×

Lieber Forenbesucher,

wer bei uns Unterstützung sucht, soll sie finden, und wer helfen möchte, ist hier herzlich willkommen. Moderatoren und Mentoren begleiten das Forum und achten darauf, dass Beiträge respektvoll bleiben. Sachliche, tröstende, wohlwollende und empathische Beiträge sind ausdrücklich erwünscht, damit sich alle Mitglieder wohl fühlen. Abwertende oder verurteilende Inhalte haben hier keinen Platz.

872

Unterschiedliche Ansichten im Bereich Abgrenzung

tauris
@E-Claire

Du hast recht, dass jede Beziehung eine Entwicklung ist. Aber eine gesunde Entwicklung zeichnet sich dadurch aus, dass sie in Richtung Klarheit und Autonomie führt.
Ein Prozess darf kein Dauerzustand sein, der notwendige Grenzen aufschiebt. Ob die Beziehung neu ist oder nicht: Ein 14-jähriger Mensch ist kein Kleinkind mehr. Ihn in einer Rolle zu belassen, die den privaten Raum des Vaters und seiner Partnerin beansprucht, behindert die Reifung der Tochter und gefährdet das Fundament der neuen Partnerschaft.
Unterschiedliche Ansichten entstehen oft aus unterschiedlichen Lebenserfahrungen und Werten. Für mich ist Respekt vor dem Paarraum die Basis, damit Patchwork überhaupt gelingen kann.

x 2 #301


alleswirdbesser
Zitat von Yoffi:
Tatsache ist, dass die wenigsten Menschen auf der Welt alleine schlafen

Ist das wirklich so?

#302


A


Unterschiedliche Ansichten im Bereich Abgrenzung

x 3


alleswirdbesser
Zitat von Schnuddel74:
Also, ich denke, dass Kinder sehr gut merken was sie wollen und was nicht. Mein Sohn grenzt sich in anderen Dingen sehr gut an, früher habe ich ihm ...

Alles richtig, aber auch du oder ich als Elternteil brauchen eine Privatsphäre, ein Ort, wo man ungestört sein kann. Ein Teenie macht die Tür des Kinderzimmers zu und du respektierst es sicher auch? Das sollte aber auch für die Eltern gelten. Meine Meinung zumindest. Also keine Einbahnstraße, wenn es um Rückzug und Privatsphäre geht, und auch das will gelernt sein, wenn das nicht schon immer so gelebt wurde. Das Bedürfnis eines Heranwachsenden sich abzugrenzen und für sich zu sein ist nicht sein exklusives Bedürfnis. Für mich war die Säuglings- und Kleinkind Zeit eine Phase, die die Paarebene eine zeitlang beeinträchtigte, ich nahm das gerne in Kauf bis zum zweiten oder dritten Lebensjahr des Kindes. Danach gehörte das Schlafzimmer uns Eltern.

x 2 #303


Y
Zitat von tauris:
Team Katze

Verstehe ich deine Antwort hier so, dass du mit einer Katze im Bett schläfst? Wäre deiner Theorie nach nicht deine Autonomie erheblich gestört, wenn dem so wäre? Oder ist die Katze Teil deiner Paarbeziehung?

Zitat von tauris:
Wahre Autonomie bedeutet auch, die eigenen Emotionen und die nächtliche Ruhe alleine halten zu können

Was die Tochter auch kann. Als sie aus dem Bett des Vaters sollte, wenn die TE anwesend ist, hat sie dies klaglos verstanden und hält sich daran. Das könnte sie nicht, wenn ihr Selbstregulation nicht möglich wäre. Eine Regulation, zu der die TE nicht fähig war, sprang sie doch mitten in der Nacht fluchtartig aus dem Bett, um nach Hause zu fahren.

Etwas nicht können oder etwas lieber haben, sind zwei verschiedene Dinge. Hier wird die Abgrenzung der TE zur Projektionsfläche auf die Tochter.

Zitat von tauris:
Das ist ein interessanter Exkurs in die Kulturgeschichte.

Und mein Beitrag war auch kein kultureller Exkurs. Sondern sollte aufzeigen, dass es nicht dem natürlichen Verhalten von Menschen entspricht alleine zu schlafen. In Ermangelung von Geschwistern wird hier halt beim Vater geschlafen.

