auch das wollte ich mir monatelang erst gar nicht eingestehen, stellt es doch mein gesamtes Leben auf den Kopf!
Letzten Herbst dann, unter mittelschwerem Alk. hab ich ihr meine Gefühle gestanden und wir haben uns geküsst. Daraufhin begann wohl etwas, das man allgemein als Affäre bezeichnen kann, jedoch vorerst ohne s.
Bald schon merkte ich, dass da von meiner Seite aus mehr ist und wenn man ihren Aussagen glauben darf, von ihrer Seite ebenfalls.
Das war sozusagen jetzt der letzte Tropfen, der noch gefehlt hat und ich sagte meinem Mann, dass meine Gefühle für ihn weg sind.
Das mit ihr habe ich nicht erzählt, auch wenn es mir schwerfiel, das hätte ihm die Sache ggf leichter gemacht. Das hätte aber bedeutet, dass ihre Frau es erfährt (sie kennen sich) und ich wollte sie nicht in Schwierigkeiten bringen.
Sie hat es ihrer Frau bis heute verschwiegen, auch wenn diese in den letzten Monaten des Öfteren schon misstrauisch und sehr eifersüchtig war.
Offiziell waren wir einfach sehr enge Freunde. Meine beste Freundin kam sehr schnell von selbst drauf, was los ist, denn auf einmal war ich, was ich all die Jahre nicht war: glücklich.
Zum ersten Mal in meinem Leben hätte ich das Gefühl, ICH zu sein und da war tatsächlich jemand, der mich genau so mochte! Endlich Schluss mit dem Verbiegen und Recht-machen. Endlich jemand, der mich versteht! Ein unglaubliches Gefühl, ich bin so richtig aufgeblüht und jeder konnte das sehen.
Mein Mann und ich gingen zur Eheberatung, mehrfach wurde das Thema Trennung besprochen, aber er wollte immer weiter kämpfen und ich hatte noch Hemmungen wegen der Kinder.
Nach fast 5 Monaten nun hab ich keinen Sinn mehr gesehen und mich endgültig getrennt.
Die Affäre mit ihr wurde immer intensiver und irgendwann sprach sie von Liebe.
Die Ehe mit ihrer Frau sei ebenfalls seit Jahren eine Katastrophe, sie hätten sich total auseinander gelebt, aber sie haben sich eben so viel aufgebaut (auch Kinder und Haus).
Meine Freundin ist zudem ein absoluter Familienmensch und eine Trennung würde bedeuten, dass sie ihre Kinder nur noch am Wochenende sieht (sind leiblich von Ihrer Frau).
Kurz vor Weihnachten dann hat ihre Frau Verdacht geschöpft und sie vor die Wahl gestellt: sie oder ich.
Sie entschied sich für ihre Familie.
Wir sollen Freunde bleiben.
Mir war, als hätte man mir mein Herz bei lebendigem Leib herausgerissen.
Die Weihnachtsferien waren der Horror, durfte ich mir meine Trauer doch nicht anmerken lassen tagsüber vor den Kindern. ich habe nächtelang in mein Kissen geweint.
Natürlich hat das mit der Freundschaft nicht lang funktioniert und es ging wieder los: täglich mehrfach WA, wöchentlich mehrere Treffen (teils heimlich, teils unter dem Deckmantel der Freundschaft), die romantischsten Stunden.
Aber ich war zerrissen: die Zeit mit ihr war jedesmal so unglaublich schön, wir kamen uns so nahe, körperlich, geistig und seelisch. Dann wieder der Aufprall auf dem harten Boden der Tatsachen: sie muss nach Hause. Sie wird ihre Familie nicht verlassen.
Vorletzte Woche dann begann es zu eskalieren: ihre Frau war rasend vor Eifersucht (verständlich!)
Zwar beteuerten wir (ja, ich auch, mit unglaublich miesem Gefühl, aber IHR zuliebe) immer wieder, nur Freunde zu sein, aber sie spürte, dass da mehr ist.
Und stellte sie erneut vor die Wahl.
Ich wusste, dass meine Liebste sich niemals aktiv entscheiden könnte, ich wusste wie zerrissen sie ist und wie sehr sie darunter gelitten hat. Ihre Kinder oder ich. und nun stand ihre Frau kurz davor, zu gehen, sprich: dann würde meine Freundin ihre Kinder verlieren.
Da bin ich dem Ganzen zuvor gekommen und habe die wohl schwerste Entscheidung meines Lebens getroffen:
Ich habe meine Liebe freigegeben.

