Liebe @mohnblume. Wenn ich schon zitiert werde von der lieben @Heffalump, so möchte ich auch meins dazu sagen.
Ich kann Dir kurz berichten, wo ich heute nach 16 Monaten Trennung stehe. Ich war 35 Jahre mit meinem Mann zusammen, als er entschied sich zu trennen, nicht ganz unerwartet, aber dann doch - und in den folgenden Monaten auf eine Art und Weise, dass ich entschied, keinen Kontakt mehr mit ihm haben zu wollen, bis heute.
Ich wohne immer noch im gemeinsamen Haus, welches jedoch auf Grund einer Teilungsvereinbarung, seinerseits nur hälftig verkauft werden könnte. Mir gehört eine Etage und ihm die andere. Er wohnt auch noch da, aber hat eine Wohnung 800km entfernt angemietet, in der er sich hoffentlich immer öfter aufhält.
Wäre es nach allen anderen gegangen, hätte ich sofort ausziehen sollen, für Abstand sorgen und das Haus verkauft. Ich habe mich nicht irritieren lassen, sondern habe auf mein Bauchgefühl gehört, bin geblieben, da ich in dem Haus wohnen bleiben möchte - bis ICH entscheide, dass das nicht mehr tragbar ist. Das wird sich erst in den nächsten Jahren entscheiden.
DAMIT hätte mein Nm nie gerechnet: erstens, dass ich den Kontakt abbreche und zweitens, dass ich mich bezüglich des Hauses nicht erweichen lasse.
FAZIT FÜR DICH (aus meiner Perspektive), achte nach der Schockstarre auf Dich, höre in Dich hinein, was Du möchtest und verfolge diesen Plan mit aller Konsequenz.
Desweiteren habe ich mir eine Anwältin gesucht, die meine Interessen vertritt und mit welcher ich eine Strategie entwickelt habe.
FAZIT: Suche Dir eine Anwältin für Familienrecht, die Dir ein gutes Gefühl gibt. Ich hatte mir vorher mehrere angeschaut.
Dann ( das habe ich zu spät gemacht) beantrage Trennungsunterhalt.
Weiter: auch ich dachte, ich könne meine Stelle nicht aufstocken, habe Teilzeit gearbeitet ( habe 2 erwachsene Kinder, von daher immer Teilzeit - wir Frauen sind diesbezüglich echt oft dumm, meine Vollzeitstelle macht nicht mehr Arbeit, aber mehr Gehalt - auf jeden Fall war das dann im Verlauf des Trennungsjahres doch möglich.
FAZIT: hab Vertrauen, dass Dinge sich auch zu Deinen Gunsten entwickeln.
Das zum finanziellen und nicht unwesentlichen Teil - den ich allerdings auch erst später angegangen bin, ich habe mir erst einmal die Zeit genommen, zu fühlen, zu trauern etc.
Bei uns steht jetzt noch eine Mediation an, der ich mit Grauen entgegenblicke, weil ich mich dann wieder mit meinem Mann konfrontieren muss und mir nicht sicher bin, ob ich die Contenance werde halten können. Es ist zuviel in der Zwischenzeit geschehen …
Zum Emotionalen: : die ersten Monate waren schrecklich. Auch rückblickend würde ich sagen, dass ich so etwas in der Form nicht mehr erleben möchte. Ich habe ebenfalls wie Du erst einmal abgenommen (bin schon schlank und dann noch schlanker) , hatte am ganzen Körper einen Hautausschlag, aber war dennoch in der Lage, irgendwie zu funktionieren. Ich habe unverändert gearbeitet und erst einmal im beruflichen Kontext niemandem von der Trennung erzählt, wollte nicht „bemitleidet“ werden. Hier muss ich lächeln: nachdem ich mich geoutet hatte, wie sich Verbindungen zu KollegenInnen änderten. Frauen solidarisierten sich mit mir und Männer meinten, sie könnten wieder …denn ich sei ja wieder auf dem Markt. Das war interessant zu beobachten.
Ich sehe schon: das hier wird eine Autobiographie meiner Trennung, aber vielleicht hilft sie Dir, liebe @mohnblume.
Weitere Hilfen: Forum, schreiben, schreiben … Und ich kann sagen, dass ich hier bislang 3 Menschen getroffen habe, mit denen eine Art Freundschaft gewachsen ist und die sehr stützend waren und sind! DANKE EUCH!
Dann habe ich mich einer Online Selbsthilfegruppe angeschlossen und auch, wenn es das Portal nicht mehr gibt, treffen wir uns immer noch einmal wöchentlich zum Austausch. Das hat auch sehr geholfen. Hierüber habe ich ebenfalls 2 Frauen kennengelernt, die meinen Alltag und ich ihren täglich unterstützend begleiten. Inzwischen ist es auch zu 2 WellnessWenden gekommen, was ebenfalls sehr schön war. Das heisst, wir treffen uns auch im realen Leben.
FAZIT: Gleichgesinnte sind wichtig!
Weiter wichtig (aus meiner Sicht): Sport, Bewegung aller Art, spüre Dich in Deinem Körper. Psychotherapie oder Selbsterfahrung, Selbstreflexion, achte auf Dich, Dein Aussehen, Deine Ernährung etc. Unternehme Dinge alleine, wenn Dir danach ist. Entwickel eine Gleichgültigkeit, was andere über Dich sagen:
FAZIT: Stelle Dich alleine auf. Du selbst bist es Dir wert und bist ein toller, schöner, liebenswerter, wertvoller und wunderbarer Mensch! Lerne Dich selbst zu lieben.
Wo stehe ich jetzt: wie geschrieben, die Scheidung ist noch nicht vollzogen, da ist noch einiges ungeklärt, zu meinem NM möchte ich keinen Kontakt mehr, die Beziehung zu meinen Kindern ist eng, neue Freundschaften sind entstanden. Männer: ich verspüren wieder eine Sehnsucht nach Lieben und geliebt werden. Vielleicht kann ich zu diesem,Punkt in einem Jahr mehr sagen. Aber vielleicht entscheide ich auch, alleine glücklicher zu sein. Wer weiß das schon?! Ich genieße es, alleine zu reisen, Dinge zu unternehmen, fühle mich nicht mehr wie ein Alien, weil ich alleine bin.
Und jetzt gehe ich frühstücken. Bin gerade alleine auf einer Mittelmeerinsel. Die Sonne scheint, ich brauche mich um nichts kümmern. Kann mich treiben und verwöhnen lassen. Die Gedanken kommen und gehen. Es gibt noch einiges zu verarbeiten. Ich kann mich spüren, die Kraft in mir, aber auch das Unausweichliche, dass das Alte vorbei ist, unwiderruflich.
Fühle Dich umarmt, liebe @mohnblume. Du schaffst das, wie viele hier. Wir sind stark und wertvoll. Das Leben möchte weiter gelebt werden! Es gibt kein zurück, nur nach vorne! Wir sind bei Dir!