Menschen sind Herdentiere, die sich durch die kognitiven Errungenschaft zwar von ihrem ursprünglichen Verhalten abkoppeln können, dennoch steckt das noch tief in uns drin. Alleine schlafen, alleine Leben, sich alleine versorgen läuft dem eigentlichen Verhalten komplett entgegen. Was einige Zivilisationskrankheiten zur Folge hat. Die Suche nach Bindung, entspricht dem ersten Überlebensinstinkt eines Babys. Die Autonomie kommt später und ist zwar wichtig, aber nicht ans Überleben gekoppelt. Bindungsstörungen sind dann vorhanden, wenn die Bindungsphase gestört war. Wenn Bindung keine Sicherheit bedeutet hat. Autonomie kann nur in einer sicheren Bindung wachsen. Bindung ist damit ein zentrales Element menschlichen Seins. Alleine sein können ist es nicht.

Zitat von tauris:
In Kulturen, in denen Familien in einem Raum schlafen, existieren dennoch extrem strikte soziale und psychologische Tabus und Schranken, die die Intimität der Eltern schützen.

Dem würde ich aus meinen Erfahrungen widersprechen. Dafür hätte ich auch gerne eine Beleg.

Zitat von tauris:
Ein 14-jähriger Mensch ist kognitiv und emotional kein Kleinkind mehr.

Das ist klar. Aber das bedeutet nicht, dass sie bereits in die lösende Phase der Pubertät eingetreten sein muss.

Zitat von tauris:
Wer die Paarebene nicht schützt, opfert am Ende die Stabilität des gesamten Systems – und damit genau die Sicherheit, die das Kind eigentlich sucht.

In erster Linie sollte die Familie geschützt werden. Dann kommt die Paarebene. Wer das andersherum handhabt, zeugt kranke, bindungsgestörte Erwachsene, die sich an ihre Paarebene klammern, weil sie (wie du ja selbst schreibst) in sich keine Sicherheit verspüren.

Sicherheit und Selbstregulation sind das Ziel. Kinder müssen das Lernen. Ein erzwungener Prozess, wie es früher im Sinne von "lasst das Kind schreien, dann lernt es sich zu regulieren" gelebt wurde, ist dabei grundfalsch und auch wissenschaftlich völlig überholt.

x 3 #304


A
Zitat von Yoffi:
Verstehe ich deine Antwort hier so, dass du mit einer Katze im Bett schläfst? Wäre deiner Theorie nach nicht deine Autonomie erheblich gestört, wenn dem so wäre? Oder ist die Katze Teil deiner Paarbeziehung? Was die Tochter auch kann. Als sie aus dem Bett des Vaters sollte, wenn die TE anwesend ist, hat sie dies ...

🎯

#305


alleswirdbesser
Zitat von Yoffi:
Verstehe ich deine Antwort hier so, dass du mit einer Katze im Bett schläfst? Wäre deiner Theorie nach nicht deine Autonomie erheblich gestört, wenn dem so wäre? Oder ist die Katze Teil deiner Paarbeziehung?

Also ich habe Kinder und Katzen und da gibt es einen Unterschied - die Katzen verstehen mich meistens nicht (außer ich rufe sie zum Füttern) und machen ihr Ding. Bei den Kindern sieht es nun mal anders aus, auch wenn ich die Katzen sehr gerne mag, so habe ich andere Ansprüche, wenn es um die Elternschaft und Erziehung geht. Die Kinder immer ihr Ding machen lassen wäre womöglich fatal. Auch habe ich keine großen Hemmungen, wenn die Katzen irgendwo im Schlafzimmer schlafen, während mein Partner und ich im Bett beschäftigt sind. Oder war deine Frage reine Provokation? 😉

x 1 #306


ElGatoRojo
Zitat von Brightness2:
Spannend auch, dass eine sechs- oder siebenmonats Kennenlernphase als Partnerschaft geframt wird.

Nun - ich kenen Liebesgeschichten, die dann bereits wieder beendet sind. Eine der leidenschaftlichsten meines Lebens dauerte genau 6 Wochen. Und für die 14-jährige Tochter ist das schon ein deutlicher Teil ihrers bewußt erinnerten Lebens
Zitat von tauris:
Die Partnerin wird in die Rolle der ‚Bittstellerin‘ gedrängt. Sie muss um Privatsphäre verhandeln, die in einer gesunden Erwachsenenbeziehung selbstverständlich sein sollte.

Eben - und das ist die Aufgabe des Vaters, die ungestörte Paarsituation zu ermöglichen
Zitat von Brightness2:
Der Machtkampf wurde nicht von der 13 oder 14-Jährigen ausgerufen sondern von der 50 Jährigen.

Ja und? Schlimm genug, dass sie damit anfangen muss.
Zitat von tauris:
Es geht darum, dass der Vater lernt, seine Rolle als Partner und seine Rolle als Vater so zu trennen, dass beide Seiten ihren Platz haben. Wenn die Tochter 14 ist und immer noch die physische Präsenz des Vaters braucht, um schlafen zu können, dann ist das ein Thema, das der Vater mit der Tochter lösen muss –

🎯👍

x 2 #307


ElGatoRojo
Zitat von Yoffi:
Verstehe ich deine Antwort hier so, dass du mit einer Katze im Bett schläfst?

