Hallo alle Zusammen,
ich denke mal wieder nach.
Wir halten jetzt mal ein wenig die Fakten fest:
Wir denken permanent an die schönen Zeiten, die wir mit unseren Expartnern hatten und es lässt uns nicht los unser ganzes Leben ob Tag oder Nacht kreist nur um diese Erinnerungen. Schöne Zeiten, Urlaub, Kinobesuche, Musicalbesuche, Spaziergänge, Essen gehen, auf dem Sofa Chips essen, feiern gehen zusammen, trauern um einen Menschen zusammen, alles Erinnerungen an diese doch so fabelhafte und perfekte Beziehung und verstehen überhaupt nicht, warum sich diese Mensch von uns getrennt hat. Es war doch alles so schön.
Egal aus welchen unterschiedlichen Gründen hier im Forum wir verlassen wurden. Die eine Person wurde verlassen, weil zu wenig Liebe, die andere, weil zu viel Liebe und die äußeren Umstände den Tod der Beziehung brachten, der nächste wurde verlassen, weil der Ex plötzlich lieber mit jemand anderen zusammen sein will. Der nächste wiederum, weil er Bindungsängste hat, wieder ein anderer wurde verlassen, weil der Ex Verlustängste hat, usw, usw.
Ich bin ja nun schon älter als die Meisten hier. Es ist nicht meine erste Trennung, es ist auch nicht das erst mal, dass ich getrennt wurde. Ich selbst habe 2 mal nach langen Beziehungen die Trennung vollzogen. Ich weiß, was danach passiert.
Ich habe auch mit meinen anderen Partnern tolle Urlaube, fabelhafte Urlaube gehabt. Ich habe auch mit meinen vorherigen Partnern Zukunftspläne bis ins hohe Alter gehabt. Ich habe auch mit ihnen wunderbare Momente, einzigartige Momente erlebt, die wir beide nie vergessen werden, auch traurige Momente, die verbinden. All' diese Dinge, die eine Beziehung ausmachen hatte ich mit den Partnern davor auch. Es gibt tausend Fotos, Kuscheltiere, Geschenke ordentlich in Kartons verpackt, Erinnerungen, die man damals weg getan hat.
Unser Herz oder Gehirn oder was für ein Teil auch immer im Körper gaukelt uns im Moment vor, die/der letzte Ex war das Non plus Ultra. Nur mit ihm/ihr kann man sich eine Zukunft vorstellen und vorstellen in Frieden und Zufriedenheit alt zu werden. Mit den anderen Partner wollte ich genau das gleiche. Nur die jetzige Ex ist die Liebe überhaupt, man hatte das Gefühl angekommen zu sein, Hatte ich bei den anderen auch. Mit der ExEx hatte ich sogar vor 7 Jahren eine gemeinsame Wohnung gekauft, denn wir bleiben ja für ewig zusammen - ich habe sie nach 10 Jahren verlassen, egal aus welchem Grund.
Aber jetzt ist alles ganz anders. Meint ihr nicht, wir idealisieren hier die letzte Beziehung oder ist es nur ein Streich unseres Gehirns oder irgendwelcher Hormone oder so etwas? Genau diese Beziehung wollen viele hier wiederhaben und wenn er/sie sich meldet, dann starten wir eventuell einen Neuanfang. Warum? Denken alle es wird dann alles gut? Nur weil derjenige wieder da ist? Ist es vielleicht nicht doch so, dass irgendwas einem Part der Beziehung gefehlt hat? Ich bin nach meinen Trennungen auch wieder glücklich geworden, es hat gedauert, aber ich habe nie einer Partnerschaft nach getrauert, am Anfang schon, aber dann irgendwann nicht mehr. Irgendwann kam ein neuer Partner, auch wenn er meine Vergangenheit nicht zu 100% teilen konnte, wie auch, wurden wir glücklich. Es gab eine neue Vergangenheit und eine neue Zukunft.
Jede Partnerschaft ist unterschiedlich, die eine passt besser als die andere, wenn ich all' das haben wollte, was ich will, müsste ich mir meinen Partner zusammen basteln, das wäre sehr aufwendig und wohl kaum zu bewältigen.
Wir trauern, weil uns recht plötzlich etwas weggerissen wurde, das ist wie eine Amputation. Die Gewohnheiten sind weg. Zusammen kochen, ausgehen, Filme angucken, frühstücken, lachen, weinen, rumalbern, ärgern, kitzeln, andere Leute treffen, kuscheln, zusammen putzen, zusammen baden gehen, Frühstücksbrote schmieren, Abenteuer erleben, Urlaube planen und machen, Sekt trinken, Kaffee trinken, neue Getränke mixen, Whatsappen schreiben und erhalten, Liebesschwüre hören, Zärtlichkeiten, usw.
All' das wurde uns von einem auf den anderen Tag entrissen. Und kein Ersatz in Aussicht! Es ist normal, dass wir krank werden, dass wir Grübeln, dass wir gar nichts verstehen, tausend Fragen haben, schlecht träumen, wenig Essen, zu viel Rauchen, etc. Weil wir auch erst mal krank sind. Es ist die Sehnsucht nach diesen Dingen, die uns krank machen, weil es schön ist, jemanden an seiner Seite zu haben, der einen liebt, zuhört, auffängt mit einem redet. Jetzt sind wir erst mal allein, allein, allein, allein, allein.
Aber es geht weiter und das verspreche ich jedem von Euch und ich vertraue meiner Erfahrung, die ich gemacht habe. Ich trauere doch nur, weil 1. mein Ego verletzt wurde und 2. weil meine Zukunftspläne zerstört wurden und 3. weil ich alleine bin und bei einigen 4. ich schon wieder ersetzt wurde (also eigentlich Punkt 1).
Die schönen Dinge dies Lebens aber kann ich auch mit einem anderen Partner erleben und teilen, ich muss nur geduldig sein und natürlich offen für etwas Neues sein, das ist klar. Das braucht ein wenig Zeit. Aber nur 1 mal im Leben lieben, es tut mir leid, ich kenne das nur aus Hollywoodfilmen und ich glaube da nicht mehr dran. Sicherlich gibt es solche Paare, kein Thema, aber in der heutigen Zeit eher selten, wenn ich mir da die Statistiken anschaue. Alles ist schnelllebiger, die Bedürfnisse höher gesteckt, alle sind anspruchsvoller. Früher in klaren Rollenverteilungen war es vielleicht anders, weil man nichts anderes kannte, aber heute sind die Ansprüche doch anders.
So, das war mein Wort zum Samstag. Ich bin jetzt bei den Nachbarn, die bereits seit 25 glücklich miteinander eine offene Ehe (auch eine Variante) pflegen.