Herzsprung
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ich weiß garnicht so recht wo ich anfangen soll. Während ich diese Zeilen schreibe, muss ich immer mal wieder weinen. Ich bin verwirrt, habe die Nacht kaum geschlafen und weiß nicht wie es nun weitergehen soll.
Ich schreibe einfach drauf los und hole auch ein wenig aus, damit Ihr die Hintergründe einigermaßen nachvollziehen könnt. Bitte verzeiht mir, wenn meine Sätze unstrukturiert und teilweise abgehackt wirken, aber für mehr reicht es momentan nicht.
Also. Meine Ex-Freundin und ich sind oder vielmehr waren seit 7 Jahren ein Paar. Ich bin jetzt 30 und sie 26. Schon bei unserem ersten Kennenlernen war ich von ihrer Art und ihrem Wesen begeistert. Sie vereint viele Eigenschaften in sich, die ich bislang noch bei keiner Frau in der Form sah, ist intelligent und auch äußerlich attraktiv. Ich fühlte mich vom ersten Moment an verstanden, so wie ich es noch nie erlebte. Sie ist ein herzensguter Mensch. Auch im Laufe unserer Beziehung kommt man ja mit vielen Leuten (darunter auch Frauen) ins Gespräch und erfährt deren Einstellung zu bestimmten Bereichen einer Beziehung. Danach war ich immer heilfroh, dass ich doch meine Maus hatte! Kennt ihr dieses Gefühl? Zu wissen, dass keine so wie sie sein kann und man sich glücklich schätzt bzw. andere Leute einem schon fast Leid tun, dass sie dieses Glück nicht haben können. Sie empfand für mich stets das gleiche wie ich für sie und das teilten wir uns auch regelmäßig gegenseitig mit. Die Sätze "Ich bin so froh, dass wir uns haben", "Wir sind das selbe" und "Wir sind gut zusammen" fiel von beiden Seiten sehr oft. Ich gab ihr halt in vielen Lebenslagen, schenkte ihr bis dato nicht gekannte Geborgenheit und wir lernten viel voneinander. Es herrschte all die Jahre ein unbeschreibbar großes Vertrauensverhältnis. Und das obwohl ich grundsätlich dazu neige stark eifersüchtig zu sein. Ich vertraute ihr blind und das tue ich noch immer. Wir verstehen uns ohne Worte, standen uns sehr nah und gaben/geben uns halt. Sowohl privat als auch im Studium und später beruflich. All die Jahre machten wir alles gemeinsam, wirklich alles! Unser Freundeskreis schrumpfte auf eine überschaubare Größe. Wir waren "das selbe" wie wir immer sagten und ja so war es tatsächlich. Kein Tag verging ohne Kuscheln, Umarmungen, Küsschen und liebe Worte. Und nun soll das alles plötzlich vorbei sein? Jetzt muss ich wieder weinen...
Vor kurzem machte ich ihr dann einen Heiratsantrag, den sie auch annahm. Seitdem steht das Thema Hochzeits- und auch Kinderplanung immer wieder mal im Raum. Wir wollten beide nicht sofort heiraten, das stand für uns fest. Nur keinen Stress, denn es ist ja noch Zeit. Dennoch hatte ich stets das Gefühl, sie damit überrumpelt zu haben. Zu dem Zeitpunkt war sie offensichtlich noch nicht bereit. Das änderte sich aber und unsere Pläne wurden in letzter Zeit nach einigem Auf und Ab (dazu gleich mehr) konkreter. Sie war sich also sicher, dass sie mich heiraten will.
