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Verlassen nach fast 30 Jahren

AnnLotta
@Mohnblume_

Zitat:
Das hat sie mir jetzt so gesagt. Ich hab mir die Freiheit genommen, ihr zu sagen, dass ein Problem war, dass er schon die gemeinsame Freundin in den startlöchern stehen hatte. Das hat ihr die Sprache verschlagen und ich hab mich verabschiedet. Denke, das war ein Fortschritt. Ich hab nicht angefangen zu heulen.


Das hast du prima gemacht, liebe Mohnblume 👍

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Taja1976
@Mohnblume_ lass Dich nicht verunsichern, er will als Gutmensch dastehen. Haste super gemacht mit den Nachbarn 👍

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A


Verlassen nach fast 30 Jahren

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M
Zitat von hotte:
Ich glaube die Frage ist was genau du nachtrauerst. Ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte das du vermutlich nicht dem Mann hinterher trauerst sondern dem Leben, der Verbundenheit, der Vertrautheit und diesen Dingen. Wenn dem so ist dann solltest du deinen Freunden genau das sagen und ich glaube das sie das verstehen werden.

Was das Gefühl angeht zu viel zu sein... auch hier hilft es drüber zu reden. Sag deinen Freunden das du diese Gedanken hast und das du hoffst das sie dir ehrlich sagen wenn etwas zu viel wird. Je weniger du aktuell nachdenken bzw. interpretieren oder vermuten musst, desto besser wird es dir gehen.

Mir gegenüber hat zum Glück noch keiner durchblicken lassen, dass es "inzwischen doch mal gut sein müsste". Meine Schwester fragte nur mal, warum ich noch keinen Neuen habe. Ohne Worte.

Ich denke, wenn so eine Aussage kommt, wollen die Leute primär, dass es einem „wieder gut geht“. Weil sie aber hilflos sind und unseren tiefen Schmerz nicht miterleben wollen, flüchten sie sich in billige Kalendersprüche.
Sie sehen nur die Gegenwart: „Der Mann ist weg, er hat eine Neue, also hake ihn ab.“ Sie begreifen nicht, dass man nicht dem „Ar...“ nachtrauert, sondern den brutalen Überfall auf die gemeinsame Lebensbiografie und sein eigenes Ur-Vertrauen verarbeiten muss. Nach Jahrzehnten gemeinsamer Investition in die Familie schaltet man nach nur wenigen Monaten im Trennungsjahr nicht einfach per Knopfdruck auf „Gute Laune“.

Ich trauere um das zerstörte Fundament: um die Sicherheit, die Verlässlichkeit und den seelischen Hafen, den wir für unsere Jungs aufgebaut haben. Ich muss den Schock verarbeiten, dass ein Mensch, dem ich vertraut habe (DER Mensch), klammheimlich agiert, die Maske fallengelassen und unser gesamtes Lebenswerk entwertet hat.

Das ist ein zutiefst gesunder, notwendiger Trauerprozess um die eigene Vergangenheit – und kein Sehnen nach seiner Anwesenheit.

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M
Zitat von Mohnblume_:
Ich hab mir die Freiheit genommen, ihr zu sagen, dass ein Problem war, dass er schon die gemeinsame Freundin in den startlöchern stehen hatte.

Recht so! Immer schön die Wahrheit sagen.

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M
Zitat von Maura:
Mir gegenüber hat zum Glück noch keiner durchblicken lassen, dass es "inzwischen doch mal gut sein müsste". Meine Schwester fragte nur ...

Ja, hast du alles super beschrieben. Also worum wir trauern.
ich hab dann heut leider doch nochmal einen Tritt bekommen. War nochmal draußen und bin glatt der nächsten Nachbarin die Arme gelaufen. Der hat mein Mann erzählt, dass unsere Ehe schon seit 1,5 Jahren kaputt ist. Ich bin dann schnell rein, weil ich eine Nachbarin/freundin um die Ecke kam, die dann die „Aufklärung“ übernommen hat.
Vor 3 Monaten hörte mich so eine Info komplett durchdrehen lassen. Jerzt kann ich nur nicht schlafen.
Aber seine Wahrheit zu hören ist schon krass. im Endeffekt hat er unsere Ehe schon seit einem Jahr abgeschrieben und mit noch im Moment gelebt. Er ist einen feigen Weg gegangen, damit es leichter for ihn ist. Und dass er Trennungsabsichten hat, hat er erst gesagt, als es schon zu spät war. Und auch da hat er mich alleine kämpfen lassen und noch Dates/Urlaub/Sex mitgenommen und mich dann abserviert, als es die Neue hatte:
Schon Wahnsinn, wie man das dem Menschen antun kann, mit dem Mann fast 30 Jahre verbracht hat. Er wusste 1 Jahr, was in ihm vorgeht. Und war immer unzufriedener und ich konnte immer weniger richtig machen. Er hat alle eine Show vorgespielt. Auch unseren Kindern und Freunden. warum willte er noch auf Dates mit mir und immer mehr Sex, wenn die Ehe für ihn kaputt war. Und wie kann er seine eigene Version glauben?
und da wären wir auch wieder bei dem gleichen Muster. Er erzählt immer nur das, was ihm nutzt. Den Rest lässt er weg. Er wird sicher auch seinen beiden Beziehungen die Version erzählen/erzählt haben. Ohne den Rest. Aber sicher wird er sich dafür bemitleiden lassen, dass er der Therapeut war und das nicht länger ausgehalten hat.