Bitte entschuldigt, ich muss mich kurz sammeln, vor lauter Tränen sehe ich kaum was.

25.02.2018 22:35 • x 1 #1


Abendstern2018


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Nun sitze ich da, mit diesem unglaublich tiefen Schmerz, bin kaum fähig einen klaren Gedanken zu fassen...
War es richtig? Warum fühlt es sich dann nur so grausam an?
Sollte man nicht stets seinem Herzen folgen?
Aber mein Herz ist zerrissen:
Ich liebe sie, denn ich will, dass sie glücklich ist.
Ist sie das nun? Wird sie es?
Sie sagte mir noch ein paar Tage später (wir haben uns kurz getroffen und verabschiedet), dass sie irgendwie erleichtert wäre und dass sie keine andere Möglichkeit sieht.
Hat sie mich denn dann überhaupt geliebt oder bin ich einfach nur naiv und dumm?
Bin ich nur ein Trottel und in die hier so oft geschilderte Geliebtenfalle getappt?

Wir haben vereinbart, den Kontakt vorerst abzubrechen, damit die Gemüter auf allen Seiten sich beruhigen.
Sie will mich nicht verlieren und irgendwann versuchen eine Freundschaft aufzubauen. Mein Magen dreht sich um.

25.02.2018 22:57 • #2


Butterkrümel

Butterkrümel


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Oh je, liebe @abendstern2018, das klingt wirklich alles sehr schmerzhaft.

Ob sie dich nun geliebt hat oder nicht, ändert aber leider nichts daran, dass sie sich für ihre Kinder entschieden hat. Auch wenn es sicherlich wie bei allen Geschiedenen eine Lösung zu gemeinsamen Kindern geben könnte, will sie eine solche nicht. Sie möchte im Bezug auf die Kinder wohl keine Kompromisse eingehen. Auch wenn es weh tut - und das wird es ihr sicher auch tun - kannst du das als Mutter vielleicht so besser verstehen?

Es ist auch bei dir wie so häufig bei Affären. Die wenigsten verlassen ihre Familie und geben alles für die Affäre auf. Auf die moralische Komponente einer Affäre brauche ich wohl nicht einzugehen, das weißt du sicher selbst und hilft dir in deiner Trauer jetzt nicht weiter.

Ich wünsche dir, dass du ganz viel Kraft findest, um wieder auf die Füße zu kommen und mit ihr abschließen kannst. Ich kann dir nur raten, den Kontakt mit ihr völlig zu vermeiden, denn sonst wird das die Wunde immer wieder neu aufreißen.

Alles Gute!

25.02.2018 23:11 • x 1 #3


Abendstern2018


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Danke Butterkrümel, für deine einfühlsamen Worte.
Ich verstehe sie sehr gut. Deswegen auch meine Entscheidung, sie loszulassen.
Aber ich frage mich, ob es denn wirklich so gut ist, den Kindern zuliebe eine lieblose bis destruktive Ehe zu führen.
Ich selbst hab für mich entschieden: nein. Kinder haben besser glückliche getrennte Eltern, als unglücklich verheiratete. Im Idealfall natürlich glücklich und miteinander verheiratet.
Mir zerreißt es das Herz, beim Gedanken daran, dass sie unglücklich ist.
Ich hoffe, sie wird durch mein Gehen wieder zu Ihrer Frau finden.
Aber was, wenn nicht? Dann verharrt sie weiter in einer kaputten Ehe und ihre Kinder leiden darunter auch.
Dann war all das umsonst.

25.02.2018 23:33 • #4


Hamburg91


Hallo lieber Abendstern

Du hast in kürzertreten Zeit leider beide Seiten der Liebe kennengelernt nämlich Himmel und Hölle (mir ist gerade keine bessere Umschreibung eingefallen). Das ist ziemlich Krass aber oftmals auch sehr hilfreich im späteren Leben.

