Zitat:>> Könnte ich den mir am hilfreichsten Beitrag benennen, dann wäre das der von KPeter<<
Danke für die Blumen. Das freut mich. Ich finde allerdings, dass sich auch einige andere Teilnehmer viel Mühe gegeben haben, auf deine Situation dergestalt einzugehen, dass sie nicht verallgemeinern oder verurteilen.
Deine Sichtweise auf deine Ehe ist ungewöhnlich, darum möchte ich gern noch mal auf einige deiner Sätze aus den letzten Beiträgen eingehen:
Zitat:>> Wir sind seit sieben Jahren zusammen und waren vorher beste Freunde. Die Ehe fußt also auf einer guten Vertrauensbasis, die trotz aller Differenzen grundsätzlich noch besteht.<<
Das scheint, vor allem in Bezug auf die vorhergehende Freundschaft, eine gute Basis zu sein. Und auch die leidenschaftliche Ebene ist ja deiner Beschreibung nach trotz der langen gemeinsamen Zeit noch sehr lebendig. Eine Beziehung, die aus der freundschaftlichen Liebe und der leidenschaftliche Liebe fußt, hat eine sehr gesunde Basis. Fehlt nur noch die "projektbezogene partnerschaftliche Liebe". Habt ihr gemeinsame Projekte, Pläne? Seid ihr da ein Team?
Am wichtigsten ist übrigens die von dir hier erwähnte "
Vertrauensbasis". Wenn ihr tatsächlich offen miteinander auch über diejenigen Gefühle reden könnt, die eine Beziehung grundsätzlich stören können, dann zeugt das von einer guten Vertrauensbasis. Das wäre ein Thema, dass du gemeinsam mit deinem Mann noch positiv verstärken kannst. Er redet nicht gern, er will keine Paartherapie. Aber er möchte vertrauen und er möchte auch, dass du ihm vertraust. Richtig? Dann redet miteinander über die Form und die Details eurer speziellen Vertrauensbasis. Die ist bei jedem Paar anders, denn viele verlassen sich auf das so genannte URVERTRAUEN, das ist aber äußerst fragil und gehört vor allem in die Mutter-Kind-Beziehung der ersten Lebensjahre.
In einer Beziehung ist es sinnvoll, sich von diesem diffusen Konstrukt des URVERTRAUENS zu verabschieden und sich genauer darüber auszutauschen, was es für den jeweiligen Partner bedeutet zu vertrauen. Was bedeutet es FÜR DICH, ihm zu vertrauen? Wodurch kann dieses Vertrauen beschädigt oder gar zerstört werden? Und das gleich gilt für deinen Mann. Kann er darüber sprechen, was für ihn noch denkbar ist und was undenkbar?
Zitat:>>Es ist wie gesagt nicht so, dass wir nicht miteinander reden würden. Ich versuche ihn auf unsere Probleme anzusprechen. Und ich gebe mir Mühe, unsere Beziehung zu pflegen. <<
Diese Beziehungspflege kann aber auch darin bestehen, dass man sich eben NICHT nur über die PROBLEME austauscht, sondern das, was gut ist, was stabilisierend ist, was positiv gemeinsam erreicht wurde und was man noch gemeinsam erreichen möchte anspricht, vertieft und sich gemeinsam daran erfreut, es soweit geschafft zu haben. Die positiven Verstärker spielen also nicht nur in der Kindererziehung eine wesentliche Rolle, sondern gerade auch in der Liebesbeziehung, wenn die Liebe nicht austrocknen soll.
Zitat:>>Dass ich mich in den anderen verliebt habe, habe ich mir auch nicht ausgesucht. Und auch nicht, dass er verheiratet ist.<<
Der Satz wird millionenfach ausgesprochen, das macht ihn aber nicht besser. Gefühle entstehen aus einer bestimmten Konstellation heraus, und dabei spielen auch Defizite eine Rolle. Sobald diese Gefühle gegenseitig erwähnt werden, rollt aber unaufhaltsam der Point of no return auf die beiden Protagonisten zu. Der wird meist nicht als solcher erkannt und dann ist es mit der Unschuld vorbei. Dann kann man sich auch nicht mehr darauf berufen, dass man sozusagen Opfer seiner Gefühle ist oder war. Man kommt da fast nie wieder raus, weil die Hormone das Kommando übernehmen.