Verlasse dich nicht darauf, dass die Katze immer da ist. Und immer in deinem Bett schläft, wie du möchtest und deine kalten Füße wärmt. Nö - sie fühlt sich für Nichts verpflichtet und zu Allem berechtigt.

x 1 #308


alleswirdbesser
Und was die Theorie betrifft, dass die durch fehlende Privatsphäre gestörte Paarbeziehung auch dem Kind nicht gut tut, verstehe ich den Gedanken. Denn was macht es mit einem Kind, wenn der Vater eine Beziehungsanbahnung nach der nächsten hat und jede Frau, die mit der Schlafsituation nicht klarkommt, aus dem Leben der beiden verschwindet?

x 2 #309


B
Zitat von ElGatoRojo:
Eben - und das ist die Aufgabe des Vaters, die ungestörte Paarsituation zu ermöglichen

Es ist Nicht die Aufgabe Des Vaters eine ungestörte Pasrsituation zu ermöglichen. Seine Aufgabe ist es Nach seinem Ermessen die Die Vater Tochter Beziehung So gestalten, wie es ihm passt. Nur weil jetzt eine neue Person dazu kommt Kann sie nicht da drüber bestimmen, was in diesem Haushalt passiert. Ich würde den Vater raten, sich von dieser Frau zu trennen.
Ganz offensichtlich ist der Vater nicht der Meinung, dass die Privatsphäre In Erwachsenen Beziehung Wichtiger ist als seine Beziehung zur Tochter. Das ist doch eine recht frische Beziehung! Und jetzt verlangt diese neue Person, die kaum kennt, dass er sich nach ihr richtet. Ich würde es auf keinen Fall tun an seiner Stelle. Was soll das?

x 1 #310


ElGatoRojo
Zitat von BrightnessLove:
Ganz offensichtlich ist der Vater nicht der Meinung, dass die Privatsphäre In Erwachsenen Beziehung Wichtiger ist als seine Beziehung zur Tochter.

Richtig - ganz offensichtlich ist es so. Wäre als Frau für mich die Folgerung mich ernstlich zu fragen, ob ich dann mit diesem Typ eine Liebesgeschichte anfangen möchte

Nebenbei = Liebeleben deklariert sich als 49. Da würde ich allerdings auch auf Effektivität achten, weil ich nicht mehr einige Jahrzehnte vor mir habe.
Zitat von BrightnessLove:
Es ist Nicht die Aufgabe Des Vaters eine ungestörte Pasrsituation zu ermöglichen. Seine Aufgabe ist es Nach seinem Ermessen die Die Vater Tochter Beziehung So gestalten, wie es ihm passt.

Na - was ist das denn für eine Lusche, der eine Geliebte haben will und nicht den Rahmen dafür schafft. Dann möge er doch als Mönch leben. Es ist seine Aufgabe, das zu organisieren und abzustimmen. Und ernstlich -- sind Frauen wirklich so bescheiden in ihren Ansprüchen geworden, wie hier einige zu suggerieren versuchen.

x 1 #311


tauris
@Yoffi

Sorry für alle anderen - Off Topic
Der Verweis auf „Herdentiere“ oder andere „Kulturen “ ist wissenschaftlich unvollständig, wenn man die sozialen Regelsysteme dieser Kulturen weglässt.

Kleiner Ausflug:
Die Anthropologin Jean Briggs beschreibt in ihren Studien (Never in Anger), dass bei den Inuit (die oft auf engstem Raum im Iglu lebten) eine enorme emotionale Selbstbeherrschung erwartet wurde. Das Eindringen in den physischen Bereich der Erwachsenen durch einen fast erwachsenen Jugendlichen wäre als massiver Bruch der sozialen Reife gewertet worden.


Tatami- Der japanische Begriff Ma beschreibt den Zwischenraum oder die Lücke. In traditionellen japanischen Häusern, in denen Familien oft gemeinsam in einem Raum auf Futons schlafen, gibt es extrem strenge Verhaltensregeln. Kinder werden früh darauf trainiert, die elterliche Privatsphäre „nicht zu sehen“ oder „nicht zu hören“. Es ist eine Form der kognitiven Ausblendung, die soziale Harmonie erst ermöglicht.

In keiner stabilen Gesellschaft ist es die Norm, dass ein pubertierender Jugendlicher den intimen Raum der Eltern (oder eines Elternteils mit neuer Partnerin) physisch besetzt. Überall dort, wo physischer Raum fehlt, wird dieser durch strikte psychologische und soziale Schranken ersetzt, um die Autonomie des Jugendlichen und die Integrität des Paares zu schützen.