Meine Freundin ist in genau so einer blöden ehe aufgewachsen. ihre Eltern haben sich nicht getraut das zu tun was für alles am besten gewesen wäre. Das Problem daran ist, dass alle anderen daran nichts ändern können, denn wie wir alle wissen hört man nicht immer auf andere. Wenn es dich beruhigt dann würde ich es ihr an deiner Stelle sagen aber mit ein bisschen Abstand, würdest du ihr das jetzt sagen wird sie nicht sehen das es um die Kinder geht, sondern wird nur denken das du sie mit irgendwelchen Tricks zurück haben willst.

Also finde ich du solltest versuchen mit dem Thema abzuschließen auch wenn es hart wird solltest du immer daran denken um so öfter du schwach wirst um so öfter wird es dir das Herz brechen.

Und umsonst ist es mit Sicherheit nicht denn am Ende des Tages wird der Schmerz gehen und die schönen Erinnerungen und Erfahrungen werden bleiben und genau die helfen uns irgendwann mal den richtigen Partner/in zu finden
Ich wünsche dir aus tiefsten herzen das du jemanden in deinem Leben findest der dich und du ihn/sie so liebt wie die du es verdienst.

Liebe Grüße

26.02.2018 01:21 • x 1 #5


mcteapot


Zitat von Abendstern2018:
Aber was, wenn nicht? Dann verharrt sie weiter in einer kaputten Ehe und ihre Kinder leiden darunter auch.Dann war all das umsonst.

Deine geliebte Freundin hat entschieden, ihre Wahl muss kein verharren bedeuten, betrifft jedoch sie und ihre Angetraute, dieses Paar, kann wie jedes andere Paar aus der Situation lernen und Probleme beheben.
Umsonst war es nicht, weder für dich noch für sie

Ihr hattet wunderbare Momente, konntet Euch aufeinander einlassen und eure Pegel füllen, die in euren Ehen sich leerten.
Du bist auch nicht diejenige die verlor, obwohl du im Moment dies nicht siehst. Du hast auch deine Wahl getroffen, du hast selbstlos verzichtet, das kann nicht jeder, sei dir dessen bewusst. Du bist eine starke Frau, die nun lediglich lernen muss, mit den eigenen Kindern glücklich alleine zu leben, dein Mann wird auch immer für die Kinder da sein, Du wirst sehen, es wird schön werden.

Denn alle Kinder werden ja auch erwachsen und dann kannst du trotzdem, wenn sich die Gemüter beruhigt haben, ihr noch eine gute Freundin sein, Außer du machst den finalen Cut.

Ein Leben führen, mit unstillbaren Verlangen auf Dauer ist nicht gut. Komm du erst zur Ruhe, trenne dein Leben zuerst ganz und gar von deinem Nochmann, lenk Dich ab mit Sport und Freunden, werde zu deinem neuen Ich

26.02.2018 06:37 • x 1 #6


DieTrulla

DieTrulla


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Zitat von Abendstern2018:
Aber ich frage mich, ob es denn wirklich so gut ist, den Kindern zuliebe eine lieblose bis destruktive Ehe zu führen.


Meine Meinung dazu, so schlimm kann es in der Ehe nicht sein, sonst würde sie gehen und nicht ihre Frau betrügen und belügen. Ob Kinder da sind oder nicht.
Zitat von mcteapot:
Ihr hattet wunderbare Momente, konntet Euch aufeinander einlassen und eure Pegel füllen, die in euren Ehen sich leerten.
Du bist auch nicht diejenige die verlor, obwohl du im Moment dies nicht siehst. Du hast auch deine Wahl getroffen, du hast selbstlos verzichtet, das kann nicht jeder, sei dir dessen bewusst. Du bist eine starke Frau, die nun lediglich lernen muss, mit den eigenen Kindern glücklich alleine zu leben, dein Mann wird auch immer für die Kinder da sein, Du wirst sehen, es wird schön werden.


Wunderbar geschrieben Mc. Mehr kann man im Moment dazu nicht sagen.

26.02.2018 07:41 • x 2 #7


Abendstern2018


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Danke Euch für die einfühlsamen Worte.
Es tut gut das Gefühl zu haben verstanden und nicht beschimpft zu werden und nicht allein damit zu sein.

