Zitat von Takeyourtime: Das für mich zum Verzeihen dazu gehört, dass ich respektvoll behandelt werde.
Das ist aber ne Eigenwahrnehmung. Hat nichts mit dem Gegenüber zu tun. Der geht seinen Weg, unabhängig ob du zürnst, heulst, vermisst oder vergibst.
Um "Respektvoll" behandelt zu werden, geht man ja in Vorleistung. Und solange man selbst verletzt ist, von eben jener Person, die mich so zu behandeln hätte.., ist das nicht so leicht. Zumal der ja ne andere Position einnimmt.
Er verlies. Er beendete. Er betrog? Er log? Man nimmt es persönlich, sein Verhalten, wie er sich aus Ehe, Partnerschaft, Beziehung verdrückte. Und er ist jener, der mir so nahe stand, wie sonst kaum ein Mensch. Oder?
Wenn ich meine Grenzen nicht schütze, warum sollte er es tun?
Zitat von Takeyourtime: Sondern das Eintreten für meine Werte.
Das ist die Krux. Wir werden unserer Grenzen erst bewusst, wenn der andere geht, wie er geht und man bemerkt, im Nachhinein, wie aufgeweicht "diese" Werte waren.
Weil man diesem Menschen vertraut hat, ihm näher war als irgendwem sonst. Große Liebe, Seelenpartner, der einzig Wahre. *Trommelwirbel*. Ausgerechnet jener, lässt mich gegen die Wand laufen. Lässt mich erkennen, all die Schwüre, die er sagte, sind nun Geschichte. Vorbei.
Er, der glanzvolle, glänzt nun bei einer Anderen.
Das muss man vergeben können. Das, was er sagte, nur ne Momentaufnahme war. Beim Einen hält es 10 oder 30 Jahre, beim Anderen nicht mal 3 Wochen.
Zitat von Takeyourtime: Würde ich jetzt verzeihen und vergeben könnte ich mich nicht mehr im Spiegel ansehen.
Das dauert. Weil man selbst verletzt ist.
Zitat von Takeyourtime: Ich hätte das Gefühl, dass ich alles mit mir machen lasse. Ohne das es Konsequenzen hat.
Ganz hart. Konsequenz -> er ist nicht mehr dein Partner. Egal, was du oder was du nicht gemacht hast. Wenn er meint, eine Andere liefert ihm, jenes, was er bei dir nicht mehr bekam - geht er. Früher oder später. Weil man nur dieses eine Leben hat. Und jenes Leben sollte so laufen, das es mir gut geht. Tut es das nicht, ziehe ich doch den Grenzzaun neu, oder?
Trenne mich, von jenem, das mich bremst oder behindert. Von Dingen, die nicht gut tun. Und vergebe, dem, der es nicht besser wusste. Der mit den Erfahrungen, die da just zur Verfügung standen, handelte.
Oder zürnst du noch Karl-Uwe, der dir im Kindergarten die Schaufel überzog, weil du seine Sandburg kaputt getreten hast? Ich nehme an, du hast Karl-Uwe schon längst vergessen.
Mit der Zeit wächst Gras darüber. Auch wenn ich heute noch tobe, wie gemein und unfair das alles ablief, wenn ich ne alte Schachtel bin - wird mir das schlicht egal sein. Vergessen und vergeben.
Weil ich eben nur dieses eine Leben habe - und es nicht damit verbringen will, mich in der Vergangenheit zu verlieren, weil er mich warum auch immer los lies. Und das ist für mich verzeihen.