Auch das Thema Kinderplanung stand immer häufiger zur Diskussion und war auch regelmäßig Streitpunkt, wobei "Streit" in Form einer sachlichen Diskussion ablief. Aus meiner Sicht passt alles. Wir sind beide seit einigen Jahren beruflich erfolgreich und verdienen sehr gut. Wir sind gesund, das Umfeld steht hinter uns und...warum nicht? Sie sagte mir aber seit Jahren klipp und klar, dass sie nicht weiß wann sie Kinder will. Aber sie wollte auf jeden Fall Kinder mit mir, nur wäre sie zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bereits dazu. Wir einigten uns schließlich darauf, noch 3 Jahre zu warten und das "Projekt Kind" dann anzugehen. Sie wäre nach ihrer Aussage dann kurz vor der 30 und könnte sich sehr gut vorstellen, dass sie dann bereit dazu ist. Irgendwann müsse man ja starten. Für mich als Mensch mit hohem Sicherheitsbedürfnis ein akzeptabler Kompromiss, mit dem ich mich nach kurzer Zeit anfreundete. Mittlerweile war es mir auch egal wann wir heirateten, hauptsache ich heiratete diese Frau und würde mit ihr alt. Es war nun alles gut und auch alles geklärt. Unser Entschluss stand fest, doch ich hatte stets das Gefühl sie zu einer Entscheidung geführt zu haben, die sie nicht wollte und es gab meinerseits vereinzelt Bedenken, dass sie doch einen Rückzieher macht.
In den letzten drei Tagen verbrachte sie die Zeit bei ihrem Bruder, der beruflich stark eingespannt ist und sie ihn daher selten sieht. Dort gewann sie anscheinend genug Abstand und konnte über unsere Beziehung nachdenken. Gestern holte ich sie ab, doch die Begrüßung war kühl. Ich merkte sofort, dass etwas nicht stimmte. Sie wollte reden, wenn wir zu Hause sind. Die gesamte Autofahrt über sprachen wir kein Wort miteinander. Ich ahnte schlimmes. Zu Hause dann der Knall. Sie sagte, dass unsere Lebensentwürfe offensichtlich nicht zusammenpassen und sie sich bezüglich Kinderplanung einfach noch nicht festlegen kann und will. Sie will die Welt bereisen, viel erleben und entdecken. Und sie will weg aus unserer Stadt, woanders leben. Der Hauptgrund sei aber, dass sie mich nicht mehr liebe...das tat am meisten weh! Hatte sie mir doch vor wenigen Tagen noch gesagt wie sehr sie mich liebt und wie glücklich sie sei, den Mann an ihrer Seite zu haben. Das alles habe sie sich angeblich nur eingeredet und gehofft, dass schon alles gut wird. Das wurde es aber nicht. Ihr tut es sehr leid, dass sie mir damit so weh tut und das glaube ich ihr auch. Aber es wird wohl keinen anderen Weg geben als diesen. Es lohnt sich offensichtlich nicht zu kämpfen. Sie liebt mich sowieso nicht mehr. Und ihre Lebensplanung sieht nunmal anders aus als meine. Es fällt aber insbesondere aufgrund der vielen schönen Jahre die wir hatten sehr schwer und zerreißt mir mein Herz.
Tja, jetzt sitze ich hier. Verlassen. Wie soll es weitergehen? Wir wohnen seit vielen Jahren zusammen. Die Wohnung müssen wir wohl kündigen, ausziehen und viele Dinge regeln, die damit in Zusammenhang stehen. Sie liegt jetzt noch im Bett und schläft. Ich würde mich gern zu ihr kuscheln, so wie früher. Aber sie liebt mich nicht mehr. Gestern wies sie mich nach vielen Jahren erstmals ab. Das war so ungewohnt und wirkte nicht real. Und es tut so weh! Nach und nach realisiere ich was gestern passiert ist. Ich hatte gehofft, dass sie mich am nächsten Morgen in gewohnter Weise liebevoll anlächelt, mich in den Arm nimmt und mich mit den Worten beruhigt, dass alles nur ein böser Traum war! Und das alles gerade jetzt! Seit gestern habe ich Urlaub für die nächsten Wochen. Unsere Urlaubsbuchung werden wir stornieren. Die nächste Zeit wird der absolute Horror.
Ich kann nicht mehr...
Gruß