Liebe Marie, dein Thema habe ich von Anfang an mit verfolgt, im Stillen großen Anteil genommen und mich über deine Entwicklung sehr gefreut. Starke Frau! Aber wenn ich meinen Blick auf deinen Ex richte, bezweifle ich, daß er eine ähnliche Trennungsverarbeitung vorgenommen hat. Ihr wart lange Jahre zusammen, dann die Sache mit seinem Burnout, die neue Frau (und hat sie nicht auch Kinder - oder spukt mir da eine falsche Info im Kopf herum?), der Auszug, die Übertragung des Hauses, der Verlust von Freundschaften, von Familie (deine Eltern waren ihm auch sehr gewogen, nicht wahr?) etc... Das alles ist auch für einen sich trennenden Betrüger ein ziemlicher Happen, den er für sich bewältigen muss. Was er nicht unbedingt kann, in seinem neuen Umfeld mit sicherlich fordernder Frau (und deren Kindern)... Nicht gerade unanstrengend

)
Da vermisst man(n) schon mal sein altes Leben, die tiefe Vertrautheit, die wohltuende und unbeschwerte Zweisamkeit, die man vor einiger Zeit vielleicht noch so unsäglich langweilig fand...
Schau mal, auch er kann 12 Jahre nicht einfach so ausradieren. Die schönen Erinnerungen an gemeinsame Urlaube, Unternehmungen... Ihr hattet einen sicheren Hafen, einen Ankerplatz - und der fehlt ihm sicherlich sehr. Mal wieder zur Ruhe kommen, entspannen, verstanden werden auch ohne viel Worte. So zu sein und akzeptiert zu werden, wie man ist. Das ist das Herrliche an einer langen Beziehung.
In einer neuen Beziehung ist - vielleicht - auch vieles zunächst etwas Schau, Tamtam, um zu trommeln, wie toll man(n) ist - und klar, in den ersten Monaten der Verliebtheit sind Energien da, die in der alten Partnerschaft leider nicht zu mobilisieren waren... Jedoch auch diese werden verbraucht. Und dann zieht der Alltag ein. (Und wenn die Kinder der Neuen tatsächlich vorhanden sein sollten, wie in meiner Erinnerung verankert, dann ist das auch nicht gerade lustig, fremde Kinder um sich zu haben und für schönes Wetter zu sorgen, nur weil man guten Eindruck machen möchte, um der tollen Neuen zu gefallen...- anstrengendes Terrain, wenn man selbst keine eigenen Kids hat...).
Ich werbe nicht für Verständnis für deinen Ex, sondern für einen anderen Blick auf die Dinge. Natürlich hat er noch Gefühle für dich wie du für ihn. Aber ich meine, daß das mit Liebe nichts mehr zu tun hat, sondern mit Erinnerung an langsam verblassende Gefühle, an die schöne Verbundenheit und Vertrautheit, die man miteinander hatte und natürlich auch eine gewisse Trauer (und Sehnsucht). Das ist doch alles menschlich. Und zeigt m. E. auf, daß ihr wirklich bis zu seiner Hammer-Einlage eine schöne Partnerschaft hattet.
Lass dir und ihm Zeit. Schau mal, die Abstände werden doch größer in denen er sich meldet, nicht wahr? Er hatte wahrscheinlich ein echtes Tief und Sehnsucht nach dir. Ich denke nicht, daß er dich verärgern, kontrollieren will. Er kann dich nur nicht völlig aus seinem Leben streichen - zumal sein Schuldbewusstsein, sein Gewissen ihm zwischendurch - und vielleicht auch gerade dann, wenn es mit Next suboptimal läuft - zuflüstern wird: "Du A... hast es durchtrieben"...
Die Abnabelung dauert.... teilweise und individuell sogar wohl sehhhhr lange...

Aber du bist auf einem guten Weg für dich. Genieße deine Unabhängigkeit, das ist so unglaublich viel wert. Und orakle nicht zu viel, ob du ihn evtl. noch lieben könntest.... Das sind die "Nachwehen"

Wobei ich meine, daß unsere Partnerschaften natürlich Spuren in uns, in unserer Seele hinterlassen - Spuren von restlichen Gefühlen, die wohl mehr Erinnerung an die guten Zeiten sind, aber auch Wunden....
Und wie Krönchen schon schrieb: Versuche es mal mit dem gedanklichen STOPP, um dem Kreisel zu entrinnen. Du meisterst das! Er irgendwann auch!
Viel Glück!