Zitat von Laetitia2024: Für das Opfer, der Frau, der er unter den Rock gefilmt hat, ist der Vorfall bestimmt traumatisierend gewesen. Das ist unbestritten und soll nicht heruntergespielt oder verharmlost werden.
Ich bin mir da tatsächlich nicht so sicher.
Erstens finde ich es genauso grenzüberschreitend, davon auszugehen, dass Leute von Handlung xy bestimmt ein Trauma haben, wie ich es grenzüberschreitend finde zu sagen, dass Erlebnis z viel zu harmlos ist, um davon traumatisiert zu sein. Das Erleben der betroffenen Person ist das einzige, was zählt.
Und auf einer Handlungsebene wünsche ich mir, dass die betroffene Frau jede Unterstützung bekommt die sie braucht. Die filmende Person anzuzeigen war sicher ein wichtiger Schritt Richtung empowerment.
Ich fand in dem Zusammenhang die Schilderung von dem Rocklupfen am Schulbuss sehr aufschlussreich. Ich denke, dass ich als betroffene dieses Erlebnis deutlich schlimmer gefunden hätte, weil ich vor der ganzen Kinderschar bloßgestellt worden wäre, vor Leuten, die man im RL kennt und mit denen mann täglich Umgang hat und noch lange täglich Umgang haben muss. Und alle haben diesen im wahrsten Sinne des Wortes entblößenden Augenblick miterlebt.
Deshalb wäre es für mich sehr relevant, ob der Freund vor hatte, die Bilder online zu stellen. Dieses Bilder verbreitet zu sehen, und vielleicht davon zu erfahren, wäre für mich wahrscheinlich die traumatisierende Sache an dem ganzen Vorgang.
Weiter sehe ich das Problem halt tatsächlich ein wenig systemimmanent: Körper, besonders *beep* weibliche Körper, werden einfach immer sexualisiert. Die Narration, dass Frauen manche Körperteile verhüllen müssen, weil sie sonst unvermeidlich niedere Triebe in anderen hervorrufen, hält sich hartnäckig. Lediglich in der Überlegung, wieviel die jeweiligen Frauen verhüllen müssen, gibt es kulturelle Unterschiede. Lustigerweise ist die Narration bei Männern anders: Sie müssen Körperteile verhüllen, weil sie Frauen nicht zumutbar sind. Beides lädt Situationen sexuell unnötig auf.
Ich bin nicht dafür, dass wir jetzt alle nackig rumlaufen, aber ich denke sehr viel darüber nach, wie man die Übersexualisierung von Körpern wegbekommen kann.
Dafür, dass es diese Sexualisierung gibt, dafür, dass es einen riesigen Markt für das eklige Filmchen gäbe, und dafür, dass das Bewusstsein bei Männern vielleicht etwas hinterherhinkt, kann er nix.
Ok, was will ich mit all dem sagen.
Ich möchte auch nicht in einer Welt leben, in der ich dauernd aufpassen muss, dass meine Bilder nicht als Wichsvorlagen auf privaten Handys oder schlimmer, im Internet landen.
Ich bin sehr froh, dass ich in einer Welt lebe, in der entsprechendes als Straftat gilt, und ich feiere die Frau dafür, hier ganz klar gehandelt zu haben und ich bin froh, dass das anscheinend entsprechend verfolgt wird.
Ich bin aber eben immer noch dafür, die Tat und die Identität der Person zu trennen.
Ich kann auf einer psychologischen Ebene durchaus verstehen, warum in der Situation die Versuchung da war.
Meiner Meinung nach muss man für dieses Verständnis auch keine groben sexuellen Störungen heranziehen und auch nicht den kompletten Charakter in Frage stellen. Deshalb würde ich an TEs Stelle tatsächlich zum Verzeihen neigen, falls es der einzige Fehltritt war, und falls ihr Freund wirklich verstanden hätte, warum sein Verhalten wirklich gar nicht geht und zurecht strafbar ist.