Gerade das ist aber bei dir meiner Meinung nach erkannt oder durch glückliche Umstände verhindert worden. Du und dein damaliger Vorgesetzter habt diesen PONR nicht überschritten, warum auch immer. Also sind deine Gefühle für ihn an einem bestimmten Punkt sozusagen eingefroren worden. Es ist etwas geblieben, aber du weißt nicht genau, was das ist. Und abgesehen von den (von mir schon erwähnten) Projektionen wabert da in deinem Unbewussten noch die Erwartung, dass dieser Mensch in deinem Leben noch eine Rolle spielen könnte.
Das kann man bewusst ändern. Oder man kann es so belassen. Du neigst zu Letzerem. Damit setzt du deine Ehe/Beziehung einer gewissen Gefahr aus, die noch keine schädlichen Auswirkungen hat, so lange du mit deinem Mann eine stabile Vertrauensbasis herstellt und pflegst. Diese Gefahr ist aber nicht verschwunden, sie besteht latent.
Zitat:>>Und mal ganz nebenbei: Es würde mich nicht stören, wenn mein Mann eine Beziehung zu einer anderen Frau anstreben würde. Ich bin grundsätzlich für eine offene Ehe, allerdings nur in soweit, dass trotz der möglichen anderen Partner mir mein Mann bis zum Lebensende an meiner Seite erhalten bleibt. Deshalb hab ich auch nie an eine Trennung gedacht.<<
Interessantes Gedankenspiel. Aber mir ist trotz der Tatsache, dass ich mich seit über 15 Jahren täglich und intensiv mit Beziehungen, Trennungen und Krisen auseinandersetze, noch nicht ein einziger Fall begegnet, in dem eine solche Offene Beziehung über einen längeren Zeitraum funktioniert hat. Das heißt nicht, dass es das nicht gibt, aber ich würde mich nicht darauf verlassen, dass es funktioniert.
Zitat:>>Momentan konnte ich mich mit meinem Mann noch nicht auf einen Nenner kommen, was die Gestaltung unserer Ehe betrifft. Aber da ich noch nie fremd gegangen bin und dies auch nicht explizit vorhabe (wie mir hier manche unterstellen), habe ich kein Problem mit einem traditionellen Eheverständnis. Denn dieses verbietet mir ja nicht, für mich interessante Menschen näher kennenlernen zu können. Trotz sich entwickelter Gefühle muss das ja nicht bedeuten, dass es immer gleich zu einer Affäre führt.<<
Dazu gehört die detailliert besprochene Definition von dem, was man AFFÄRE nennt. Was darf der Partner? Darf er eine andere Frau umarmen? Darf er sie küssen? Darf er sie an intimen Stellen berühren? Darf er mit ihr über seine geheimsten Gefühle sprechen? Oder nur über die, die er auch mit dir bespricht? Oder nur über weniger wichtige Gefühle als die, die er mit dir bespricht? Fühlst du dich ausgegrenzt, wenn er mit einer anderen Frau darüber spricht, was ihm an der Beziehung zu dir fehlt? Wäre das dann schon ein Vertrauensbruch? Oder ist dir das alles egal, solange du es nicht weißt?
Ich habe diese Beispiele spontan aufgezählt das kann man noch vertiefen. Aber du spürst, wie heikel es sein kann, wenn man sich bestimmte Freiheiten wünscht und sie darum vorsichtshalber auch dem Partner zugestehen will. Sobald sie konkret werden, wird es schwieriger. Und noch bevor es zu dem kommt, was wir AFFÄRE nennen, werden Grenzen überschritten, die wir als solche meist nicht erkannt haben, weil wir nicht darüber gesprochen haben. Und das würde ich dir gern ersparen. Darum dieser Beitrag.
Zitat:>>Von daher kann ich die negativen Kommentare mancher hier nicht nachvollziehen.<<
Jeder hat das Recht auf Kommentare, auch wenn sie dir negativ erscheinen. Denn viele haben nun mal als Opfer schlechte Erfahrungen mit solchen Krisen gemacht. Diese schlechten Erfahrungen ploppen dann auf, wenn sie so etwas lesen. Und sie schreiben das. Das dürfen sie. Und du darfst es einfach ignorieren. Das ist sinnvoller, als sich darüber zu ärgern.
War das wieder hilfreich? Oder eher zu weit von dem weg, was du darüber denkst?