Wenn Du Dich dafür interessierst - Bindungstheorie- Psychologiestudium 1-3. Semester ca.

#312


S
Zitat von alleswirdbesser:
Das sollte aber auch für die Eltern gelten.

Schon recht, aber bin mir ist die Situation ja auch eine ganz andere, da mein Sohn ja nur die Hälfte der Zeit bei mir ist.

x 1 #313


tauris
@Yoffi

der Nicht Off Topc Teil :
Der Vergleich mit Haustieren oder Steinzeit-Instinkten führt hier am Kern vorbei. Wir sprechen nicht über Biologie, sondern über Beziehungsdynamik in einer modernen Patchwork-Konstellation.

Natürlich ist Bindung essenziell. Aber eine gesunde Bindung zeichnet sich dadurch aus, dass sie dem Kind ermöglicht, alleine sicher zu sein. Wenn ein 14-jähriger Mensch nachts die physische Präsenz des Vaters braucht, um sich sicher zu fühlen, dann wurde hier ein wichtiger Schritt zur Selbstregulation versäumt. Deswegen mein steter Hinweis nach der Ursachenforschung ( Trennung …) Das hat nichts mit ‚Schreienlassen‘ zu tun, sondern mit altersgerechter Nachreifung.

Hierarchie- Die Behauptung, die Familie stünde vor der Paarebene, verkennt, dass das Paar der Architekt der Familie ist. Ohne ein stabiles Paar gibt es keine stabile Familie. Wenn @Liebeleben – die Frau an der Seite des Vaters – sich fluchtartig aus dem System zurückzieht, dann ist das kein Zeichen mangelnder Regulation ihrerseits, sondern eine gesunde Reaktion auf eine massive Grenzverletzung. Wer sich im Bett mit dem Partner wie ein Eindringling fühlt, schützt seine Integrität, indem er geht.

#314


E-Claire
Zitat von tauris:
Ein Prozess darf kein Dauerzustand sein, der notwendige Grenzen aufschiebt. Ob die Beziehung neu ist oder nicht: Ein 14-jähriger Mensch ist kein Kleinkind mehr. Ihn in einer Rolle zu belassen, die den privaten Raum des Vaters und seiner Partnerin beansprucht, behindert die Reifung der Tochter und gefährdet das Fundament der neuen Partnerschaft.

Ich sehe da keinen Dauerzustand, sondern Entwicklung. Und Patchwork ist in meinen Augen nichts Statisches, sondern etwas, was auch immer wieder neu ausgehandelt werden muss.

Ich habe ein großes Störgefühl bei Deiner beständigen Bezeichnung des Schlafzimmers als privaten Raum auch der Partnerin. Es ist das Schlafzimmer des Vaters. Dieser kann sich, so sich das Paar darüber einig ist, langsam über die Zeit in ein gemeinsames Schlafzimmer entwickeln. Das alleinige hin und wieder Übernachten der neuen Freundin macht aus diesem Zimmer aber nicht einfach mal so, deren gemeinsames.

Deine Rigorosität im Hinblick auf die Autonomie dieser 14jährigen teile ich nicht. Ich teile natürlich dein Grundverständnis, würde aber insbesondere bei Kindern, die eine Trennung der Eltern erlebt haben, behutsamer und deutlich flexibler argumentieren.

Was ich deutlich in Deinen Beiträgen vermisse, ist das Anerkennen, dass nachdem die TE ihre berechtigten Gefühle im März kommuniziert hat, diese ja angenommen wurden und auf die damals angesprochenen Situation eingegangen wurde. Es steht also nichts entgegen anzunehmen, dass dies grundsätzlich jetzt auch wieder so sein könnte.
Die tatsächliche Frage, ob dass der TE reicht oder dieses Unbehagen sich nicht eben doch auch aus anderen Motiven speist, denn nicht nur Töchter können sich unbewusst in Konkurrenz mit neuen Partnerinnen setzen, das passiert eben auch anders herum, ist eine, die du meinem Empfinden nach mit Hilfe von sich wiederholenden theoretischen Grundlagen umschiffst.

Auf mich wirkt das ganze seltsam unausgewogen, insbesondere weil du meinem Dafürhalten den wichtigstes Grundsatz des Patchwork bei sich entgegenstehenden Erziehungsstilen vergisst, es gibt kein richtig oder falsch, es gibt ein anders, welchem man bestenfalls mit Reapekt begegnet, um mit der Zeit einen gemeinsamen dritten Weg zu finden.

#315


A


x 4