was für ein Tag. Gute Nacht.

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Igelfisch
Zitat von Liv225:
Bei uns Verlassenen ist einfach diese massive Enttäuschung… und es heißt : Muss doch mal wieder gut sein, Du bist ja so stark…


Richtig. Und von Leuten, die es nicht nachvollziehen können und mir immer wieder erzählen, dass es jetzt auch langsam mal gut sein muss, würde ich mich erstmal zurückziehen. Nicht bei wirklich guten Freunden aber wenn es sich "nur" um Bekannte handelt, dann erstmal raus aus deren Orbit. Weil dieses vorgebete, wie man ihrer Meinung nach zu denken und zu fühlen hat, machts nicht besser und hilft auch nicht. Und ich bräuchte nicht noch eine Front, an der ich gegen Verständnislosigkeit kämpfen muss.

Vielleicht kann es helfen, auf andere Gedanken zu kommen, wenn man mal etwas mit fremden Menschen unternimmt. Gibt da ja Möglichkeiten über Apps oder Kleinanzeigen. Mal etwas Neues ausprobieren. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass es nicht gut ist, wenn man mit den Gedanken immer nur um das eine Thema kreist. Man muss aus diesem Karussell mal raus und das geht eben doch am besten erstmal über Ablenkung. Und wer weiß, vielleicht entdeckt man dann eine neue Leidenschaft, die einem gut tut und die bei der Verarbeitung des Schmerzes, des Kummers und der Enttäuschung hilft.

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C
Zitat von Maura:
Mir gegenüber hat zum Glück noch keiner durchblicken lassen, dass es "inzwischen doch mal gut sein müsste". Meine Schwester fragte nur ...

Ja - Trauer um die eigene Vergangenheit und - ganz wichtig - auch die eigene Zukunft (und die unserer Kinder). Das heißt natürlich nicht, dass wir keine Zukunft haben. Aber halt nicht die, die wir geplant hatten.

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M
Zitat von Caecilia:
Ja - Trauer um die eigene Vergangenheit und - ganz wichtig - auch die eigene Zukunft (und die unserer Kinder). Das heißt natürlich nicht, dass wir ...

Wenn ich versuche, sowas zu erklären, stoße ich auf Unverständnis. Weil keiner wissen kann, was die Zukunft bringt.

und wenn ich sage, dass es keine gemeinsamen Geburtstage der Kinder mehr geben wird, heißt es „ja, weil du nicht mit ihm reden kannst.“

Ist gerade echt schwierig. Und macht mir Angst. Ich fahren morgen in Urlaub mit den Kindern und einer befreundeten Familie. Hab da echt Angst vor. Aber gerade habe ich vor Allem Angst.

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AnnLotta
@Mohnblume_

Liebe Mohnblume 🌸

Ich hoffe du kannst, trotz deiner Angst, ein bisschen die Akkus aufladen. 🤗

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Rheinländer
Zitat von Maura:
Sie begreifen nicht, dass man nicht dem „Ar...“ nachtrauert, sondern den brutalen Überfall auf die gemeinsame Lebensbiografie und sein eigenes Ur-Vertrauen verarbeiten muss.

@Maura
Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht und glaube daher, dass das nur Menschen begreifen können, die das auch durchlebt haben, oder aber sehr sehr empathisch sind.
Die Auswirkungen eines solchen Überfalls sind bei gemeinsamen Kindern wahrscheinlich bis zum eigenen Ableben spürbar, auch wenn dieses Gefühl im Laufe der Jahre immer schwächer wird. Es sind die Feiern der Kinder, Familie, Geburt der Enkelkinder, Taufe, Einschulung, etc, die immer zeigen werden, dass das Leben anders gelaufen ist, als geplant.

#790


A


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