@Sunnywell
Zum Verzeihen kommt man ueber das Verstehen und das Akzeptieren. Man muss verstehen und akzeptieren, dass der Lebensweg des Expartners ein anderer ist als der unsere. Dass wir einen gemeinsamen hatten eine Zeit lang, dass unsere Wege sich getrennt haben, weil es fuer den anderen niicht mehr gepasst hat, sich die Gefuehle geaendert haben, sich Lebenssituationen veraendert haben in einer Weise, dass ein weiterer gemeinsamer Weg fuer einen nicht mehr moeglich ist, wenn bestimmte wichtige Dinge und Prozesse auch im Bereich der Persoenlichkeit nicht rechtzeitig kommuniziert wurden ...es gibt sehr viele unterschiedliche Gruende, aber sie alle sind zutiefst menschlich. Ich weiss, dass Verstehen und Verzeihen auch ein Prozess ist, der umso schwerer ist, wenn das Geschehene so gar nicht nachvollziehbar ist. Bei mir und auch bei anderen, war es ja besonders krass. Da kam eine abrupte Trennung einen Tag nach einem Liebesgruss und konkreten Heiratsplaenen. Wie soll man das verstehen und verzeihen? Ich gebe zu, dass es schwerer fuer mich geeordrn waere, wenn ich nich 2 Monate spaeter drn eigentlich Grund erfahren haette. Ich habe mir deshalb ueberlegt, wiexes mit diesem Verzeihen ausgesehen haette, wenn ich es bis heute nicht wuesste. Ich haette dann nur gewusst, es gab Gruende fuer ihn. Ich kenne sie nicht, muss aber doch letztendlich akzeptieren, dass er sie hatte, sonst haette er sich nicht getrennt. Es ist zutiefst menschlich nach drm 'Warum' zu fragen. Das hat Hiob auch getan, nachdem er alles verloren hatte, klagte Gott an und ist unter seiner Last bald zusammengebrochen. Jetzt bin ich kein Kirchgaenger, habe aber fuer mich entdeckt, dass einige Lebensweisheiten der Bibel durchaus hilfreich sein koennen, das eigene Leben zu verstehen. Und auch wenn man nicht an Gott glaubt, ist die Antwort Gottes zu verstehen: Deine Wege sind nicht meine Wege und meine Wege sind nicht deine Wege' . Uebersetzt heisst das fuer mich heute, dass unser Leben andere Wege gehen muss, ohne den geliebten Partner, wie auch immer die fuer uns aussehen moegen. Unser Leben soll und wird sich anders gestalten als von uns noch in Zeiten mit dem Ex-Partner gewuenscht und erhofft. Und wir werden oft erst viel spaeter erfahren, dass sich auch solche dunklen und kantigen Puzzleteile in unser Leben sinnvoll einfuegen. Wenn wir das verstehen, koennen wir verzeihen. Nein, vergessen werden wir nicht und verzeihen heisst auch nicht, aufhoeren zu trauern. Aber das Trauern hat eine andere Dimension, wenn ich meinen Frieden mit mir und der Vergangenheit gemacht habe. Ich habe mir auch ueberlegt, wie ich an ihn heute denken wuerde, wenn ich nichts mehr von ihm gehoert haette. Ich weiss, ich wuerde mit Liebe an ihn denken, obwohl er mich so tief verletzt hat, denn erst durch ihn durfte ich ueberhaupt wissen, was wahre Liebe ist, wie sie sich anfuehlt, aber auch m um ihre Ambivalenz, wie sie zu tragen und zu schmerzen weiss. Doch, ich weiss heute, dass ich mit etwas Abstand in der Lage waere, ihm fuer die Zeit der gelebten Liebe zu danken, denn es waren wundervolle Jahre und seine mir zugefuegten Verletzungen verzeihen koennte. Es kommt nun etwas Anderes, Neues. Es ist, wie es ist, sagt die Liebe ...(frei nach Erich Fried)
Liebe Sunywell. Ich wuensche dir von ganzem Herzen, dass auch du verzeihen kannst, zu sehen und akzeptieren vermagst, dass, warum auch immer, sich eure Wege getrennt haben. Dass du sehr traurig bist darueber und dass dein Herz schmerzt, weil du ihn vermisst, seine Naehe, seine Waerme, das Gefuehl von Gemeinsamkeit und guten Gespraechen, wird dich evtl noch eine Weile begleiten, aber es wird leichter, wenn du akzeptierst und Frieden schliesst, mit dir, mit ihm, mit dem, was war. Es wird immer zu dir und deinem Lebensweg gehoeren. Du wirst diesen Teil deines Lebens nie verlieren und nach dem Durchschreiten des Tals der Traenen sehen, dass das, was du durchstehen musst, fuer dich einen Sinn hatte.