Ich hoffe einfach, sie nutzt diese Chance jetzt auch wirklich und macht nicht einfach so weiter wie bisher...
Sie liegt mir sehr am Herzen und der Gedanke, dass sich bei ihr nichts (oder wenig) ändern könnte, schmerzt.
Klar, könnte man nun sagen: is nicht mein B., aber soweit bin ich wohl (noch?) nicht.

Und irgendwo, ganz tief im egoistischen Teil meines Herzen schlummert unruhig ein klitzekleiner Funken Hoffnung noch.
Der murmelt: auf keinen Fall jetzt, aber vielleicht ja irgendwann...
Totschlagen?

26.02.2018 11:46 • #8


Abendstern2018


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Die Kinder sind noch klein (Grundschule, Kindergarten bzw bei mir die Jüngste sogar noch daheim) und
Zitat:
Ein Leben führen, mit unstillbaren Verlangen auf Dauer ist nicht gut.

Genau davor hab ich Angst.

Is halt alles noch total frisch. vielleicht ändert sich das ja im Laufe der Zeit?

26.02.2018 12:01 • x 1 #9


mcteapot


Zitat von Abendstern2018:
Die Kinder sind noch klein (Grundschule, Kindergarten bzw bei mir die Jüngste sogar noch daheim) und

Genau davor hab ich Angst.

Werde erst mal heil für Dich
dann kannst du immer noch ihr eine gute Freundin sein, wer weiß schon was die Zeit bringt

26.02.2018 12:02 • x 1 #10


Abendstern2018


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Danke mcteapot.
Ja, ich konzentriere mich jetzt auf mein neues Leben, hab ja genug zu tun:
3 Kinder auffangen, Alltag aufrechterhalten, die Trennung an sich (was noch auf mich zukommt).
Nach über 10 Jahren als Hausfrau und Mutter nun beruflich auf die Beine kommen, finanziell unabhängig werden...

Tagsüber muss ich einfach funktionieren.

Und irgendwo müssen die Gefühle hin.

26.02.2018 12:08 • #11


mcteapot


Zitat von Abendstern2018:
Und irgendwo müssen die Gefühle hin.

Nachts wenn die Kinder im Bett, dann kannst du ungezügelt weinen und wenn dich ein Kind erwischt auch sagen, die Mami is traurig weil
- der papa (du weißt was du sagen darfst)
- weil die Freundin Kummer hat
- weil du so müde bist und nicht schlafen kannst

es wird, nur es dauert eben

26.02.2018 12:15 • #12


Abendstern2018


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Guten Morgen,

Seit gestern muss ich mich ständig gedanklich auf meine Finger setzen, ich würde ihr so gerne schreiben um zu sehen wie es ihr geht...
Es macht mich fast verrückt, die Gedanken kreisen ständig (kennt man ja vielleicht)!

Geht es ihr gut? - dann könnte ich es vielleicht besser ertragen, wenn ich weiß dass es für sie das Richtige ist.

Oder leidet sie ebenso wie ich? Wozu soll es dann gut sein?

27.02.2018 08:33 • #13


mcteapot


Du bist bei ihr gedanklich, wo sollst du hin? Bei dir musst du sein. Du kannst ihr alles schreiben, in ein Buch, aber es ihr nicht geben, auch Tagebuch schreiben hilft bei dem Prozess

27.02.2018 08:36 • x 1 #14


Abendstern2018


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Ich hab am Wochenende ein Buch gebastelt, es trägt den Titel 100 days, darin will ich jeden Tag meine Gefühle festhalten.
Warum 100 Tage? Jetzt bekomm ich sicher gleich virtuelle Prügel:
Wir haben vereinbart, uns am am 06.06. wieder zu sehen und dann zu schauen ob wir eine Freundschaft aufbauen können.

Ich kann im Moment einfach nicht akzeptieren, dass unsere Liebe nicht gelebt werden darf

Wenn ich wüsste, dass es ihr wenigstens gut geht! Dass sie was draus macht.
Dass sie glücklich ist oder es bald wird.

27.02.2018 08:55 • x 1 #15




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