Sehr geehrte Damen,
nach eingehender Lektüre der letzten Seiten erlaube ich mir höflich die Frage, ob der ursprüngliche Themenstarter noch Bestandteil dieses Threads ist oder inzwischen stillschweigend aus dem Programm genommen wurde.
Derzeit befinden wir uns offenbar im Rahmen einer mehrteiligen Veranstaltungsreihe mit dem Titel:
„Ich, meine Oma, meine Weltanschauung und warum die anderen sie dringend kennenlernen sollten.“
Wir durften mittlerweile erfahren, dass Omas über 90 werden können, Feministinnen sein können, nicht an Hosen kleben, Frauen zur Selbstständigkeit erziehen und offenbar noch Jahrzehnte nach ihrem Ableben zuverlässig als Kronzeuginnen für aktuelle Forumsdiskussionen zur Verfügung stehen.
Das ist zweifellos beeindruckend.
Ebenso konnten wir klären, dass Mütter Kinder betreuen, manche Männer am Rockzipfel ihrer Frauen hängen, Affären als Problemlösungsstrategie eher umstritten sind und ein Hydrant möglicherweise Schwierigkeiten mit Richtungsbefehlen hat.
Auch die Frage, ob „Fräulein“ eine geeignete Anrede darstellt, ob Starrheit das Kreuz gefährdet und ob bestimmte Phrasen bereits erste geriatrische Auffälligkeiten erkennen lassen, wurde inzwischen mit einer Gründlichkeit behandelt, um die uns vermutlich manche medizinische Fakultät beneiden würde.
Kurzum: Wir wissen jetzt erstaunlich viel über Fenjals Oma, Fenjals Lebensphilosophie, Igelfischs Einschätzung von Müttern und Männern sowie Akeleis Einschätzung von Fenjals Einschätzung der Welt.
Nur über das eigentliche Thema wissen wir inzwischen verdächtig wenig.
Vielleicht wäre daher ein kleines Experiment denkbar: Bevor man auf „Absenden“ klickt, kurz überlegen:
„Hilft das gerade dem Themenstarter – oder möchte ich eigentlich nur noch einmal erklären, wer ich bin, wie ich lebe, was meine Oma gesagt hätte und warum die andere Userin dringend ihre Persönlichkeit überdenken sollte?“
Falls Letzteres zutrifft, könnte man sich möglicherweise einfach einmal beherzt nicht selbst zum Thema machen.
Denn ein Forum lebt zwar von persönlichen Erfahrungen und unterschiedlichen Meinungen. Wenn aber aus jedem Thread irgendwann eine Mischung aus Familienchronik, Feminismus-Symposium, Ferndiagnostik, Lebensbeichte und persönlichem Kleinkrieg wird, könnte der Themenstarter irgendwann auf die gewagte Idee kommen, dass es ursprünglich einmal um seine Frage gegangen ist.
In diesem Sinne wünsche ich allen beteiligten Damen weiterhin einen angeregten Austausch – vielleicht zur Abwechslung sogar einmal zum Thema.
Mit vorzüglicher Hochachtung
ein Leser, der inzwischen mehr über diverse Großmütter weiß, als er beim Öffnen des Threads erwartet hatte
