Guten Morgen @Bjobo es tut mir sehr leid zu lesen, wie du vom Schicksal durchgebeutelt und dann als Krönung auch noch verlassen wirst

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Das Ding bei Vermeidern, die schwer Gefühle zeigen können, ist das, dass die Beziehung oft sehr einseitig vom anderen am Laufen gehalten wird. Wenn der Motor bei dem mal stottert, dann fehlt da ein sehr großer Teil, der die Beziehung ausmacht, und dann fühlen sie sich schnell ungeliebt und sind unzufrieden. Artikulieren können sie ihre Bedürfnisse leider nicht. Ging mir letztes Jahr ähnlich, mein Mann hat mich auch nach 24 in einer für mich sehr schweren Zeit verlassen, statt mir beizustehen, weil mein Fokus eine zeitlang nicht so stark bei ihm lag, wie er es aus all den Jahren davor kannte. Aber so ist das eben, wenn Familienangehörige sterben oder Pflege brauchen.
Was ich gut finde: trotz allem bist du vorsichtig optimistisch. Du sagst, dass du immer wieder aufgestanden bist und das wird dir auch jetzt gelingen. Auch wenn wir wissen, dass es so sein wird, macht das den Schmerz leider nicht erträglicher. Da muss man durch. Gut ist auch, dass du Therapie machst und dich in dieser sehr schweren Zeit begleiten lässt. Hab ich auch gemacht und bin dadurch halbwegs gut durch die Krise gerutscht. Andere wären in deiner Situation schon längst nicht mehr in der Lage, arbeiten zu gehen oder sich sogar noch um jemand anderen zu kümmern. Begleitung und inneres Mindset sind superwichtig in solchen Krisenzeiten.
Dass du eine Aussicht auf einen Job hast, ist toll. Das gibt Struktur und man lernt auch wieder neue Leute kennen und neue Aufgaben hat man auch - das lenkt ab. Zusätzlich nimmt es die Existenzsorgen!
Bei deiner Mama suchst du offensichtlich auch nach Wegen, wie du dich unterstützen lassen kannst und das ist ein wirklich wesentlicher Punkt. Niemand sollte die Pflege eines kranken Menschen alleine übernehmen, dauerhaft ist das einfach nicht zu stemmen, auch wenn man es aus Liebe macht. Hier solltest du deiner eigenen Gesundheit den Vorrang geben - man ist nur fähig, anderen zu helfen, wenn es einem selbst gut geht.
Positiv ist auch, dass du dich mit deiner Frau an einen Tisch setzen und mit ihr reden kannst. Sie wird ihre Entscheidung nicht revidieren, aber ein Rosenkrieg wäre noch eine weitere Belastung. Trotz allem fällt es vielleicht leichter, die Trennung zu akzeptieren und auf sich zu schauen, wenn man einfach den Kontakt abbrechen kann, ohne dass noch irgendwelche Konflikte ausgetragen werden müssen.
Der Kummer ist trotzdem da und wird nun für einige Zeit dein Begleiter sein. Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit und Freudlosigkeit sind typische Begleiter von Liebeskummer. Alles roger, solange das kein Dauerzustand wird und du nur mehr diese negativen Dinge wahrnimmst. Schrittweise kann man versuchen, sich Schlaf und Appetit und Freude wieder zurückzuerobern, auch wenn das zunächst nur bei Kleinigkeiten der Fall ist.
Alles Gute für dich!